Radsport National
Deutsche Tour-Hoffnungen ruhen auf Markus Fothen

Während der Stern des großen deutschen Radsport-Stars Jan Ullrich weiter sinkt, stürmt in dessen Schatten ein neues Talent an die Spitze. Markus Fothen könnte die neue deutsche Hoffnung bei der Tour de France werden.

Sein plötzlicher Erfolg bei der Tour de France dürfte niemanden mehr überraschen als Markus Fothen selbst. Vor einem Monat war sich der Jung-Profi noch nicht einmal sicher, ob der Traum von seiner ersten Tour de France auch wahr werden würde. Doch seit diesem Wochenende ist der "Mann in Weiß" zum Hoffnungsträger des Teams Gerolsteiner geworden. Nach der glänzenden Vorstellung beim Einzelzeitfahren von Rennes und dem gleichzeitigen Einbruch von Kapitän Leipheimer (USA) könnte sich der Kaarster bald als Nummer 1 des Eifel-Rennstalls wiederfinden.

Noch allerdings wehrt der 24-Jährige alle Vorschusslorbeeren ab: "Ich bin kein zweiter Jan Ullrich", sagte er im Interview mit der L´Equipe, die ihm eine halbe Seite widmete. "Ich habe noch nichts Großes gewonnen und werde weiter für Levi Leipheimer und Georg Totschnig fahren." Doch auch der Österreicher geht schon fast drei Minuten hinter ihm in die Berge.

Fothen: "Beim Giro habe ich gemerkt, dass ich ganz gut mithalten kann"

Beim Giro-Debüt 2005 war Fothen "selbst überrascht, wie gut ich ganz oben noch mithalten konnte". Was nicht unbedingt zu erwarten war, denn die größte Erhebung in heimatlicher Umgebung am linken Niederrhein sind die Vollrather Höhen (180m) bei Grevenbroich. "Beim Giro habe ich im letzten Jahr aber gemerkt, dass ich ganz gut mithalten kann", erzählt er - und baut gleich vor: "In den letzten Serpentinen ist mir schon fast die Puste ausgegangen."

Am Ende wurde er völlig überraschend Zwölfter, doch zum Abheben verführte es ihn nicht. Obwohl sich T-Mobile meldete, unterschrieb er bei Gerolsteiner bis 2008: "Ich habe das Gefühl, dass ich dort gut aufgehoben bin." Teamchef Hans-Michael Holczer hatte ihm 2003 einen Vertrag ab 2004 angeboten: "Und zwar, ehe ich U23-Weltmeister im Zeitfahren wurde; das hat mich schon sehr beeindruckt."

Fothen kommt aus Vorst, das zur Stadt Kaarst bei Neuss gehört. Seine Eltern haben einen Schweinemastbetrieb, er selbst lernte dort Landwirt. 500 Meter entfernt steht die Radrennbahn Büttgen. Doch zum Radsport kam er erst über seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Thomas: "Der kassierte in seinem ersten Rennen gleich 15 Mark Prämie, das war unser Taschengeld für einen ganzen Monat und hat mir gefallen."

Gerolsteiner-Teamleitung vertraut Fothen voll

"Ich weiß gar nicht, ob ich zur Tour mitkomme, schließlich habe ich in diesem Jahr noch keine Leistung gebracht", meinte er noch Anfang Juni beim letzten Feinschliff in Büttgen. Ein Sturz bei der Katalonien-Rundfahrt hatte seine Vorbereitung im Frühjahr unterbrochen. "Aber die Teamleitung hat mir gesagt, ich solle mich nicht selbst verrückt machen, sie würden mir voll vertrauen", setzte er hinzu. Mit dieser Einstellung ist Gerolsteiner bisher sehr gut gefahren.

Er selbst ist seit zehn Wochen stolzer Vater. Dauerfreundin Jessica hat eine Tochter zur Welt gebracht. Kurz nach der Geburt verabschiedete er sich zum Höhentraining nach Teneriffa: "Das fiel mir schwerer als Jessica. Sie weiß, dass sie einen Radprofi zum Partner hat." Einen, der "in einigen Jahren die Tour gewinnen möchte", aber auch sagt: "Im ersten Jahr bin ich zum Lernen und zum Helfen da." Ein Junge vom Bauernhof weiß, dass die Saat erst reifen muss.

© SID

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