Radsport National
Donnerstag Entscheidung über Zukunft von T-Mobile

Eine Entscheidung über die Zukunft des Radsport-Teams T-Mobile wird am Donnerstag fallen. Der Sponsor will auf einer Pressekonferenz bekanntgeben, ob der bis 2010 laufende Vertrag erfüllt wird.

Am Donnerstag herrscht Klarheit über die Zukunft des Radsport-Teams T-Mobile. Im Vorfeld der Deutschland-Tour will der Sponsor auf einer Pressekonferenz in Saarbrücken (14.00 Uhr) bekanntgeben, ob der bis 2010 laufende Vertrag mit dem Radrennstall erfüllt wird.

Aldag:"Wir hoffen, dass es weitergeht"

"Wir hoffen, dass es weitergeht. Wir würden gerne weitermachen, aber das ist die Entscheidung des Konzerns", sagte Sportdirektor Rolf Aldag auf sid-Anfrage. Nach dem Dopingfall Patrik Sinkewitz hatte der Konzern das millionenschwere Sponsoring auf den Prüfstand gestellt.

Ein Ausstieg wäre wohl das Eingeständnis, den Kampf gegen den dopingverseuchten Radsport nicht gewinnen zu können. Erst zu Jahresbeginn hatte das einst erfolgsverwöhnte Team mit komplett neuem Gesicht und neuer Philosophie einen Neustart vollzogen. Nicht mehr Toursiege sondern der saubere Radprofi stand im Mittelpunkt des neuen Konzepts um Teamchef Bob Stapleton und Sportdirektor Aldag. Sportliche Rückschläge waren im Vorhinein einkalkuliert.

Jef d'Hont bringt Stein ins Rollen

Doch bereits im Frühjahr bekam das Gebilde große Risse. Der belgische Ex-Masseur Jef d'Hont hatte über systematisches Doping im Telekom-Team der 90er-Jahre berichtet und damit eine Geständniswelle von Bert Dietz über Erik Zabel bishin zu Bjarne Riis ausgelöst. Auch Aldag, der stets jegliches Doping geleugnet hatte, musste ein dunkles Kapitel seiner Vergangenheit eingestehen.

Damals hatte T-Mobile noch den Gedanken an einen Ausstieg verworfen und auch Aldag trotz seiner Lügen eine zweite Chance gegeben. Mit dem härtesten Anti-Doping-Programm und dem gläsernen Athleten sollten auch andere Teams für einen sauberen Radsport begeistert werden.

"Fall Sinkewitz" trauriger Höhepunkt während der Tour

Als bei der diesjährigen Tour de France Linus Gerdemann am 14. Juli ins Gelbe Trikot gestürmt war und ein flammendes Plädoyer für das Anti-Doping-Programm von T-Mobile vorgetragen hatte, schien das Konzept zu greifen. Doch nur vier Tage später war mit Bekanntwerden der positiven Probe von Sinkewitz bei einer Trainingskontrolle vor der Tour alles Makulatur. Der Deutschland-Tour-Sieger von 2004 verzichtete auf die Öffnung der B-Probe und gestand ein, sich mit einem Testogel gedopt zu haben.

"Wer sowas macht, setzt Arbeitsplätze aufs Spiel. Dafür habe ich kein Verständnis", schimpfte Gerdemann über seinen Teamkollegen. ARD/ZDF stellten die Live-Berichterstattung von der Tour ein. Teamchef Stapleton soll noch während der Tour zu Gesprächen in Bonn gewesen sein. "Wir denken darüber nach, ob ein weiteres Engagement noch Sinn macht oder ob wir sofort aussteigen", sagte Kommunikationschef Christian Frommert.

Mit einem Ausstieg von T-Mobile aus dem Radsport würde eine einst glorreiche Ära zu Ende gehen. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten - das Team Telekom wurde 1991 gegründet - stellten sich Mitte der 90er-Jahre die Erfolge ein. Vor allem die Toursiege von Riis (1996) und Jan Ullrich (1997) bildeten den Höhepunkt. Wie man heute weiß, allerdings nicht auf saubere Weise.

Eine Kapitulation könnte auch gleichzeitig Auswirkungen auf andere deutsche Geldgeber haben. So will Gerolsteiner bis Ende August über ein weiteres Sponsoring über 2008 hinaus entschieden. Im Hinblick auf das Team Milram ist vom Nordmilch-Konzern ebenfalls noch keine klare Aussage getroffen worden. Wohl aber vom zweitklassigen Wiesenhof-Team, das Ende der Saison aus dem Radsport aussteigt.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%