Radsport Tour de France
Cancellara schnappt Klöden den Prolog-Sieg weg

Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara ist seiner Favoritenrolle beim Prolog der 94. Tour de France gerecht geworden. Der Schweizer vom dänischen CSC-Team sicherte sich in London den Sieg und verwies Andreas Klöden (Astana) auf Rang zwei. Cancellara bewältigte die 7,9 Kilometer lange Strecke in der englischen Hauptstadt in 8:50 Minuten und hatte im Ziel 13 Sekunden Vorsprung vor Klöden. Dritter wurde der US-Amerikaner George Hincapie (Discovery/9:13).

Klöden geschockt

Der Verlust des schon sicher geglaubten Sieges verschlug Klöden zunächst die Sprache. Der Wahl-Schweizer ging erst wortlos zum Mannschaftsbus und war erst später zu einem Kommentar bereit.

"Mein Ziel war es, Abstand zur Konkurrenz zu gewinnen. Das ist mir gelungen. Jetzt muss ich mich bei den nächsten Etappen darauf konzentrieren, den Abstand auszubauen", sagte Klöden. Zufriedener war da sein Teamleiter Mario Kummer: "Ich wusste, dass er gut drauf ist. Aber das hätte ich nicht erwartet. Vor allem ist so eine kurze Strecke gar nicht seine Distanz."

Klödens als Topfavorit für den Gesamtsieg von der Startrampe am Westminster Parlament ins Rennen gegangener Astana-Kapitän Alexander Winokurow musste sich in 9:20 Minuten mit dem siebten Platz begnügen.

Eine überzeugende Leistung zeigte Linus Gerdemann als bester T-Mobile-Fahrer. Der Wahl-Kölner landete in 9:28 Minuten in den "Top 20". "Das hat besser geklappt, als ich erwartet habe. Die Stimmung hier war riesig", sagte der gebürtige Westfale.

Zabel wie erwartet abgeschlagen

Geburtstagskind Erik Zabel blieb an seinem 37. Ehrentag beim Kampf gegen die Uhr als 60. mit 50 Sekunden Rückstand im Rahmen seiner Möglichkeiten. Der deutsche Tour-Rekordler, der in London zum 13. Mal seit 1995 beim schwersten Radrennen der Welt auf die Reise ging, konnte erwartungsgemäß nicht mit den Zeitfahrspezialisten mithalten.

Von der prächtigen Kulisse und dem großen Publikum-Interesse waren alle Fahrer durchweg begeistert. "Dass es hier so viele Zuschauer gab, war schon phänomenal", sagte Markus Fothen vom Team Gerolsteiner. Der junge Kaarster benötigte für die Fahrt durch St. James's und Hyde-Park 9:33 Minuten. "Damit kann ich zufrieden sein. Die Tour ist noch lang", sagte Fothen, der fünf Sekunden schneller war als der Berliner CSC-Routinier Jens Voigt (9:38).

Für die erste Richtzeit aus deutscher Sicht hatte Bert Grabsch gesorgt. Der in der Schweiz lebende Wittenberger wurde in 9:43 Minuten gestoppt, womit der T-Mobile-Nachrücker zunächst in der Spitzengruppe lag und T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz (9:44) um eine Sekunde distanzierte.

"Die Strecke war schwerer als sie aussieht. Aber am Anfang tue ich mich immer etwas schwer", sagte der deutsche Zeitfahrmeister, der erst als Ersatz für den erkrankten Italiener Giuseppe Guerini ins Tour-Team des Bonner Rennstalls nachgerückt war. Für Grabschs Bruder Ralf wurden im Milram-Trikot 9:56 Minuten gestoppt.

Sturz bei O'Grady

Etwas hinter den Erwartungen zurück blieb Robert Förster (9:51) vom Team Gerolsteiner. "Er hat sich an der einzigen Kurve ein bisschen verschätzt und Zeit verloren", sagte Teamleiter Christian Henn. Die ominöse Kurve völlig unterschätzt hatte CSC-Profi Stuart O'Grady. Der Australier kam dort zu Fall.

Von der ungewohnten Kulisse "unglaublich beeindruckt" war Enrico Poitschke, der sieben Wochen vor seinem 38. Geburtstag sein Tour-Debüt feierte. Die schwache Zeit (10:01) war dem Milram-Profi egal: "Ich bin kein Zeitfahrer, deshalb habe ich mehr die tolle Atmosphäre genossen."

Die erste von insgesamt 20 Etappen beginnt am Sonntag um 12.00 Uhr Mesz am Nullmeridian im Londoner Stadtteil Greenwich. Der flache Kurs über 203km durch die Grafschaft Kent führt zum Tagesziel nach Canterbury, von wo aus der Tour-Tross noch am gleichen Abend die britische Insel Richtung Frankreich verlässt.

© SID

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