Radsport Tour de France
Burghardt feiert größten Erfolg seiner Karriere

Der Sachse Marcus Burghardt hat das 18. Teilstück der 95. Tour de France gewonnen und für den zweiten deutschen Etappensieg gesorgt. Das Gelbe Trikot behält Carlos Sastre.

Mit einer 150km langen Flucht auf der 18. Touretappe hat der Auensteiner Marcus Burghardt den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert. Der 25-Jährige vom T-Mobile-Nachfolgeteam Columbia setzte sich im Schlussspurt des Teilstücks von Bourg d'Oisans nach St. Etienne (196,5km) gegen seinen spanischen Mitausreißer Carlos Barredo (Quick Step) durch und sicherte seiner Mannschaft nach vier Sprintsiegen des Engländers Mark Cavendish bereits den fünften Tageserfolg bei dieser Frankreich-Rundfahrt. Zudem war es nach Stefan Schumachers Zeitfahrsieg auf der vierten Etappe der zweite deutsche Erfolg bei der 95. Tour.

"Ein Tour-Etappensieg war mein Traum - jetzt habe ich ihn mir erfüllt", erklärte der gebürtige Zschopauer, der seiner Mannschaft nach vier Sprintsiegen des Engländers Mark Cavendish bereits den fünften Triumph bei der 95. Tour sicherte. Während Barredo an seinem Hinterrad lauerte, diktierte Burghardt von vorne das Geschehen und ließ seinem Fluchtgeführten mit einem kraftvollen Antritt letztlich keine Chance. "Ich denke, dass mir meine Ausbildung auf der Bahn von Kindesbeinen an in diesem Finale entgegen gekommen ist", erklärte der 25-Jährige, der nach einer Knieoperation im Frühjahr eine längere Trainingspause hatte einlegen müssen.

Nachdem er im bisherigen Tourverlauf vor allem Helferdienste hatte leisten müssen, nutzte der in Zschopau geborene Sachse damit gleich seine erste Chance zum Etappensieg. Burghardt hatte sich nur 1500m nach dem Start mit einer siebenköpfigen Gruppe vom Hauptfeld abgesetzt, wurde eingeholt und attackierte erneut. Ab dem ersten von drei Anstiegen des Tages hatte er dann mit Barredo das Spitzenduo gebildet. "Ich habe hier bisher viel Arbeit fürs Team leisten müssen, wofür ich auch Anerkennung bekommen habe. Diesen Sieg sehe ich als Belohnung dafür", sagte Burghardt.

An der Spitze der Gesamtwertung gab es unterdessen keine Veränderungen. Spitzenreiter Carlos Sastre, der das Gelbe Trikot am Tag zuvor in Alpe d'Huez erobert hatte, führt weiter mit 1:24 Minuten Vorsprung vor seinem CSC-Teamkollegen Fränk Schleck aus Luxemburg. Dritter bleibt der Österreicher Bernhard Kohl vom Team Gerolsteiner mit 1:33 Minuten Rückstand auf Sastre. Der 26-Jährige steht zudem bereits als Gewinner der Bergwertung dieser Tour fest.

Gute Chancen auf den Gesamtsieg hat weiterhin der Australier Cadel Evans als Vierter (1:34 Minuten zurück). Der Lotto-Kapitän gilt als Favorit für das 53km lange Zeitfahren am Samstag, in dem Zwischen Cerilly und St. Amand Montrond die endgültige Entscheidung im Kampf um Gelb fällt.

Aufregung um die Familie Schleck

Für Aufregung im Verlauf der Etappe sorgte derweil der französische Zoll, der offenbar gezielt das Fahrzeug des Vaters der Brüder Fränk und Andy Schleck durchsuchte. Der Wagen von Johnny Schleck war auf dem Etappenkurs nach 30km gestoppt, durchsucht und dann per Zoll-Eskorte von der Strecke geleitet worden. Der Zoll der Region Isere bestätigte anschließend, eine "nähere Untersuchung" durchgeführt zu haben. Nach ersten Informationen wurden dabei allerdings weder Doping-Substanzen noch sonstige verbotene Mittel gefunden.

Etappensieger Burghardt durfte den Triumph indes mit seinen Eltern feiern, die den Tagesabschnitt an der Strecke verfolgten. Der letztjährige Sieger des Halbklassikers Gent-Wevelgem, der seine zweite Tour bestreitet, hatte zuvor schon angekündigt, seine Chance auf einer der letzten Etappen suchen zu wollen. "Mal sehen, ob ich eine Gruppe erwischen kann", hatte er vor dem Start erklärt, um dann gleich die erste Möglichkeit zur Flucht zu nutzen.

Cunego schwer gestürzt

Pech hatte dagegen der frühere Girosieger Damiano Cunego aus Italien, der nach weinigen Kilometer schwer stürzte, jedoch weiterfuhr. Stark bandagiert und unterstützt von einigen Helfern fuhr der Lampre-Kapitän dem Peloton daraufhin mehr als 150km lang hinterher. Am Ende hatte Cunego über zehn Minuten Rückstand auf das Feld mit allen Top-Fahrern und verspielte so alle Chancen auf eine Top-10-Platzierung. Am Donnerstagabend erklärte Cunego seinen Tour-Ausstieg aufgrund der Verletzungen.

Ausreißversuche wird es auch am Freitag auf dem 19. Teilstück geben, bei dem allerdings auch die Sprintspezialisten nochmals auf eine Siegchance hoffen. Die 165,5km lange Etappe von Roanne nach Montlucon führt zunächst über zwei Bergwertungen der 3. und 4. Kategorie und verläuft auch in der Endphase durch weilliges Gelände. Allerdings sind die letzten 10km vollkommen flach, sodass es erstmals seit einer Woche wieder zu einem Massensprint kommen könnte.

© SID

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