Radsport Tour de France
Cancellara sprintet zum Etappensieg

Bei der dritten Etappe der Tour de France hat sich Fabian Cancellara (CSC) vor Erik Zabel (Milram) den Etappensieg im Sprint geholt. Dadurch behält der Schweizer auch weiterhin das Gelbe Trikot des Spitzenreiters.

Nach zuvor sieben Stunden Fahrt im Bummeltempo nahm die dritte Etappe der Tour auf den letzten zwei Kilometern dann doch noch an Tempo auf. Im Gelben Trikot sicherte sich Prologsieger Fabian Cancellara mit einer grandiosen Schlussattacke am in jeder Hinsicht wohl "längsten Tag" der 94. Tour de France den Sieg hauchdünn vor Erik Zabel Die deutschen Farben waren dank Zabel sowie Robert Förster, Robert Haussler (beide Gerolsteiner), Bernhard Eisel und Mark Cavendish (beide T-Mobile) gleich fünfmal in den Top zehn vertreten.

Am Ende einer sechseinhalbstündigen "Spazierfahrt" ging der durch eine Handverletzung nach dem Sturz vom Vortag gehandicapte Cancellara auf den letzten 200 m der Zielgeraden in die Offensive und verteidigte sein Gelbes Trikot erfolgreich. Zabel kam nach 236,5km zwischen dem belgischen Waregem und der früheren französischen Königsresidenz Compiegne vor den Toren von Paris um Haaresbreite zu spät ins Ziel. Förster wurde Sechster, Eisel, Cavendish und Haussler belegten die Plätze acht bis zehn.

"Das war auch für mich heute ein sehr langer Spurt. Ich bin zufrieden. Die Leistung von Cancellara muss man anerkennen. In Gelb so ein Ding zu machen, ist groß", sagte Zabel. Der 37 Jahre alte Milram-Kapitän fährt seine 13. Tour seit 1995.

Im Gesamtklassement hat Cancellara nun 33 Sekunden Vorsprung vor Astana-Profi Andreas Klöden. "Die Etappe war auch wegen des Gegenwindes so langsam. Am Ende wurde es aber richtig schnell, doch da haben wir uns rausgehalten. Wir sind zufrieden, dass wir ohne Sturz durchgekommen sind", bilanzierte Astana-Teamleiter Maio Kummer.

Das Grüne Trikot verteidigte Belgiens Ex-Weltmeister Tom Boonen (Quickstep) erfolgreich. Das Trikot des Berg-Königs verlor der Schotte David Millar (Saunier) an den Franzosen Stephane Auge (Cofidis), der die einzige Bergwertung des Tages gewann.

Bummelzug hatte 57 Minuten Verspätung

Bei der Rückkehr nach Frankreich auf den flachen Passagen des Frühjahrs-Klassiker Paris-Roubaix schonten die in den Massensturz des Vortages verwickelten Fahrer ihrer Kräfte und erhielten auf der Fahrt in die Picardie vom Hauptfeld ungewollte Unterstützung. Das Ziel in Compiegne erreichten die Fahrer 57 Minuten später als für den langsamsten Temposchnitt berechnt.

Die Schuld an dem skurrilen Renntag gab der Gerolsteiner Teamchef Hans-Michael Holczer den beiden französischen Ausreißern Nicolas Vogondy (Agritubel) und Mathieu Ladagnous (Francaise des Jeux), die zwar erst wenige Meter vor dem Ziel scheiterten, aber vorher lange kaum Tempo gemacht hatten. "Sie sind nur halbherzig weggefahren. Warum sollte jemand hinterherfahren. Die Sprintmannschaften konnten warten und für die anderen hätte es keinen Sinn gemacht", erklärte Holczer die Situation.

Im westflämischen Waregem war die Tour-Karawane am Dienstagmittag vor wieder Tausenden von Zuschauern mit Musikkapellen verabschiedet worden. Auf dem Weg nach Frankreich waren zunächst Attacken erfolgt, ehe die Fahrer einen Gang zurückschalteten, als Vogondy (Agritubel) und Ladagnous nach sechs Kilometern davonfuhren.

"Uns ist auch langweilig"

Bei Kilometer 45 in Bleharies überquerte das Duo ohne selbst großes Tempo vorzulegen die französische Grenze 15 Minuten vor dem Peloton. Die Fahrt durch Frankreichs Kornkammer verlief mehr als gemächlich, für die zweite Rennstunde wurde ein Temposchnitt von 30,7km/h notiert.

"Uns ist es auch langweilig" attestierte Astana-Teamleiter Mario Kummer den Pressevertretern aus dem Begleitfahrzeug hinaus. Bei der Bummel-Tour durch Nordfrankreichs "Grüne Lunge" entlang der L'Oise plauderten die Fahrer im Peloton wie im Training miteinander, und auch die beiden Spitzenfahrer konnten schon mal die "Beine hochnehmen". Erst 52km vor dem Ziel begann das eigentliche Rennen.

Bei der vierten Station in der "Woche der Sprinter" begibt sich die Tour am Mittwoch auf Neuland. Sowohl der Startort Villers-Cotterets als auch das 193km entfernte Tagesziel Joigny wurden noch nie von der Tour-Karawane besucht. Die Strecke ist nicht ganz so flach wie die Abschnitte der ersten beiden Tage und hat neben wieder drei Sprintwertungen auch vier Bergprüfungen der jeweils vierten Kategorie im Programm.

© SID

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