Radsport National
Voigt sieht keine Chance für „Ulle"

Nach Meinung von Radprofi Jens Voigt kann sich Landsmann Jan Ullrich den Gewinn der diesjährigen Tour de France abschminken. Stattdessen sei sein CSC-Teamkapitän Ivan Basso nicht zu schlagen.

Als Musterprofi wird Jens Voigt gerne beschrieben. Kein Wunder, bei Wind und Wetter fährt der Radprofi über die Havel-Chaussee und durch die Mark Brandenburg. Momentan rollt Voigt sich auf die Tour de France (1. bis 23. Juli) ein, wo er seinem CSC-Kapitän Ivan Basso zum Double verhelfen will: "Ich bin fest davon überzeugt, dass Ivan nach dem Giro auch die Tour gewinnt", sagt Voigt.

Der Weg dorthin führt über Jan Ullrich, und Voigt lässt es an Respekt vor seinem Mecklenburger Landsmann nicht fehlen: "Natürlich sehen wir Ulle als unseren härtesten Konkurrenten an. Er ist ein großer Rennfahrer. Man muss sich nur einmal vor Augen führen, dass Jan seit einem ganzen Jahrzehnt zur Weltspitze gehört, bei der Tour, der Vuelta, Olympischen Spielen und WM auf dem Siegerpodest stand. Das hat außer ihm kein Rennfahrer geschafft - nicht einmal Lance Armstrong. So einen Mann muss man doch ernst nehmen."

Trotzdem hält Voigt an seiner Aussage fest: "Ulle ist gut. Aber wir werden mit Basso die Tour gewinnen. Wir haben das bessere Team und sind eine verschworene Truppe. Ivan muss nur seine derzeitige Form halten, Jan seine erst noch aufbauen. Und die Tour wird in den Bergen entschieden, wo Basso stärker ist."

Der Routinier glaubt auch nicht, dass Ullrich beim Kampf gegen die Uhr viel Vorsprung herausholen wird, trotz der eindrucksvollen Vorstellung beim Giro: "Dort hat sich Jan ganz auf das Zeitfahren konzentriert und sonst nur trainiert. Wenn er bei der Tour volle Kanne fahren muss, sind die Voraussetzungen anders." Bei der Tour gebe es keine Erholungsphasen: "Da wird noch schneller als bei Giro gefahren, außerdem geht es rücksichtsloser zu."

Klar gegen Doping Stellung bezogen

Voigt, der auch Fahrersprecher im Weltverband UCI ist, hofft auf eine schnelle Aufklärung der jüngsten Dopingaffäre in Spanien: "Wer mit solchen Mittel arbeitet, muss aus dem Verkehr gezogen werden. Es ist gut, wenn sie diese Burschen erwischen. Je strenger die Kontrollen, desto besser. Doping versaut den Sport." Aber er wehrt sich entschieden dagegen, dass dabei auch die Namen Ullrich oder Basso ohne konkrete Anhaltspunkte ins Spiel gebracht wurden: "Das ist doch völlig aus der Luft gegriffen."

Was er selbst unter Fairplay versteht, hat er gerade erst wieder demonstriert, als er auf der Giro-Königsetappe dem Spanier Juan Manuela Garate den Sieg überließ: "Ich habe in der Spitze als Polizist für Basso nur an Garates Hinterrad gehangen. Sicher, in zwei Jahren hätte man die Umstände vergessen. Dann hätte nur noch der Voigt-Sieg in der Statistik gestanden. Aber für so einen "Erfolg" hätte ich mich mein ganzes Leben geschämt, ich muss ich bleiben." Jens Voigt ist und bleibt eben ein Musterprofi durch und durch.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%