Radsport Tour de France
Bennati siegt bei Contador-Triumph in Paris

Daniele Bennati setzte sich auf beim traditionellen Ende der Tour de France im Sprint auf den Champs Elysees durch. Alberto Contador trug sein Gelbes Trikot im Hauptfeld über die Ziellinie nahe des Triumphbogens.

Mit dem Triumph von Alberto Contador ist die "Tour de Farce" in Paris zu Ende gegangen. Nach den zahlreichen Skandalen hielt sich die Begeisterung auf den prunkvollen Champs Elysees allerdings arg in Grenzen. Zuviele Zweifel bleiben nach dem neunten Erfolg eines spanischen Radprofis in der Geschichte der Tour de France, schließlich steht auch Contador unter starkem Dopingverdacht. So droht der Rundfahrt womöglich auch in diesem Jahr noch ein Nachspiel.

Letzter Tagessieger vor trotz schlechtem Wetter großer Kulisse wurde 24 Stunden nach dem Zeitfahr-Triumph von Contadors Discovery-Kapitän Levi Leipheimer (USA) der Italiener Daniele Bennati. Den Massensprint auf dem Pariser Prachtboulevard entschied 146km nach dem Start in Marcoussis siegte der Lampre-Sprinter vor Thor Hushovd (Norwegen) und Erik Zabel (Unna).

Tom Boonen gewinnt Grünes Trikot

Boonen holte sich dabei erstmals das Grüne Trikot vor dem Südafrikaner Robert Hunter (Barloworld) und Rekord-Punktsieger Zabel, der nach sechs Jahren "sein Trikot" in der ersten Tour-Woche nochmals für einen Tag hatte erobern können. Als Berg-König stand Briancon-Sieger Mauricio Soler (Barloworld) aus Kolumbien fest.

Der strahlende Held auf gleich drei Podesten war jedoch Contador. 17 Jahre nach dem letzten von fünf Tour-Siegen seines Landsmannes Miguel Indurain nahm der 24-Jährige auch das Weiße Trikot des besten Jungprofis mit. Zudem war der jüngste spanische Tour-Sieger maßgeblich am ersten Gewinn der Teamwertung für den früheren US-Rennstall von Lance Armstrong verantwortlich.

Zweitknappster Toursieg aller Zeiten

Der siebenmalige Tour-Sieger gehörte ein Jahr nach dem schnell wegen Dopings umstrittenen Triumph seines immer noch als Tour-Sieger 2006 geführten Landsmannes Floyd Landis zu den ersten Gratulanten von Contador. Contador hatte nach dem Rauswurf des klar auf Tour-Sieg steuernden Dänen Michael Rasmussen sowie dem Aus für den als Dopingsünder überführten Topfavoriten Alexander Winokurows die besten Karten.

Zudem profitierte der mit dem spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes in Verbindung gebrachte Madrilene vom Rückzug des Astana-Teams, in dem Winokurows Teamkollege Andreas Klöden Mitfavorit war. Letztlich reichten ihm 23 Sekunden Vorsprung vor dem Australier Cadel Evans und 31 vor Leipheimer, um den zweitknappsten Tour-Sieg aller Zeiten perfekt zu machen.

Voigt (CSC) und Fothen (Gerolsteiner) die besten Deutschen

Der Luxemburger Kim Kirchen erfüllte mit dem siebten Platz das T-Mobile-Soll. Als beste Deutsche belegten der Berliner Jens Voigt (CSC) und Markus Fothen (Kaarst) vom Team Gerolsteiner die Ränge 28 und 34.

Die Schlussetappe hatte wie üblich als "Tour d'honneur" im Bummel-Tempo begonnen, wobei der Belgier Gert Steegmans (Quickstep) die letzten beiden Bergpreise gewann. Danach musste Contador angesichts des knappen Vorsprungs bei zwei Sprintwertungen noch auf der Hut sein.

Der Sieger von Plateau de Beille nahm auch diese Hürden, beim "Showdown" auf den Champs-Elysees war dann die Sprintelite unter sich. Contadors Vorsprung reichte, um die achtjährige Vorherrschaft der USA auf dem Thron zu beenden.

Knapper als Contador hatte nur Greg Lemond (USA) die Tour gewonnen, als er 1989 mit acht Sekunden vor Lokalmatdor Laurent Fignon siegte. Noch nie lagen die drei Erstplatzierten der Tour am Ende innerhalb einer Minute zusammen.

Eng war es für Contador beim Zeitfahr-Krimi am Samstag auf den 55,5km von Cognac nach Angouleme in der Weinregion der Charente geworden. Den Kampf gegen die Uhr gewann Leipheimer mit 51 Sekunden Vorsprung vor Evans. Contador reichte mit 2:18 Minuten Rückstand der fünfte Platz, um das Gelbe Trikot zu verteidigen. "Ich freue mich für Alberto. Aber natürlich habe ich auch noch selbst auf das Gelbe Trikot gehofft", gab Leipheimer später zu.

Zeitfahren als sportlicher Lichtblick

Das spannende Zeitfahren am Samstag war nach vielen negativen Schlagzeilen ein kleiner sportlicher Lichtblick. Dem glanzvollen Tour-Auftakt mit vier Mill. Zuschauern beim Prolog- und Etappenstart in London und Umgebung waren zunächst folgenschwere Stürze gefolgt.

Winokurow und Klöden standen schon da vor dem Aus. Patrik Sinkewitz landete mit Gesichtsfrakturen zuerst in einem Hamburger Krankenhaus und dann im Doping-Loch. Der junge Hesse war es, durch den die Dopingschlagzeilen ausgelöst wurden.

Ein erst mit wochenlanger Verspätung bekannt gegebener Dopingbefund von Sinkewitz führte letztlich zum Bruch zwischen dem Tour-Veranstalter ASO und dem Radsport-Weltverband UCI, der auch verpasste Termine von Rasmussen bei Trainingskontrollen lange zurückhielt. Es folgten die Entlassung des zu diesem Zeitpunkt führenden Rasmussen wegen Vertrauens-Missbrauch bei Rabobank sowie die "aktuellen" Dopingbefunde während der Tour bei Winokurow und dem Italiener Cristian Moreni (Cofidis).

© SID

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