Radsport Rundfahrt
Für Ullrich und Co. geht es nun Schlag auf Schlag

"Die gemütliche Zeit ist vorbei", gibt Jan Ullrich unumwunden die Parole aus. Während der Tour-Sieger von 1997 seine Form intensiv testen will, beginnt auch für die anderen deutschen Radprofis die heiße Phase.

Die heiße Saisonphase hat zwar im Schatten der Fußball-WM begonnen, doch zweieinhalb Wochen vor Beginn der Tour de France (1. bis 23. Juli) werden in der Schweiz wichtige Weichen gestellt. Vor der ersten Gipfelankunft bei der Tour de Suisse gab Jan Ullrich die unmissverständliche Parole aus: "Die gemütliche Zeit ist vorbei."

Am Mittwoch wartet das Ziel in Leukerbad auf einem Berg der ersten Kategorie, danach geht es bis zum Samstag Schlag auf Schlag über die Alpenriesen. "Auch Jan wird zumindest an einem Tag dabei an seine Grenzen gehen", sagt Teamchef Rudy Pevenage voraus.

Ultimativer Test für Sinkewitz und Fothen

Was für den T-Mobile-Kapitän gilt, trifft erst recht auf andere zu. Vor allem für Patrik Sinkewitz (T-Mobile) und Markus Fothen (Gerolsteiner), zwei aus der jungen Garde, steht der ultimative Test im Hinblick auf die Frankreich-Rundfahrt an. Die Teilnahme an der "Großen Schleife" ist für beide von enormer Bedeutung für den weiteren Karriereverlauf.

Im Lager der Bonner sind noch vier der neun Tour-Plätze offen. Einen will sich unbedingt der Fuldaer Sinkewitz sichern. "Er muss die Gelegenheit nutzen und zeigen, dass er topfit ist", meint Pevenage. Der Sieger der Deutschland-Tour 2004, der zu Jahresbeginn vom belgischen Quickstep-Team wechselte, ist eine T-Mobile-Hoffnung für die Zeit nach Ullrich. Bei den Frühjahres-Klassikern zeigte der 25-Jährige bestechende Form, doch die Konkurrenz im eigenen Lager ist groß.

Um die letzten Plätze kämpfen auch noch die Italiener Giuseppe Guerini und Daniele Nardello, der Spanier Oscar Sevilla, der Russe Sergej Iwanow, der Nürnberger Matthias Kessler und der Erfurter Stephan Schreck. Dagegen soll der Münsteraner Linus Gerdemann (23), der am Montag Etappenzweiter wurde, noch nicht in die "große Tour" gehen. Gleiches gilt für Gerolsteiners Shooting-Star Stefan Schumacher (24), für den das Double Giro-Tour zu viel wäre.

Ganz anders sehen die Vorzeichen bei Andreas Klöden aus. Der Tour-Zweite 2004 hat einen Platz sicher, wenn die Schulterverletzung ausgeheilt ist. "Noch kann er nicht richtig am Lenker ziehen, aber wenn alles nach Plan läuft, wird er rechtzeitig fit", berichtet sein Freund Ullrich. "Es läuft jeden Tag besser", meint Teamsprecher Luc Eisenga. "Wir sind zuversichtlich, aber vorerst soll Andreas noch nicht an seine Reserven gehen."

Markus Fothen ist bei Gerolsteiner in einer ähnlichen Situation wie Sinkewitz bei T-Mobile. Der 24-jährige Kaarster fuhr sich beim Giro 2005 ins Rampenlicht und hat sich für dieses Jahr den nächsten Karrieresprung vorgenommen. Aber auch in der Eifel-Truppe wird die Luft dünner, je weiter es nach oben geht. Denn an den Kapitänen Levi Leipheimer (USA) und Georg Totschnig (Österreich) kommt auch ein Fothen noch nicht vorbei.

"Ich habe in dieser Saison noch kein zählbares Ergebnis und weiß, dass ich in der Schweiz meinen Leistungsnachweis erbringen muss. Denn sonst hätte ich die Nominierung auch nicht verdient", sagt er ebenso selbstkritisch wie selbstbewusst und kündigt damit an, "ein Zeichen zu setzen".

Obwohl gerade die erste Tochter zur Welt kam, hatte er sich zwei Wochen lang von Freundin Jessica verabschiedet, um sich beim Höhentraining auf Teneriffa vorzubereiten: "Der Beruf geht vor. Ich habe alles auf die Tour ausgerichtet und will die Chance unbedingt nutzen. Denn ich möchte eines Tages in Paris auf dem Podium stehen." Die nächsten Tage werden zeigen, ob er auf dem Weg dorthin seine erste "Probe-Tour" bestreiten darf.

© SID

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