Radsport Tour de France
ARD und ZDF verzichten auf Tour-Berichterstattung

ARD und ZDF werden zukünftig auf Bilder der Tour de France verzichten. Dies erklärten heute die Intendanten. Zudem wird die Deutschland-Tour nicht mehr stattfinden.

Die TV-Sender ziehen die Reißleine und das deutsche Vorzeige-Radrennen hat vorerst keine Zukunft: Dem deutschen Profi-Radsport droht nach dem "Schwarzen Donnerstag" das endgültige Aus. Die jüngsten Dopingfälle um die Gerolsteiner-Fahrer Stefan Schumacher und Bernhard Kohl haben ARD und ZDF zu einem Ausstieg aus der Live-Übertragung der Tour de France bewogen. Wenige Stunden später verkündeten die Organisatoren der Deutschland-Tour das Aus der Rundfahrt.

"Der sportliche Wert der Tour de France hat sich aufgrund der gehäuften Dopingfälle und der daraus gewonnenen Erkenntnisse erheblich reduziert", sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff nach der Klausurtagung der Intendanten in Köln. Damit sei laut Raff auch der programmliche Wert gesunken und eine breitflächige Übertragung auf absehbare Zeit nicht mehr zu rechtfertigen.

ZDF will nicht alleine übertragen

Eine alleinige Übertragung auf dem ZDF stand nach dem Ausstieg der ARD nicht zur Debatte. "Das ZDF wird die Tour nicht ohne die ARD übertragen", sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Er hatte bereits zuvor den geplanten Start des siebenmaligen Toursiegers Lance Armstrong sowie dessen Astana-Teams kritisiert.

Das Aus des Radsports in ARD und ZDF betrifft grundsätzlich nur die Live-Berichte. In Nachrichten oder anderen Sendungen wird von der Tour nach wie vor berichtet. Die öffentlich-rechtlichen Sender wollen sich nun zeitnah treffen und laut Brender "Gespräche über die Konsequenzen führen".

Deutschland-Tour findet nicht mehr statt

Für die Deutschland-Tour kommen diese Gespräche offenbar zu spät. Die Gesellschafter der Deutschland Tour Gmbh, der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) sowie die Upsolut Event Gmbh entschlossen sich dazu, die größte deutsche Radrundfahrt vorerst nicht mehr auszurichten. "Wir bedauern es, diese Entscheidung treffen zu müssen", sagte Renn-Organisator Kai Rapp.

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Profiradsport sehe man sich nicht mehr in der Lage, die Veranstaltung erfolgreich zu vermarkten und damit zu finanzieren. Damit endet ein weiterer Versuch, eine nationale Radrundfahrt in Deutschland langfristig zu etablieren. Bereits am Mittwoch war mit dem österreichischen Bundesland Tirol ein jahrelanger Sponsor ausgestiegen. Verhandlungen mit der ARD über künftige Übertragungen standen zwar noch aus, doch der Sender hat mit dem Tour-Rückzug ein unmissverständliches Zeichen gesetzt.

Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (Dosb), war von der Entscheidung überrascht. "Ich halte sie für verfrüht, die Tour ist schließlich erst im Sommer 2009", sagte er am Donnerstag in Köln: "Man hätte abwarten sollen, zu welchen Entscheidungen die Ebenen des Radsports unter Führung des Weltverbandes UCI bis dahin kommen."

Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, "will sich die Sache erstmal genauer angucken", bevor er einen Kommentar abgibt. Von den Sportpolitikern des Deutschen Bundestages wurde die Entscheidung dagegen begrüßt.

Live-Bilder zukünftig wohl nur bei Eurosport

Bei den Verhandlungen mit der Europäischen Rundfunk Union (EBU) könnten derweil Probleme auftauchen. Der Senderzusammenschluss, dem auch ARD und ZDF angehören, hatte offenbar ohne Einverständnis der ARD bereits im Juli den Vertrag mit dem Tour-Veranstalter ASO bis 2011 verlängert. "Wir haben immer gesagt, dass wir erst Ende der Saison entscheiden. Warum die EBU trotzdem vorher gehandelt hat, wissen wir nicht", sagte Meyer. Nun müsse man sich einigen.

ARD und ZDF waren bereits im vergangenen Jahr am ersten Ruhetag der Frankreich-Rundfahrt wegen der positiven Dopingprobe von Patrik Sinkewitz aus der Liveberichterstattung ausgestiegen. Damals sprang Sat.1 ein, betonte jedoch danach, Radsport nicht wieder übertragen zu wollen. Deutsche Radsport-Fans werden künftig wohl nur auf Eurosport Live-Bilder von der Tour sehen. Der Spartensender will auf jeden Fall Live-Bilder der Tour zeigen.

Holczer: "Der wohl entscheidende Schlag"

Hans-Michael Holczer, Teamchef des Gerolsteiner-Rennstalls, prophezeit dem Profiradsport in Deutschland nach dem Rückzug der Sender eine düstere Zukunft. "Das versetzt der Wertigkeit des Produkts einen heftigen und wohl entscheidenden Schlag. Der Radsport konnte bisher die umfassenden TV-Berichte in die Waagschale werfen", sagte Holczer.

Auch bei Milram, das den letzten verbliebenen deutschen Profi-Rennstall unterstützt, wird man sich Gedanken machen. Die Saison 2009 ist aber auf jeden Fall gesichert. "Für uns als Sponsor des einzigen deutschen Radsportteams Milram ergibt sich die Notwendigkeit, den Wert unseres Sponsoringengagements neu zu beurteilen. Das können wir aber erst nach Ablauf des kommenden Jahres tun, wenn wir die Auswirkungen auf den tatsächlichen Werbeeffekt 2009 für unsere Marke Milram bewertet haben", sagte Nordmilch-Marketingchef Martin Mischel.

© SID

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