Radsport National
T-Mobile bleibt dem Radsport erhalten

Auf einer Pressekonferenz gab T-Mobile am Donnerstag bekannt, sein Engagement im Radsport wie geplant fortzusetzen. Der bis 2010 laufende Vertrag mit Teamchef Bob Stapleton wird erfüllt.

Aufatmen beim T-Mobile Team: Das Mobilfunk-Unternehmen wird sich nicht vom Radsport zurückziehen und sein Engagement wie geplant fortsetzen. T-Mobile gab am Donnerstag auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der Deutschland-Tour in Saarbrücken bekannt, dass der bis 2010 laufende Vertrag mit Teamchef Bob Stapleton erfüllt wird. Trotz der zahlreichen Dopingfälle im Radsport, insbesondere der positive Befund im eigenen Team durch Patrik Sinkewitz, will T-Mobile den strikten Anti-Doping-Kurs weiter unterstützen.

Fahrer zahlen in "Anti-Doping-Topf" ein

Zukünftig werden Fahrer und Management im Kampf für einen sauberen Sport finanziell miteingebunden. So müssen die T-Mobile-Profis für Anti-Doping-Projekte einen bestimmten Prozentsatz ihres Gehaltes in einen Topf einzahlen, der von der Telekom auf eine Million Euro aufgestockt wird. Die Fahrer müssen ferner für weitergehende Kontrollen und Studien von externen Fachleuten zur Verfügung stehen, um die Testverfahren weiter zu verbessern.

Außerdem behält sich der Bonner Konzern das Recht vor, bei einem weiteren Dopingfall sofort aus dem Sponsoring auszusteigen. Das gab das Unternehmen auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der Deutschland-Tour in Saarbrücken bekannt.

Die positive Probe bei einer Trainingskontrolle des damaligen T-Mobile-Profis Patrik Sinkewitz hatte jüngst dazu geführt, dass die Telekom ihr Sponsoring auf den Prüfstand stellte. Der Deutschlandtour-Sieger von 2004 war im Training vor der Tour de France positiv auf Testosteron getestet worden. Sinkewitz verzichtete auf die B-Probe und gestand seinen Fehler ein.

Erleichterung bei Teamchef Stapleton

Teamchef Stapleton zeigte sich erleichtert angesichts der Entscheidung des Sponsors. "T-Mobile hat große Verantwortung übernommen. Wir werden unsere Anstrengungen weiter vergrößern und versuchen, das in uns gesteckte Vertrauen zurückzuzahlen", sagte der Amerikaner. Tour-Etappensieger Linus Gerdemann ergänzte: "Es ist noch ein harter Weg, bis der Sport seine Glaubwürdigkeit wiedererlangt hat. T-Mobile hat nun eine Vorlage gegeben. Ich hoffe, dass sich auch andere Sponsoren dieser Aufgabe stellen."

Die T-Mobile-Fahrer haben also vom Sponsor die allerletzte Chance erhalten. Ein weiterer Dopingfall a la Sinkewitz würde wohl umgehend das Aus des Teams bedeuten. Das wurde am Donnerstag in Saarbrücken klar. "Das ist unser Risiko, und damit bin ich einverstanden", sagte Stapleton.

Derweil begrüßte auch Dosb-Generaldirektor Michael Vesper das weitere Engagement von T-Mobile. "Ich begrüße, dass die Telekom bei der Stange bleibt. Es zeigt, dass Sponsoren eben auch eine Verantwortung haben, wenn sie den Sport unterstützen", sagte Vesper dem sid. Zudem hofft der Funktionär, dass die Sponsoren der beiden anderen deutschen Protour-Teams Gerolsteiner und Milram ebenfalls ihr Engagement weiterführen: "Telekom hat ein gutes Signal in diese Richtung gesetzt."

Als positives Signal wertet der für Sport zuständige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die T-Mobile-Entscheidung: "Die Entscheidung ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Doping und für einen sauberen Sport. Damit übernimmt das Unternehmen auch weiterhin eine wichtige Verantwortung für den Nachwuchssport," hieß es in einer Verlautbarung des Innenministeriums.

Bei dem Bonner Rennstall sieht man den eingeschlagenen Weg trotz des Dopingfalls Sinkewitz als den einzig richtigen. "Wer betrügen will, der betrügt nun einmal", sagte Frommert. Trotzdem sei das teaminterne System erfolgreich. In welche Projekte die Euro-Million fließen wird, ist noch nicht klar. T-Mobile zahlt ohnehin jährlich schon 200 000 Euro an die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada), 50 000 Euro davon für teaminterne Kontrollen, die schließlich auch Sinkewitz überführten.

Geständniswelle torpediert Neustart

Erst zu Jahresbeginn hatte das einst erfolgverwöhnte Team mit komplett neuem Gesicht und neuer Philosophie einen Neustart vollzogen. Nicht mehr Toursiege sondern saubere Radprofis standen im Mittelpunkt des neuen Konzepts um Teamchef Bob Stapleton und Sportdirektor Aldag. Sportliche Rückschläge waren einkalkuliert.

Doch bereits im Frühjahr hatte das Gebilde große Risse. Der belgische Ex-Masseur Jef d'Hont hatte über systematisches Doping im Telekom-Team der 90er Jahre berichtet und damit eine Geständniswelle von Bert Dietz über Erik Zabel bis hin zu Bjarne Riis ausgelöst. Auch Aldag, der stets jegliches Doping geleugnet hatte, musste ein dunkles Kapitel seiner Vergangenheit eingestehen.

Damals wie heute hat T-Mobile die Gedanken an einen Ausstieg verworfen. Mit dem härtesten Anti-Doping-Programm aller Zeiten und dem gläsernen Athleten sollen auch andere Teams für einen sauberen Radsport begeistert werden.

Die T-Mobile-Entscheidung könnte nun auch Auswirkungen auf andere deutsche Geldgeber haben. So will Gerolsteiner bis Ende August über ein weiteres Sponsoring über 2008 hinaus entschieden. Im Hinblick auf das Team Milram ist vom Nordmilch-Konzern ebenfalls noch keine klare Aussage getroffen worden.

© SID

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