Radsport Giro d'Italia
Verspätete Dopingwelle rollt aus Italien an

Nachkontrollen der Dopingproben vom Giro d'Italia 2008 haben Hinweise auf Blutdoping mit dem Epo-Nachfolger Cera bei sechs bis sieben noch unbekannten Fahrern ergeben.
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Dem Radsport drohen mit mehr als einjähriger Verspätung neue Dopingskandale aus Italien. Bei Nachkontrollen der Proben vom Giro d'Italia 2008 soll die Staatsanwaltschaft Padua Hinweise auf Blutdoping mit dem Epo-Nachfolger Cera gefunden haben. Sechs bis sieben Fahrer stehen demnach im Visier der Justiz. Das berichtet die italienische Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport, Namen wurden nicht genannt.

Staatsanwalt Benedetto Roberti hatte 82 Proben vom Giro sichergestellt und nachträglich kontrollieren lassen. Bei einigen Profis ließen die Befunde auf Doping mit Cera schließen. Die Staatsanwaltschaft Padua will nun den Radsport-Weltverband UCI einschalten und die verdächtigen Proben mit den Daten vergleichen, die sich im Anti-Doping-Labor in Lausanne befinden. Mit ersten Ergebnissen ist in den nächsten Wochen zu rechnen, berichtete das Blatt.

Die Staatsanwaltschaft Padua hatte die Ermittlungen nach dem Geständnis von Dopingsünder Emanuele Sella eingeleitet. Sella, zweimaliger Giro-Etappensieger von 2008, war im Juli des gleichen Jahres bei einer gezielten Kontrolle positiv auf Cera getestet worden. Daraufhin hatte er ein Geständnis abgelegt und aufgrund der Kronzeugen-Regelung eine reduzierte Sperre von einem Jahr erhalten.

Cera zum Zeitpunkt des Giro noch nicht nachweisbar

Cera war zum Zeitpunkt des Giro noch nicht nachweisbar. Erst wenige Wochen später hatte die französische Anti-Doping-Agentur (Afld) ein Testverfahren entwickelt und bei der Tour unter anderem die beiden Gerolsteiner-Profis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl sowie den Italiener Riccardo Ricco, Gesamtzweiter beim Giro 2008, erwischt. Die Rundfahrt hatte damals Toursieger Alberto Contador gewonnen.

Renn-Organisator Angelo Zomegnan ("Mehr Tests sind überflüssig") hatte sich zunächst gegen Nachkontrollen gewehrt, auch die UCI hatte nur äußerst verhalten Nachkontrollen gefordert. Nach der Aussage von Sella hatte die Staatsanwaltschaft auch eine Razzia in mehreren Häusern, Arztpraxen, Apotheken und einer Pharmafirma gestartet und dabei Epo-Präparate und weitere Dopingmittel beschlagnahmt.

Nikacevic verdächtigt

Der ehemalige Teamchef der serbischen Rad-Nationalmannschaft, Aleksandar Nikacevic, wurde im Zuge dieser Aktion festgenommen. Der derzeitige Sportdirektor des Radteams von Partizan Belgrad soll der Kopf einer Organisation gewesen sein, der Hehlerei und illegaler Handel mit Dopingmitteln vorgeworfen werden. Zusammen mit 30 weiteren Verdächtigten soll er Radprofis und Amateursportler in Italien unter anderem mit Epo-Präparaten versorgt haben.

Ins Visier der Fahnder waren auch zwölf Radprofis geraten, darunter die beiden früheren Gerolsteiner-Fahrer Davide Rebellin und Andrea Moletta. Rebellin wurde bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking positiv auf Epo getestet.

© SID

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