Radsport International
Gerdemann stürzt schwer und muss um Tour bangen

Der Freiburger Linus Gerdemann hat sich bei der Rundfahrt Tirreno-Adriatico einen Oberschenkelbruch zugezogen. Damit ist auch der Tour-Start des High-Road-Fahrers in Gefahr.

Schock für Linus Gerdemann: Ein schwerer Sturz im Zeitfahren der Rundfahrt Tirreno-Adriatico hat die Hoffnungen auf einen erneuten Tour-Etappensieg des Freiburgers in weite Ferne gerückt. Der Fahrer vom Team High Road erlitt einen knöchernen Abriss des Seitenbandes am linken Oberschenkel und einen knöchernen Abriss des Kreuzbandes am Unterschenkel. Zudem wurde der Schienbeinkopf eingedrückt.

Gerdemann wurde noch in der Nacht zum Montag von Italien nach Hamburg geflogen und im Berufsgenossenschaftliche Unfallkrankenhaus Boberg eingehend untersucht, erst danach soll ein Operationstermin festgelegt werden. "Ich fahre am Nachmittag hin und spreche mit dem Arzt. Linus macht jetzt das ganze Programm an Untersuchungen durch", sagte Sportdirektor Rolf Aldag dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Das ist natürlich ein großer Verlust für Rund um Köln und den Giro d'Italia. Aber im Moment wollen wir nicht so schwarz sehen und den Tour-Start schon abschreiben."

Trotz Verletzung auf Platz acht

Der 25-Jährige hatte im Kampf gegen die Uhr bereits den eine Minute vor ihm gestarteten Danilo di Luca überholt, dann jedoch 1,8 Kilometer vor der Ziellinie ein Absperrgitter berührt und sich überschlagen. Die Bestzeit von Weltmeister Fabian Cancellara war damit außer Reichweite, dennoch kämpfte sich Gerdemann mit der achtbesten Zeit ins Ziel und hatte als Vierter der Gesamtwertung sogar gute Chancen auf den Gesamtsieg.

"Ich wäre nach den Zwischenzeiten wohl Zweiter im Zeitfahren hinter Cancellara geworden. Das hätte zum Gesamtsieg gereicht. Und das ohne richtige Vorbereitung", sagte Gerdemann.

Im vorigen Sommer hatte Tour-Neuling Gerdemann zehn Jahre nach Jan Ullrichs Triumph in Andorra als erster Deutscher eine Bergetappe der Frankreich-Rundfahrt im Alleingang gewonnen - einen Vergleich mit dem gefallenen Rad-Star lehnte er jedoch ab. "Ich bin nur einer von vielen guten jungen Fahrern in Deutschland", sagte Gerdemann nach seinem Triumph auf der siebten Etappe nach Le Grand-Bornand, die er mit einer beeindruckenden Attacke am Col de la Colombiere eingeläutet hatte.

Aus dem vom früheren Nachwuchs-Bundestrainer Peter Weibel einmal als "untrainierbar" bezeichneten Jungprofi war endgültig die große deutsche Nachwuchshoffnung geworden. Auch im Kampf gegen Doping. Gerdemann sah seinen Erfolg als Beweis, "dass man auch mit sauberen Mitteln schnell den Berg hochfahren kann". Am Vorabend der Etappe hatte T-Mobile bei seinen Fahrern zum wiederholten Mal eine Blutvolumenmessung durchführen lassen.

Vom Team Akud-Arnold zu CSC

Seit er in der Saison 2005 vom drittklassigen Team Akud-Arnolds zum CSC-Rennstall des Dänen Bjarne Riis gewechselt war, hatte Gerdemann bereits mit einem Etappensieg bei der Tour de Suisse 2005 nachdrücklich auf sich aufmerksam gemacht. Ende 2005 hatte T-Mobile ihn ins Magenta-Team geholt. In seinem ersten Jahr beim Bonner Rennstall wurde Gerdemann jedoch für keine der drei großen Rundfahrten nominiert, und auch bei der Deutschland-Tour konnte er die in ihn gesetzten Erwartungen nicht ganz erfüllen.

Nach seinem Paukenschlag in Frankreich verpasste Gerdemann im vergangenen September die Straßen-WM in Stuttgart wegen Magenproblemen. Anfang März stellte Gerdemann seine gute Frühform mit einem dritten Platz beim Eintagesrennen `Monte Paschi Eroica' unter Beweis.

Ob er rechtzeitig zum Prolog der Tour de France am 5. Juli in Brest in Topform kommt, ist seit Sonntag jedoch mehr als fraglich. "Als einer der absoluten Topfahrer wird er alle Unterstützung vom Team bekommen", erklärte Aldag: "Wenn er ein Rennen zur Vorbereitung braucht, wird sein Wunsch Vorrang vor den anderen Startern haben."

© SID

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