Radsport Rundfahrt
Haussler visiert Sieg bei Paris-Roubaix an

Radprofi Heinrich Haussler strebt in der "Hölle des Nordens" den ersten deutschen Sieg seit 1 896 an. "In Roubaix will ich den Pflasterstein", so der 25-Jährige vom Team Cervelo.

Jungstar Heinrich Haussler will beim ältesten Radklassiker der Welt für den ersten deutschen Sieg seit der Premiere 1 896 sorgen. Der 25-Jährige aus Freiburg gehört am heutigen Ostersonntag beim 107. Paris-Roubaix zum engsten Favoritenkreis.

Angesichts seiner Podestplätze bei Mailand-San Remo und der Flandern-Rundfahrt verkündet der Deutsch-Australier vor dem Ritt um den ungewöhnlichen Siegerpokal: "Ich war zweimal Zweiter. In Roubaix will ich den Pflasterstein. Ich fühle mich fit, der Sturz bei Gent-Wevelgem am Mittwoch hat keine Spuren hinterlassen."

13 deutsche Profis am Start

Zu den schärfsten Konkurrenten des Rohdiamanten Haussler - so bezeichnet ihn sein Cervelo-Sportdirektor Jens Zemke - im Feld der 196 Fahrer aus 24 Mannschaften gehören Vorjahressieger Tom Boonen und Flandern-Gewinner Stijn Devolder aus Belgien. Auch 13 deutsche Radprofis starten in der "Hölle des Nordens".

Der furchteinflößende Name rührt allerdings nicht vom ruckelnden Pflastersteinbelag der Straßen her, sondern hat soziale Hintergründe. Im Norden Frankreichs herrschte im vorletzten Jahrhundert bei den Bergarbeitern große Armut - wer dort lebte, saß buchstäblich in der Hölle. Gerade in dieser kargen Gegend schlug der Radsport tiefe Wurzeln.

27 Kopfsteinpflaster-Passagen sind zu passieren

Unter den Radprofis gilt der Klassiker als ein faszinierendes Sport-Denkmal. Auf der 259,5km langen Distanz zwischen Compiegne nahe Paris und dem Radstadion von Roubaix müssen insgesamt 27 Paves, also Kopfsteinpflaster-Passagen, mit einer Gesamtlänge von 52,9 Kilometern bewältigt werden. "Trotz Gabelfederung musste ich nach Paris-Roubaix drei Tage meine Handgelenke kühlen", erinnert sich Steffen Wesemann.

Er stand 2007 als letzter Deutscher mit einem dritten Rang auf dem Podest. Der einzige deutsche Sieg gelang Josef Fischer 1 896. Danach erreichten nur noch Olaf Ludwig (Gera) 1992 und Steffen Wesemann (Wolmirstedt) 2002 jeweils den zweiten Platz.

Die magere Bilanz könnte in diesem Jahr auch Markus Burghardt (Zschopau) aufpolieren. "Wir haben bei Columbia eine starke Mannschaft, und mir liegen die schweren Klassiker. Ich habe mir ganz fest einen Podestplatz vorgenommen", sagte der Sachse. Immerhin platzierte er sich bei der Flandern-Rundfahrt und bei Gent-Wevelgem zweimal in den Top Ten.

Bis zu 30 Zentimeter tiefe Schlaglöcher

Hausslers Schweizer Team Cervelo wollte nichts dem Zufall überlassen, fuhr die Paves des diesjährigen Kurses gleich mehrmals ab und setzt nun eine eigens konstruierte Rennmaschine ein. "Wir waren richtig erschrocken", berichtete Sportdirektor Zemke: "Es gab Stellen besonders auf dem Sektor hinter dem schweren Katzenkopfstück im berüchtigten Wald von Arenberg. Im Arenberg-Wald müssen 2 400 Meter Kopfsteinpflaster bewältigt werden. Die Jungs freuen sich danach auf eine kurze Erholungsphase, und dann das. Die Löcher sind auf dem Stück vor Wandignies bis etwa 30 Zentimeter tief."

In den vergangenen Jahren waren die Paves immer weniger geworden, die Bauern asphaltierten ihre Wege. Inzwischen steht Paris-Roubaix unter Denkmalschutz und es gibt wieder mehr derartige Passagen - im kommenden Jahr sogar auf insgesamt 55 Kilometern.

© SID

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