Radsport
Team T-Ullrich in der Zwickmühle

Das Radsport-Team T-Mobile wird immer mehr zum Team Jan Ullrich: Nach Alexander Winokurow kehrt auch Erik Zabel dem Bonner Rennstall den Rücken.

HB BONN. Mit dem alt gedienten Zabel sucht der zweitgrößte Fan-Magnet und Image-Träger, der als Gegenentwurf zu Ullrich das ganze Jahr professionelle Präsenz zeigt, das Weite. In diesem Jahr musste der 35-jährige Berliner zum ersten Mal nach 12 Jahren auf die Tour de France verzichten, um die Kreise des Kapitäns nicht zu stören.

Daraus zog Zabel die Konsequenz und heuerte im Ausland an - genau wie Alexander Winokurow, der bei der Tour trotz seiner Freundschaft zu Ullrich offen eigene Interessen vertrat. In Zukunft will er als Kapitän von Liberty Seguros in Spanien selbst auf den Toursieg zusteuern.

Dazu geht zum Saisonende Team-Manager Walter Godefroot in Rente, der als einziger öffentliche Kritik an Ullrich nicht scheute. Mit seinem Abgang dürfte Ullrich-Intimus Rudy Pevenage, der unmittelbar vor einer Vertragsverlängerung mit T-Mobile steht, wieder an Einfluss im Team gewinnen. Das Feld scheint also bestellt für den 31-jährigen Ullrich, der auch ohne Lance Armstrong weiter versuchen wird, seinen großen sportlichen Traum vom zweiten Toursieg doch noch zu verwirklichen. Je nach Standpunkt könnte die neue Politik im Team als fast fahrlässige Einseitigkeit oder Konzentration der Kräfte gewertet werden.

Zabel nahm am Sonntag in Hamburg nach 13 Jahren und 192 Profisiegen im Magenta-Trikot öffentlich Abschied von T-Mobile. Seinen neuen Arbeitgeber nannte er noch nicht. Wahrscheinlich fährt Zabel die letzten drei Jahre seiner Karriere an der Seite des italienischen Super-Sprinters Alessandro Petacchi bei Domina Vacanze. Sein neues Team habe ihm die Tour-Start-Garantie zugesichert, erklärte Zabel, der keinen Zusammenhang zwischen seiner Enttäuschung und dem Teamwechsel hergestellt wissen wollte: "Der neue Vertrag und die diesjährige Nicht-Nominierung sollten nicht miteinander verknüpft werden", sagte Zabel, der das Verlängerungs-Angebot der Bonner ausschlug, wahrscheinlich auch, weil es seiner Meinung nach zu gering dotiert ausfiel.

Der neue Manager Olaf Ludwig ist in einer Zwickmühle. Er muss die Ansprüche Ullrichs sichern, gleichzeitig in die Zukunft investieren für die Zeit nach dem Karriere-Ende des Toursiegers von 1997, und er muss möglichst noch Ersatz für die prominenten Abgänger besorgen. Das für Zabel und Winokurow gesparte Geld - zusammen geschätzte drei Millionen pro Jahr - könnte laut Ludwig reinvestiert werden. Aber der Markt ist fast leer. "Wir sind noch dran an neuen Leuten, aber ein 'Knaller' wird wohl nicht dabei sein", sagte der einstige Zabel-Lehrmeister Ludwig, der die Geschäfte von Godefroot übernommen hat.

Die bisher verpflichteten, namhaften Neulinge können sich sehen lassen. Aber der zweifache Zeitfahr-Weltmeister Michael Rogers (Australien) und Deutschland-Tour-Gewinner Patrik Sinkewitz aus Fulda sind in erster Linie der Rundfahrer-Fraktion gutzuschreiben und damit wohl nicht mehr als Ullrich-Helfer. Für die wichtigen, klassischen Ein-Tages-Rennen im Frühjahr bleiben zwar die bewährten Andreas Klier und Steffen Wesemann die Trumpfkarten. Aber die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, dass das bisher mit rund 12 Millionen Euro pro Saison gesponserte Team ab 2006 von der großen Öffentlichkeit nur noch im Tour-Monat Juli und davor durch die Meldungen über Ullrichs Formzustand wahr genommen werden könnte.

Im Zabel-Sog könnte auch der populäre Rolf Aldag T-Mobile verlassen und seinem Freund folgen. "Ich habe noch nirgends unterschrieben und mehrere Optionen. In dieser Woche wird sich entscheiden, ob ich bleibe, woanders hingehe oder meine Karriere zum 31. Dezember beende", sagte Aldag am Montag.

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