Radsport Tour de France
Bruyneel und Astana gehen getrennte Wege

Teamchef Johan Bruyneel wird den Astana-Rennstall zum Saisonende verlassen. Der Niederländer könnte in der kommenden Saison ein neues Team um Lance Armstrong gründen.

Der Abschied von Teamchef Johan Bruyneel beim alles überragenden Astana-Renstall ist beschlossene Sache. "Das Kapitel Astana ist nach der Saison beendet", sagte der Belgier und begründete seine Entscheidung mit den Querelen um die unterlassenen Gehaltszahlungen im Frühjahr sowie dem Konflikt um Dopingsünder Alexander Winokurow, der mit Hilfe der kasachischen Geldgeber ins Team zurück will.

"Die Monate April und Mai waren schwierig. Man muss die Verträge respektieren", sagte Bruyneel dem ARD-Hörfunk mit Blick auf die zwischenzeitliche finanzielle Schieflage und ergänzte: "Dann kam die Pressekonferenz von Winokurow in Monaco, bei der ich mich links liegen gelassen gefühlt habe."

Neues Team im Gespräch

Damit verdichten sich die Anzeichen, dass Bruyneel im kommenden Jahr gemeinsam mit dem siebenmaligen Toursieger Lance Armstrong ein neues Team starten werde. Seit Wochen sind der Sportartikelhersteller Nike und Armstrongs Krebsstiftung Livestrong als mögliche Sponsoren im Gespräch. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ist auch das Software-Unternehmen Oracle ein heißer Kandidat.

Bruyneel hatte nach dem Skandaljahr 2007, als Winokurow, Alexander Kaschetschkin und Matthias Kessler als Dopingsünder überführt worden waren, die Astana-Teamführung übernommen und die Mannschaft in die Erfolgsspur zurückgeführt. 2008, als Astana für die Tour ausgeladen war, gewann er mit Alberto Contador den Giro d'Italia und die Vuelta. In diesem Jahr steht Contador dicht vor seinem zweiten Toursieg.

Winokurow gab den Ausschlag

Den letzten Ausschlag zum Abschied von Bruyneel hat demnach die Pressekonferenz von Winokurow zwei Tage vor dem Tour-Start gegeben, als der Kasache eigenmächtig seine Rückkehr ins Team angekündigt hatte. Wenn Bruyneel damit nicht einverstanden sei, dann müsse er gehen, hatte der frühere Tour-Dritte gesagt. "Wir wollten eine mögliche Rückkehr von Winokurow erst besprechen. Dann gab er eines Tages eine Pressekonferenz in Monaco. Danach erreichten mich ein paar Rektionen des kasachischen Verbandes. Da war die Sache klar", sagte Bruyneel.

Bereits am Dienstagmorgen hatte Astana unfreiwillig für Schlagzeilen gesorgt. Der Team-LKW wurde an der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich drei Stunden lang durchsucht. "Sie haben alle Koffer durchsucht. Ich weiß nicht, wonach sie gesucht haben. Sie haben aber nichts beschlagnahmt", sagte Maertens dem SID. Angesichts der ständigen Dopingkontrollen beim Super-Team kam die Durchsuchung am Ende des Tour-Abstechers in die Schweiz nicht gar so überraschend.

© SID

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