Radsport Tour de France
Ausreißen lohnt sich auch ohne den Sieg

Immer wieder versuchen Fahrer von kleinen Teams auf den Flachetappen der Tour auszubrechen und sich den Tagessieg zu sichern. Auch wenn die Ausreißer am Ende meist wieder eingeholt werden, sind die Fluchten lukrativ.

Die Strapazen sind hoch, das Ende ist in der Regel undankbar: Fast 150 Kilometer kämpften Marcel Sieberg und seine beiden Mitstreiter tapfer gegen Wind, Regen und die Schmerzen in den Beinen an, doch der große Traum vom Etappensieg erfüllte sich für keinen der drei Tour-Neulinge. Nur 3 000 Meter vor dem Ziel schlug das Peloton erbarmungslos zu und zerstörte alle Hoffnungen des Trios, das Ende der Etappe noch vor der jagenden Meute zu erreichen. Wieder einmal war die Rechnung der Verfolger aufgegangen, die Flüchtigen im letzten Moment noch abzufangen - und doch war die Mühe der Ausreißer nicht ganz umsonst.

"Ich habe von Anfang an nicht wirklich damit gerechnet, dass wir es schaffen", sagte Sieberg nach seinem ersten großen Auftritt bei der Tour. Dem Jungprofi vom Team Milram erging es wie vielen, die in der Vergangenheit ihr Heil in der Flucht suchten, denn mittlerweile sind die Aufholjagden der Sprinterteams fast schon sekundengenau vorherberechnet.

Für Sieberg war es dennoch den Versuch wert, brachte er ihm neben der Auszeichnung als "offensivster Fahrer" doch auch eine der Hauptrollen in der Live-Übertragung des Fernsehens ein. Dem Sponsor seines Teams hatte der 25-Jährige somit auch ohne Tagessieg viel Freude bereitet.

Wie fast immer bei Flachstücken der Tour befanden sich auch auf der dritten Etappe am Dienstag wieder zwei Fahrer auf der Flucht für den Sponsor. Einer war Nicolas Vogandy vom französischen Team Agritubel. Die Mannschaft, die dank einer Wildcard die Große Schleife bestreitet, war an den ersten Tagen bislang in jeder Ausreißergruppe vertreten. "Diese medienwirksamen Auftritte können bei den nächsten Vertragsverhandlungen mit dem Sponsor viel wert sein", meint Denis Leproux, sportlicher Leiter des Teams.

Gerade zu Zeiten, in denen das Image des Radsports durch viele Doping-Affären geschädigt ist, wollen sich auch die schwächeren Mannschaften so oft wie möglich positiv in Szene setzen: "Wenn man weder im Sprint noch in den Bergen realistische Chancen auf einen Tagessieg hat, muss man eben solche Gelegenheiten nutzen, im Rennen aufzufallen", so Leproux. Nicht zuletzt wegen ihrer Angriffslust bei der letztjährigen Frankreich-Rundfahrt wurde Agritubel auch in diesem Jahr wieder von den Organisatoren eingeladen. "Schließlich lieben die Zuschauer diese heldenhaften Alleingänge - besonders, wenn ihnen am Ende kein Erfolg vergönnt ist."

So bitter endete auch einmal ein Fluchtversuch des Berliners Jens Voigt, als dieser einen ganzen Tag zusammen mit dem Niederländer Erik Dekker an der Spitze gefahren war, um schließlich nur 200 m vor dem Zielstrich vom heranrasenden Feld geschluckt zu werden. Doch Voigt ist auch ein gutes Beispiel für erfolgreiche Fluchten, die ihm unter anderem seine beiden Tour-Tagessiege bescherten, einen davon im letzten Jahr.

Und so wird auch Marcel Sieberg wieder seine Chance suchen: "Es kann ja auch mal klappen. Die Hoffnung hat man schließlich immer."

© SID

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