Radsport International
Ende des Phonak-Teams besiegelt

Der Schweizer Profi-Radrennstall Phonak wird zum Ende der Saison von der Bildfläche verschwinden. Das Team hat auf den Dopingskandal um Tour-de-France Sieger Floyd Landis reagiert und wird sich auflösen. Das gab Besitzer Andy Rihs am Dienstag bekannt. "Als passionierter Velofahrer bin ich schwer enttäuscht, dass der Radsport offenbar zu einem Synonym für Doping geworden ist. Diese Entwicklung bedauere ich sehr", sagte der erfolgreiche Geschäftsmann und bekennende Radsport-Fan auf einer Pressekonferenz in Zürich.

Damit zog Rihs zehn Tage nach der positiven B-Probe von Landis erwartungsgemäß die Konsequenzen. Auch, weil die Suche nach einem neuen Hauptsponsor (der Phonak-Ausstieg war schon seit längerem beschlossen) ohne Ergebnis geblieben war und die Ausstellung einer neuen Protour-Lizenz durch den Radsport-Weltverband UCI als höchst fraglich galt. Denn das 2000 gegründete Team war bereits zum zwölften Mal seit 2001 in eine Dopingaffäre verwickelt.

Fall Landis war ausschlaggebend

Den Ausschlag für den Rückzug hätte laut Rihs der Fall Landis gegeben. "Aus diesem Grund sehe ich mich heute zu etwas gezwungen, was ich in meinem ganzen Leben als Unternehmer nie tat: Ich gebe auf!", sagte der Phonak-Besitzer und betonte, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen sei: "Es tut mir vor allem leid für unsere jungen, vielversprechenden Schweizer Fahrer, die an dieser Entwicklung keine Schuld haben, sowie für das gut eingespielte Betreuerteam."

Der Hörgerätehersteller Phonak wollte sich ohnehin zum Saisonende zurückziehen, stattdessen sollte der US-Investor ishares nachrücken. Doch angesichts der jüngsten Entwicklung einigte man sich auf eine Vertragsauflösung. Rihs will nun seinen 25 Profis bei der Suche nach neuen Rennställen helfen: "Wir fahren die Saison zu Ende und starten auch bei der Spanien-Rundfahrt. Dies bietet unseren Fahrern die Chance, sich für andere Teams zu empfehlen."

Grabsch auf Jobsuche

Das gilt auch für den Wittenberger Bert Grabsch, der das Ende bereits befürchtet hatte. "Ich muss mich neu orientieren. Mein Management wird sich in den nächsten Wochen intensiv darum kümmern", meinte der 31-Jährige, der während der Tour de France einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben hatte. Noch härter als die Fahrer dürfte es wohl die Betreuer treffen, wie etwa den deutschen Mechaniker Werner Lenk, der bereits zum fünften Mal wegen einer Team-Auflösung auf der Straße steht.

Der Fall Landis war in der Phonak-Teamhistorie nur die Spitze des Eisberges, der das traurige Dutzend Dopingfälle voll machte. Zu der Reihe prominenter Namen, die den Rennstall in Verruf brachten, gehörten Ex-Weltmeister Oscar Camenzind (Schweiz), der Mitte 2004 der EPO-Einnahme überführt wurde, oder Zeitfahr-Olympiasieger Tyler Hamilton (USA), dem kurz darauf bei der Vuelta Fremdblut-Doping nachgewiesen wurde.

Skandale auch umter neuem Teamchef Lelangue

Danach hatte die UCI dem Rennstall die Lizenz für die Protour 2005 verweigert, wurde jedoch vom Sportgerichtshof CAS korrigiert. Unter anderem deshalb, weil Rihs die Teamleitung ausgetauscht hatte. Doch die Skandale rissen auch unter dem neuen Teamchef John Lelangue nicht ab.

Wie Jan Ullrich gerieten der Ex-Weltmeister Santiago Botero (Kolumbien) und der Giro-Zweite Jose Enrique Gutierrez (Spanien) in der spanischen Dopingaffäre unter Verdacht. Mit ihrer sofortigen Suspendierung reagierte Phonak schneller als alle anderen Teams. Doch der erhoffte Befreiungsschlag währte nur bis zum 27. Juli, als die positive A-Probe von Landis bekannt wurde.

© SID

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