Radsport National
Nada-Geschäftsführer Augustin ist "geschockt"

"Ich bin doch relativ geschockt. Und ich finde das Vorgehen der Team-Leitung exzellent", äußerte sich Nada-Geschäftsführer Roland Augustin zur Suspendierung von Jan Ullrich. Der sid hat die Stimmen zusammengefasst.

Jan Ullrich ist am Freitag vom Team T-Mobile wegen einer möglichen Verwicklung in die spanische Doping-Affäre bis auf weiteres suspendiert worden und darf damit nicht bei der am Samstag beginnenden Tour de France starten. Der Sport-Informations-Dienst (sid) hat zu diesem Thema Stimmen zusammengefasst.

Roland Augustin (Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada):

"Ich bin doch relativ geschockt, das sage ich ganz ehrlich. Und ich finde das Vorgehen der Team-Leitung exzellent, nicht zu mauern, sondern sofort zu sagen: Wir suspendieren unseren Siegfahrer, wir lassen Denjenigen nicht fahren, der für uns die Tour gewinnen sollte. Durch diesen jüngsten Fall wird die Diskussion um den Anti-Dopingkampf in Deutschland erst so richtig beginnen."

Thomas Bach (Dosb-Präsident und IOC-Vize):

"Ich kann Jan Ullrich nur raten, aktiv an einer schnellen und lückenlosen Aufklärung mitzuwirken, bishin zur Abgabe eines DNA-Tests. Dies wäre in seinem eigenen Interesse sowie in dem des Sports, vor allem auch des Nachwuchses und aller Fans. Nur eine lückenlose Aufklärung bietet die Chance für den notwendigen Reinigungsprozess. Einmal mehr hat sich gezeigt, wie die Verschwörungen in kleinen Zirkeln ihren Anfang nehmen. Eine der wichtigsten Aufgaben in der Zukunft wird es sein, diese Netzwerke frühzeitig aufzubrechen oder möglichst gar nicht mehr entstehen zu lassen. Diese Aufgabe müssen sich Sport und Staat teilen. Der Sport kann den Sumpf im Umfeld der Athleten nicht allein austrocknen, dazu ist er auf die Unterstützung des Staates angewiesen."

Walter Godefroot (Ex-Teamchef T-Mobile):

"Was ich da aus Straßburg höre, ist eine Katastrophe für den gesamten Radsport. Ich will dazu nur so viel sagen - seit 2002 existiert der Namen Rudy Pevenage für mich nicht mehr. Ich habe den Namen aus meiner Gedankenwelt gestrichen. Für mich besteht kein Grund, den Namen wieder in dem Mund zu nehmen."

Rudolf Scharping (Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer):

"Die Entscheidung des Teams T-Mobile ist klar und konsequent. Sie macht deutlich: für einen sauberen Radsport wird gehandelt, gleich, um welchen Namen es im Einzelnen geht. Der Bund Deutscher Radfahrer unterstützt diese Linie. Denn nur ein sauberer Sport kann sich die überaus große Popularität, das Vorbild für jüngere Menschen und auch das Vertrauen der wirtschaftlichen Partner erhalten. Dieser Verantwortung müssen sich gerade populäre Sportler stellen."

Michael Holczer (Chef Team Gerolsteiner):

"Das ist ein sehr harter Schlag für den Radsport. Das geschlossene Bekenntnis für saubere Teams macht mich aber zuversichtlich, dass wir den Rückschlag überstehen werden. Wie sich das auf die deutsche Radsportszene auswirkt, da muss man abwarten, wie die Öffentlichkeit auf den Fall Jan Ullrich reagiert."

Jürgen Kindervater (bis 2002 Telekom-Konzernsprecher und 1992 Mit-Initiator des Teams Telekom):

"Ich bin erschrocken. Walter Godefroot war für Jan Ullrich der ideale Begleiter, aber dass mit Rudy Pevenage ein sportlicher Leiter neben dem sportlichen Leiter zugelassen wurde, wäre in meiner Ära unvorstellbar gewesen."

Theo Zwanziger (Geschäftsführender DFB-Präsident):

"Für mich ist das, auch wenn im Moment die Fußball-WM läuft, eine sehr traurige Nachricht. Es wäre ein schwerer Schlag im Kampf gegen einen dopingfreien Sport, wenn ein solches Idol damit in Verbindung gebracht wird. Leider ist es in Ausdauersportarten immer wieder mal der Fall, dass Leute meinen, sie müssen so ihre Leistung steigern. Da kommt aber oft auch ein Druck aus dem Umfeld dazu."

Peter Becker (Ex-Coach Ullrich):

"Das wäre natürlich für Jan eine fürchterliche Niederlage. Ich bin im Moment sehr aufgelöst, aufgebracht und unglaublich traurig. Es ist unglaublich, 15 Jahre hat man hart gearbeitet, da finde ich keine Worte mehr, das ist eine Katastrophe. Da hat man eine Höhenkammer für 120 000 Euro im Keller, damit kann man alles auf saubere Art und Weise erreichen, und trotzdem fällt er diesen Strolchen und Betrügern in die Hände. Wer hat ihn beraten, wer hat ihn betreut, seit ich nicht mehr bei ihm bin? Er ist eigentlich alt genug, um zu wissen, wem er sich anvertraut. Ich möchte es einfach noch nicht glauben, es ist unfassbar."

Marcel Wüst (Ex-Radprofi):

"Das ist der Hammer, diesen Tobak muss man erst einmal schlucken. Besonders schockierend ist auch, mit welchem Ausmaß offenbar manipuliert worden ist. Man muss diese Sache aber auch als Chance begreifen, schließlich macht die Tour die Stars, und nicht die Stars die Tour. Alle großen Klassement-Fahrer scheinen betroffen zu sein. Wenn die alle sauber wären, wäre die Reihenfolge im Ziel in Paris wohl dieselbe, nur die Zeit im Ziel wäre etwas langsamer. Die Tour ist sicherlich angeschlagen. Man kann nur hoffen, dass man sich ab Samstag rein aufs Sportliche konzentrieren kann. Sollten sich die Vorwürfe gegen Jan Bewahrheiten, denke ich, dass seine Karriere beendet ist."

Alejandro Valverde (Radprofi):

"Das ist ein großer Schlag für die Tour. Man konnte schon voraussehen, dass so etwas passieren würde. Oscar ist ein guter Freund von mir und Ullrich einer der Favoriten. Aber ich selbst bin nicht weiter beunruhigt, ich will nur, dass die Tour so schnell wie möglich beginnt und hoffe, sie wird sauber sein."

© SID

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