Radsport International
"Rachegeist" treibt Armstrong zurück aufs Rad

Bei seiner Rückkehr in den Rennzirkus wird Lance Armstrong auch von der möglichen Rache an seinen zahlreichen Kritikern beflügelt. Für sein neues Team will er sogar ohne Gage fahren.

Lance Armstrong hat die Radsport-Welt mit seinem angekündigten Comeback in helle Aufregung versetzt. Die Reaktionen reichen von Verwunderung bis Kopfschütteln. Während die Profis, Teamchefs und Experten darüber diskutieren, ob die Rückkehr des einstigen Tour-Dominators Fluch oder Segen für die kriselnde Rad-Branche ist, gibt sich der Auslöser der Debatten so angriffslustig wie eh und je.

"Ich werde versuchen, die achte Tour de France zu gewinnen", sagte der Amerikaner, der die Frankreich-Rundfahrt von 1999 bis 2005 beherrscht hatte, in einem Interview des Magazins Vanity Fair. Mit seiner Rückkehr drei Jahre nach dem Rücktritt wolle er auch "auf die Last der Krebskrankheit aufmerksam zu machen," meinte der bald 37-Jährige, bei dem 1996 Hodenkrebs diagnostiziert worden war.

Die Rache treibt Armstrong zurück aufs Rad

Ein weiteres Motiv sei die Möglichkeit, Kritiker zum Schweigen zu bringen, die seine Erfolge in Verbindung mit Doping bringen. "Als ich in den Jahren 1998 und 1999 das erste Mal zurückkam, war Rache ein enormer Faktor", sagte Armstrong und ergänzte: "Ein wenig von diesem Rachegeist ist auch jetzt in mir."

Für welchen Rennstall der Texaner sein Comeback wagen wird, steht in den Sternen. Im Gespräch sind das kasachische Astana-Team mit Armstrongs früherem Teamchef Johan Bruyneel und Columbia, die in den USA ansässige Nachfolge-Mannschaft von T-Mobile. "Wenn da etwas dran ist, müssen wir wissen, was seine Motivation ist, und dann werden wir reden", meinte der Belgier Bruyneel.

Armstrong fährt ohne Gage

Für den neuen Arbeitgeber will Armstrong ohne Gage fahren. "Ich werde tatsächlich umsonst fahren. Kein Gehalt, kein Bonus", sagte der Rad-Star, dessen Ehrgeiz im August beim Mountainbike-Rennen Leadville Trail 100 in Colorado mit Platz zwei geweckt wurde: "Ich lüge nicht, ich meine es ernst. Morgens aus dem Bett zu kommen, geht zwar etwas langsamer. Aber wenn ich auf dem Rad sitze, dann fühle ich mich so gut wie früher."

Jan Ullrich konnte sich eine Rückkehr seines ewigen Rivalen in den Rennzirkus zunächst nicht vorstellen, als die Nachricht noch ein Gerücht war. "Ich glaube es erst, wenn Lance in Monaco am Start steht", sagte der Tour-Sieger von 1997 der Bild-Zeitung.

© SID

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