Radsport Rundfahrt
Haussler verpasst Sieg in Belgien

Sprinter Heinrich Haussler konnte bei der Flandern-Rundfahrt nicht an dem Belgier Stijn Devolder vorbeiziehen, der den 66. belgischen Sieg bei der Rundfahrt feierte.

Heinrich Haussler bleibt der Überflieger der Saison, auf seinen ersten Klassiker-Sieg muss der 25-Jährige aber weiter warten. Wie schon vor zwei Wochen beim Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo musste sich Haussler unter den Augen von "Ehrengast" Jan Ullrich auch bei der 93. Flandern-Rundfahrt mit dem undankbaren zweiten Platz begnügen, stattdessen wiederholte der Belgier Stijn Devolder nach 261,5km von Brügge nach Ninove seinen Triumph aus dem Vorjahr.

"Die Freude über den zweiten Platz überwiegt. Mehr war heute nicht drin. Ich bin noch vor den Top-Favoriten ins Ziel gekommen", meinte Haussler, der 59 Sekunden hinter Devolder den Zielstrich überquerte. In San Remo hatte er noch in einer Millimeter-Entscheidung dem Briten Mark Cavendish den Sieg überlassen müssen.

"Er ist ein Rohdiamant"

Dennoch lieferte Haussler erneut eine starke Vorstellung ab. Während Devolder das starke Quick-Step-Team im Rücken hatte, war der Freiburger zum Schluss quasi auf sich allein gestellt. Rund einen Kilometer vor dem Ziel löste sich der Cervelo-Profi aus der Verfolgergruppe und fuhr den zweiten Platz heraus. "Heinrich hat nicht einen, sondern zwei oder drei Schritte nach vorne gemacht. Er ist ein Rohdiamant', lobte der Sportliche Leiter Jens Zemke seinen Schützling. Dritter wurde der Belgier Philippe Gilbert (Silence-Lotto), Marcus Burghardt (Auenstein) vom Team Columbia fuhr auf Platz sieben.

Devolder holte vor rund einer Million Zuschauer am Straßenrand damit bereits den 66. belgischen Sieg am "höchsten flämischen Feiertag". Von den deutschen Radprofis konnten seit der ersten Auflage im Jahr 1913 nur Rudi Altig (1964) und Steffen Wesemann (2004) triumphieren. Keine Rolle spielte unterdessen das deutsche Team Milram, das ohne große Ambitionen an den Start gegangen war. Für Sprintstar Gerald Ciolek (Köln) war die Strecke mit den 16 giftigen Anstiegen ("Hellinge") und 28 Kilometern an Kopfsteinpflaster-Passagen erwartungsgemäß zu schwer.

Überschattet wurde das Rennen von einem schweren Sturz auf der Zielgerade, in dem auch Hausslers Teamkollege Thor Hushovd verwickelt wurde. Der Norweger klagte über starke Schmerzen im Handgelenk und wurde in ein Krankenhaus gebracht.

"Ritt durch das Fegefeuer"

Beim "Ritt durch das Fegefeuer" die Entscheidung rund 20 Kilometer vor dem Ziel an der berüchtigten Muur von Geraardsbergen, als sich Devolder aus einer vierköpfigen Spitzengruppe gelöst hatte und den Sieg nicht mehr aus der Hand gab. Das Quartett - neben Devolder waren noch dessen Teamkollege Sylvain Chavanel (Frankreich), der Italiener Manuel Quinziato (Liquigas) und der Belgier Preben van Hecke (Topsport Vlaanderen) in der Gruppe vertreten - hatte sich gut 25 Kilometer vor dem Ziel gefunden.

Der Sieg Devolders war dabei auch der Sieg einer pefekten Mannschaftsleistung. Quick Step war in jeder Rennsituation immer mit mindestens einem Fahrer vertreten. Eine Rolle, die auch Hausslers Team Cervelo einnehmen wollte. "Wir sind ähnlich gut besetzt wie Quick Step und gehören zu den Mitfavoriten", hatte der Sportliche Leiter Jens Zemke noch vor dem Rennen auf das Podium geschielt. Nicht abwegig, schließlich standen neben Haussler noch die Klassiker-Spezialisten Andreas Klier (München), Thor Hushovd (Norwegen) und Roger Hammond (Großbritannien) im Team.

Die Realität sah freilich anders aus. Als das Rennen in die heiße Phase ging, war "Quick Step einen Tick besser" (Haussler). Der frühere Gerolsteiner-Profi untermauerte seine starken Leistungen dabei eindrucksvoll. Mit drei Siegen, einem zweiten Platz in San Remo und nun auch bei der Flandern-Rundfahrt hat der 25-Jährige seinen Ruf als "schlampiges Talent" abgelegt.

Ciolek ohne Chance

Erwartungsgemäß ohne Chance blieb das Milram-Team. "Für diese Art von Rennen fehlen uns die Fahrer. Für das Amstel-Gold-Race und Lüttich-Bastogne-Lüttich werden wir besser aufgestellt sein", meinte Sportdirektor Christian Henn mit Blick auf seine Topfahrer Linus Gerdemann (Münster) und Fabian Wegmann (Freiburg), der am Samstag Platz drei beim GP Miguel Indurain belegt hatte. Bester Milram-Profi war der Slowake Martin Velits auf Platz 63.

Als Zaungast war der frühere Toursieger Ullrich vor Ort. Der Wahl-Schweizer war auf Einladung seines früheren Betreuers Rudy Pevenage nach Belgien gekommen, nachdem er am Samstag noch auf dem Nürburgring für sein neues Hobby Motorsport trainiert hatte. Ullrich will im Mai beim 24-Stunden-Rennen auf dem Eifelkurs starten.

© SID

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