Radsport
Tour d'Allemagne

Am Sonntag endet die Tour de France – und die deutschen Radsportler feiern einen Rekord. Die Deutschen zählen wieder zu den stärksten Radfahrern der Welt. Nur bekommt das in der Heimat keiner mit.
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DüsseldorfWelche Nation hat die meisten Etappen bei der diesjährigen Tour de France gewonnen? Die Antwort dürften die Wenigsten kennen, dabei liegt sie so nah: Deutschland.

Auf dem Konto der deutschen Radsportler standen schon zur Halbzeit der Tour fünf Etappensiege. Mit dem Sieg von Tony Martin im Zeitfahren kommt nun ein sechster Erfolg hinzu. Der 29-Jährige hatte in den Bergen so gut es ging Energie gespart, um in seiner Paradedisziplin der Favoritenrolle gerecht zu werden.

„Ich bin überglücklich. Das war ein sehr gutes Zeitfahren. Mein Ziel bei der Tour war der heutige Tag“, sagte Martin, der mit deutlichem Abstand (1:39 Minuten) gewann. „Ich dachte, nach drei Wochen kommen die anderen näher ran.“

Sollten die Sprinter Marcel Kittel oder André Greipel am Sonntag das prestigeträchtige Finale auf dem Champs Élysées in Paris für sich entscheiden, käme ein weiterer Sieg hinzu. „Ein deutsches Wochenende wäre der Hammer“, sagt Marcel Kittel, der einer der Hauptdarsteller werden könnte.

Viele Nationen beneiden die Deutschen um ihren Erfolg im Radsport. Die Deutschen zählen in fast allen Bereichen zur Weltspitze: Martin ist der beste Fahrer im Kampf gegen die Uhr. Kittel und Greipel sind auf Flachetappen schwer zu schlagen. John Degenkolb ist einer der talentiertesten Rennfahrer für anspruchsvolle Eintagesrennen.

Nur eines fehlt dem deutschen Radsport: Es gibt keinen Fahrer, der bei einer großen Rundfahrt in der Gesamtwertung ganz vorne landen kann. Seit den Tagen von Jan Ullrich und Andreas Klöden hat es kein Deutscher auch nur in die Nähe des Podiums der Tour de France geschafft.

Es ist nach wie vor umstritten, ob es überhaupt möglich ist, die Tour ohne Doping zu gewinnen, um es vorsichtig auszudrücken. So erreichte der letztjährige Toursieger Chris Froome ein Niveau, das nach Meinung des Leistungsdiagnostikers Antoine Vayer  nicht mehr im menschenmöglichen Bereich lag. Vayer war einst Trainer des Festina Teams, das 1998 für einen der größten Doping-Skandale der Geschichte sorgte. Inzwischen kämpft er für einen sauberen Sport, indem er Leistungsdaten auf ihre Plausibilität hin überprüft.

Abgesehen von „Mutantenwerten“, die er bei so manchem Radsportler festgestellt haben will, ist Vayer der Ansicht, dass der Sport insgesamt seit den 2000er-Jahren deutlich sauberer geworden ist. Darin stimmt er mit den meisten Experten überein. Gerade die Eintagesrennen oder einzelne Etappen lassen sich inzwischen „à l'eau claire“ gewinnen, mit reinem Wasser, wie in Frankreich jene Leistungen genannt werden, die ohne Doping zustande kommen.

Es mag Zufall sein, dass die deutschen Radprofis genau in diesem Metier am besten sind. Und es wäre eine etwas verquere Logik, zu denken, die Deutschen seien sauber, nur weil sie im Gesamtklassement hinterher fahren. Dennoch hat sich die junge Generation einen kleinen Vertrauensvorschuss durchaus verdient. Ob Kittel, Martin oder Degenkolb – keiner wurde bislang mit Doping in Verbindung gebracht. Alle bekennen sich wohltuend deutlich zu einem sauberen Sport.

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