Radsport Tour de France
Cavendish nach viertem Streich im Grünen Trikot

Mark Cavendish hat auch die elfte Tour-Etappe für sich entschieden. Im Sprint verwies der Brite Tyler Farrar auf Rang zwei. An der Spitze der Gesamtwertung bleibt alles beim Alten.

Im Stile des "Kannibalen" Eddy Merckx hat Mark Cavendish seine Rekordjagd fortgesetzt. Der Sprintkönig demütigte mit seinem vierten Streich bei der 96. Tour de France erneut die Konkurrenz und riss das Grüne Trikot wieder an sich. Der 24-Jährige triumphierte auf dem elften Teilstück über 192km von Vatan nach Saint-Fargeau vor dem Amerikaner Tyler Farrar und dem Weißrussen Jauheni Hutarovich.

Ciolek auf Rang sieben

Milram-Sprinter Gerald Ciolek belegte als bester Deutscher den siebten Platz. Durch den insgesamt achten Tour-Etappensieg seiner Karriere stellte Cavendish den 34 Jahre alten Rekord seines Landsmannes Barry Hoban ein, und allmählich nimmt der schnelle Brite auch die Tour-Rekordlisten ins Visier.

"Das hat er super gemacht. 200 Meter vor dem Ziel war ich mir schon sicher, dass er gewinnt", sagte Cavendishs Mentor und Sprintberater Erik Zabel. Sportdirektor Rolf Aldag ergänzte: "Mark zerbricht nicht an seinen Zielen, sondern baut sich daran auf. Eine Mannschaft in seinem Alter zu führen, ist einmalig.'

Nocentini weiter in Gelb

An der Spitze des Gesamtklassements blieb alles beim Alten. Der italienische Außenseiter Rinaldo Nocentini verteidigte zum vierten Mal in Folge das Gelbe Trikot des Gesamtersten erfolgreich und liegt weiter sechs Sekunden vor dem spanischen Topfavoriten Alberto Contador und weitere zwei vor dem siebenmaligen Tour-Champion Lance Armstrong.

Der deutsche Youngster Tony Martin weist weiter einen Rückstand von einer Minute auf und trägt auch am Donnerstag das Weiße Trikot des besten Nachwuchsprofis. Allerdings rutschte der 24-Jährige durch eine Jury-Entscheidung wieder zurück auf den siebten Gesamtrang. Bradley Wiggins, der am Dienstag durch einen Sturz auf dem letzten Kilometer 15 Sekunden eingebüßt hatte, wurde die Zeit wieder gutgeschrieben und rückte damit auf den 16. Platz vor.

Erfolgreichster britischer Radprofi aller Zeiten

Die elfte Etappe stand wieder einmal ganz im Zeichen von Columbia und Cavendish, der mit 44 Profisiegen auch erfolgreichster britischer Radprofi aller Zeiten ist. Wie im Vorjahr steht der Top-Sprinter nun schon bei vier Etappensiegen und schickt sich an, die nächsthöhere Stufe (5 Siege von Armstrong 2004) zu meistern. Den Rekord halten Charles Pelissier (1930), Merckx (1970/74) und Freddy Maertens (1976) mit je acht Etappensiegen in einer Rundfahrt.

Als Cavendish im Ziel war, galt sein erster Dank wieder seinem "Navigator" Erik Zabel. Der frühere deutsche Ausnahmesprinter hatte den Zielsprint wieder genau inspiziert und dem "Manxpress" von der Isle of Man wertvolle Tipps gegeben. "Eriks Wort hat Gewicht. Seine Arbeit ist unheimlich wertvoll", sagte Sportdirektor Rolf Aldag. Mit seinem Triumph übernahm Cavendish auch wieder das Grüne Trikot des Sprintbesten von Hushovd.

Ausreißer kurz vor dem Ziel gestellt

Bevor es zum Finish kam, bestimmten erst einmal die beiden Ausreißer Johan van Summeren (Belgien) und Marcin Sapa (Polen) das Geschehen. Das Duo ergriff nach 24km die Flucht und fuhr zwischenzeitlich einen Vorsprung von 4:15 Minuten heraus. Fünf Kilometer vor dem Ziel wurden beide aber wieder eingeholt.

Unterdessen ist im Streit über das Funkverbot eine Entscheidung in Sicht. Nachdem am Dienstag die Fahrer ohne Funkverbindung ins Rennen gegangen waren und dies mit einer Bummelfahrt quittierten, will der Radsport-Weltverband am Donnerstag eine Entscheidung hinsichtlich der Etappe nach Colmar treffen. Auf der Fahrt durch die Vogesen am Freitag war ursprünglich auch das Funkverbot vorgesehen. Die UCI versprach sich damit ein weniger von Taktik geprägtes Renngeschehen. Die Rechnung war allerdings nicht aufgegangen.

Am Donnerstag könnte Cavendish seinen fünften Sieg folgen lassen. Allerdings ist der Streckenverlauf nicht gar so flach wie auf den letzten beiden Etappen. Auf dem 211,5km langen Teilstück sind fünf Berge der vierten und einer der dritten Kategorie zu bewältigen.

© SID

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