Radsport National: Jan Ullrich beendet seine sportliche Laufbahn

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Jan Ullrich beendet seine sportliche Laufbahn

Jan Ullrich wird nicht mehr als Profi in den Rad-Zirkus zurückkehren. Der Tour-Sieger von 1997 gab in Hamburg sein Karriereende bekannt und steigt als Berater beim österreichischen Volksbank-Team ein.

43 Minuten lang redete nur Jan Ullrich, gesagt hat der ehemalige deutsche Rad-Held bei seiner ersten öffentlichen Äußerung seit seiner Suspendierung vor dem Tourstart 2006 wenig. Als Essenz bleibt festzuhalten: Die Karriere des Tour-Siegers von 1997 ist seit 11.24 Uhr beendet.

Mit einer kargen Unschuldsbeteuerung, der Ankündigung einer künftigen Berater-Tätigkeit für das zweitklassige österreichische Volksbank-Team und einer bitteren Abrechnung mit seinen Kritikern zog der einzige deutsche Sieger der Frankreich-Rundfahrt einen Schlussstrich unter seine zwölfjährige Profilaufbahn - ohne jedoch konkret zu den seit Mai schwelenden Doping-Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Sieben Angebote ausgeschlagen

"Ich könnte sofort eine Fahrer-Lizenz bekommen, habe insgesamt sieben Angebote von Teams, darunter auch Protour-Mannschaften, und habe mich in den letzten Monaten absolut fit gehalten. Aber ich habe mich nach langer Überlegung entschlossen, meine aktive Karriere zu beenden", erklärte der 33-Jährige, ohne anschließend Fragen zuzulassen.

Ullrich habe erneut die Gelegenheit verpasst, zur Aufklärung der Vorwürfe beizutragen, sagte Dosb-Präsident Thomas Bach und nannte dies "bedauerlich, fast tragisch". Die frühere BDR-Chefin Sylvia Schenk erklärte: "Ich glaube Ullrich nicht. Anstatt die Scherben zusammenzukehren, hat er völlig zugemacht." Ihr Nachfolger Rudolf Scharping sprach vom "Schlusspunkt hinter einer sportlichen Karriere, der alle ein besseres Ende gewünscht hätten."

Vor laufenden Kameras und rund hundert Medienvertretern lüftete Ullrich das seit einer Woche angekündigte "Geheimnis" seiner zukünftigen Tätigkeit: "Ich bleibe dem Radsport erhalten und werde als Berater, Werbeträger und Repräsentant für das Volksbank-Team aktiv werden. Dieser Rennstall hätte mich im Übrigen auch als Fahrer genommen."

Während hinter ihm sechs Siegertrikots als Symbole seiner größten Erfolge prangten, verwies der gebürtige Rostocker auf seine Verdienste für den deutschen Radsport und prangerte zugleich die "schwarzen Schafe" der Szene in Medien, Verbänden und zum Teil auch Ex-Kollegenschaft an.

"Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

"Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe nie jemanden betrogen oder geschädigt", sagte der Olympiasieger von Sydney 2000 unter den Augen seiner Familie, langjähriger Wegbegleiter und zukünftiger Partner. Ullrich schilderte seine Gefühlslage am 30. Juni vergangenen Jahres, als er von seinem T-Mobile Team aus dem Tourkader gestrichen wurde.

"Als ich die Nachricht erhielt, dachte ich, das sei ein böser Traum. In diesem Moment brach meine Sportler-Welt zusammen", so das einstige "Wunderkind" des deutschen Radsports: "Das war für mich ein Riesenschock, den ich nach wie vor nicht ganz verkraftet habe." Er wisse bis heute nicht, "wie es zu der Suspendierung kommen konnte", sagte Ullrich, vermied aber jedes Statement zu seiner angeblichen Verbindung zum spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes.

Breitseiten für Scharping und Franke

In einem Rundumschlag bezichtigte Ullrich ("Ich bin keineswegs verbittert") seine "Intim-Feinde" - allen voran BDR-Präsident Scharping, den Heidelberger Doping-Experte Werner Franke und die Bielefelder Rechtswissenschaftlerin Britta Bannenberg - kollektiv der Lüge und des Radsport-schädigenden Verhaltens: "Sie alle haben sich auf meine Kosten profiliert und Lügengeschichten über mich verbreitet."

© SID

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