Radsport National
Letzter Vorhang für das Team Gerolsteiner

Ein letztes Mal hat sich am Dienstag in der Eifel der Vorhang für das Team Gerolsteiner geöffnet. Bestimmendes Thema bei der Mannschaftspräsentation war Stefan Schumacher, der mit auf der Bühne stand.

Als sich am Dienstag in der Eifel zum letzten Mal der Vorhang für das Team Gerolsteiner öffnete, stand Stefan Schumacher noch mit auf der Bühne. Ob der WM-Dritte in der Abschiedssaison 2008 aber auch für den Rennstall von Hans-Michael Holczer ins Rennen geht, steht in den Sternen. Der 26-Jährige hat sich ins Abseits manövriert und ist bei Gerolsteiner quasi zur unerwünschten Person erklärt worden.

"Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen. Es finden Gespräche statt. Mehr möchte ich zu diesem Thema nicht sagen", meinte Teamchef Holczer am Rande der Mannschaftspräsentation vielsagend. Schumacher war am 7. Oktober unter Alkoholeinfluss in seiner schwäbischen Heimat in einen Gartenzaun gerast. Bei der anschließenden Polizeikontrolle wurden zudem geringe Mengen von Amphetaminen im Blut festgestellt.

Entlassung dürfte arbeitsrechtlich schwierig sein

Der Skandal war für die Suche nach einem neuen Geldgeber wenig förderlich. Holczer ließ die Frage offen, ob der Nürtinger in dieser Saison für sein Team Rennen bestreiten wird. Eine Entlassung Schumachers dürfte jedoch arbeitsrechtlich schwierig sein, da der Vorfall eine Woche nach der WM und damit außerhalb der Wettkampf- und Trainingsphase liegt. Deshalb hatte auch der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) keine Sanktionsmöglichkeit gesehen.

Für den scheidenden Hauptsponsor Gerolsteiner gibt es auf jeden Fall Klärungsbedarf. "Wir sind sehr besorgt und haben Herrn Holczer aufgefordert, eine Lösung zu finden. Wir verstehen, dass ihm juristisch die Hände gebunden sind, aber glücklich sind wir mit der Situation nicht", sagte Unternehmenssprecher Stefan Goebel.

Aus Sicht von Schumacher, der bereits vor der WM mit auffälligen Blutwerten unter Dopingverdacht geraten war, ist indes die Angelegenheit erledigt. "Es tut mir leid, aber das hat mit Doping nichts zu tun. Ich bin ein sauberer Sportler und werde es auch bleiben. Ich fühle mich unfair behandelt", sagte der Schwabe.

"Diese Geschichte war nicht hilfreich"

Die "Privatangelegenheit" könnte für Holczer und den Rennstall unangenehme Folgen haben, schließlich befindet sich der Teamchef inmitten der Suche nach einem neuen Geldgeber. "Dass diese Geschichte nicht hilfreich war, brauche ich nicht zu sagen", meinte er, gab sich aber zuversichtlich, dass sein Team auch nach 2008 existieren wird: "Von Endzeitstimmung kann keine Rede sein. Die Situation ist nicht aussichtslos, nicht so, dass ich resignieren müsste."

Auf der Suche nach einem neuen Geldgeber, der rund acht Mill. Euro plus X zahlt, soll nun die Vermarktungsagentur Sportfive helfen, mit der Holczer eine Kooperation eingegangen ist, nachdem die bisherigen Gespräche ohne Vollzugsmeldung blieben. Seit 1998 hatte sich der Mineralwasserkonzern Gerolsteiner engagiert und mit dem Holczer-Team den Sprung aus der Zweitklassigkeit bis in die Weltspitze geschafft.

Hoffnungen ruhen auf Davide Rebellin

Dort soll das Aufgebot auch 2008 anzutreffen sein. Dabei ruhen vor dem Hintergrund der ungewissen Zukunft von Schumacher die Hoffnungen bei den Frühjahres-Klassikern insbesondere auf dem Italiener Davide Rebellin und dem deutschen Meister Fabian Wegmann (Freiburg). Bei den Rundfahrten hoffen die Verantwortlichen, dass Markus Fothen ("Ich will irgendwann mal die Tour gewinnen") nach einem enttäuschenden Jahr an seine guten Leistungen von 2005 und 2006 anknüpfen kann.

Das Gesicht des nun 25-köpfigen Teams hat sich nur unwesentlich verändert. Lediglich Ex-T-Mobile-Fahrer Stephan Schreck (Erfurt) sowie die beiden Jungprofis Francesco de Bonis (Italien) und Mathias Frank (Schweiz) sind neu hinzugekommen, dafür verließen Torsten Hiekmann, David Kopp, Marcel Strauss und der zurückgetretene Beat Zberg die Mannschaft.

© SID

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