Radsport
Sat 1 will das Tour-Geschäft machen

ARD und ZDF sind wegen des Dopingverdachts gegen den T-Mobile-Radprofi Patrik Sinkewitz aus der Live-Berichterstattung von der Tour de France ausgestiegen, die private Konkurrenz hält sich mit derlei Skrupeln nicht auf: Sat 1 hat die Live-Übertragung von den Öffentlich-Rechtlichen übernommen.

HB BERLIN. Der Sender teilte am Donnerstagmittag in Berlin mit, Pro Sieben Sat 1 habe soeben die Rechte dafür erworben. 15 Uhr begann Sat 1 mit der Übertragung der 11. Etappe von Marseille nach Montpellier. N24-Sportchef Timon Saatmann und der dreifache Radcross-Weltmeister und Mountainbike-Weltcup-Sieger Mike Kluge kommentieren die Bilder. Wegen der kurzfristigen Entscheidung arbeiten die am ersten Tag aus Berlin und nicht von der Strecke aus. Ab Freitag soll Sat 1 mit einem Team vor Ort sein.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hatte den Ausstieg von ARD und ZDF zuvor heftig kritisiert. Vizepräsident Harald Pfab monierte, der Boykott der öffentlich-rechtlichen Sender gehe auf das Fehlverhalten eines einzelnen Fahrers zurück und habe mit der Frankreich-Rundfahrt nichts zu tun. „Die Tour de France wird bestraft, obwohl bisher alle auf der Tour genommenen Doping-Proben negativ ausgefallen sind“, sagte Pfab.

Der Radsport stehe zwar zurecht im Fokus des Interesses im Kampf gegen Doping. Doch bei der „Operación Puerto“ gegen den verdächtigen spanischen Arzt Eufemiano Fuentes seien neben manipulierten Proben von 58 Radfahrern auch Angaben zu etwa 150 Sportlern anderer Disziplinen aufgetaucht. Dies zeige, dass andere Sportarten auch in Manipulationen verwickelt seien.

Der BDR und die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA hatten seit dem 18. Juni rund 40 deutsche Profis zielgerichtet kontrolliert. Bei Sinkewitz war wurde beim Training in den Pyrenäen eine Probe genommen, die einen Testosteronwert von 24 zu 1 aufwies - mehr als sechs Mal über dem Grenzwert von 4 zu 1. Ein solcher Testosteronwert weist auf Doping hin.

Der Gemeinderat der Stadt Stuttgart entscheidet am Abend über die Austragung der Straßenrad-Weltmeisterschaft in der Stadt im September. Am Mittwoch hatte eine Sprecher der Stadt gesagt, man wolle trotz des neuen Dopingfalls an der Austragung festhalten und arbeite weiter an einer Vereinbarung für schärfere Dopingkontrollen. Dagegen sieht der baden-württembergische Sportminister Helmut Rau die WM noch nicht in trockenen Tüchern.

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