Radsport Tour de France
Contador eilt der Konkurrenz davon

Alberto Contador ist auf dem 15. Abschnitt der Tour de France ins Gelbe Trikot geschlüpft. Der Topfavorit nahm Lance Armstrong bei seinem Etappensieg 1:35 Minuten ab.

Ein wie entfesselt fahrender Alberto Contador hat seinem großen Rivalen Lance Armstrong beim ersten Schlagabtausch in den Alpen eine bittere Lehrstunde erteilt und das Gelbe Trikot in beeindruckender Manier an sich gerissen. Der spanische Kletterkönig stürmte als Erster die Skistation in Verbier hinauf, knöpfte dem schwer mitgenommenen Astana-Kollegen Armstrong 1:35 Minuten ab und stieß damit den Italiener Rinaldo Nocentini vom Thron der 96. Tour de France.

"Ich habe gelitten. Ich war schon am Beginn des Anstiegs fast am Limit und konnte Albertos Antritt einfach nicht folgen. Er ist der beste Fahrer des Feldes", sagte Armstrong. Sein Rivale Contador strahlte im Gelben Trikot über das ganze Gesicht und meinte: "Ich bin so glücklich mit dem Ergebnis. Ich habe das Maximum gegeben."

Damit sorgte Toursieger von 2007 nicht nur für das Glanzlicht auf der 207,5km langen Alpenetappe, sondern womöglich auch auch schon für die Vorentscheidung in der Gesamtwertung. Zuvor hatte die Tour mit dem tragischen Tod einer Zuschauerin und dem Luftgewehr-Angriff eines Heckenschützen ein schwarzes Wochenende erlebt.

Tony Martin muss Weißes Trikot abgeben

Die Entscheidung fiel 5,7km vor dem Ziel, als Contador eine seiner gefürchteten Attacken setzte und alle Favoriten quasi stehen ließ. Armstrong hatte nicht den Hauch einer Chance zu kontern und hatte schon einen Kilometer später einen Rückstand von über einer halben Minute. Am Ende wurde er nur Neunter. Den zweiten Platz hinter Contador sicherte sich der Luxemburger Andy Schleck mit einem Rückstand von 42 Sekunden, gefolgt vom Italiener Vincenzo Nibali. Andreas Klöden landete als bester Deutscher auf Platz acht.

In der Gesamtwertung liegt Contador nun 1:37 Minuten vor Armstrong und 1:46 vor Bradley Wiggins (Großbritannien). Der deutsche Youngster Tony Martin konnte das Tempo der Favoriten ebenfalls nicht mitgehen und verlor das Weiße Trikot des besten Nachwuchsprofis an den Luxemburger Andy Schleck. Einen Tag zuvor, als der russische Amstel-Sieger Sergej Iwanow die Etappe nach Besancon gewann, hatte Martin sein Weißes Trikot noch mit Kämpferherz erfolgreich verteidigt.

Ewiges Belauern hat ein Ende

"Runter mit den Masken", forderte die französische Sporttageszeitung L'Equipe am Sonntagmorgen, nachdem sich die Favoriten zwei Wochen lang fast nur belauert hatten. So lief es zunächst auch bis zum 8,8km langen und durchschnittlich 7,5 Prozent steilen Schlussanstieg nach Verbier hinauf. Einträchtig fuhren die Favoriten Seite an Seite über vier Bergwertungen der dritten und einer der zweiten Kategorie.

Stattdessen hatte eine zehnköpfige Spitzengruppe lange Zeit das Geschehen bestimmt und zwischenzeitlich einen Vorsprung von über vier Minuten herausgefahren. Dazu gehörte auch der Schweizer Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara, der sieben Tage das Gelbe Trikot getragen hatte. Zu der Zeit hatte die "Tour der Leiden" für Kokainsünder Tom Boonen bereits ein Ende. Der belgische Sprintstar, der sich einen Tag vor dem Tour-Beginn ins Starterfeld geklagt hatte, trat am Sonntag wegen einer Magen-Darm-Grippe erst gar nicht mehr an. Boonen hatte die ganze Tour über Pech mit Stürzen, Defekten und gesundheitlichen Problemen.

Bevor der Schlagabtausch in den Alpen weitergeht, legt die Tour am Montag einen Ruhetag ein. Am Dienstag folgt die 16. Etappe über 159km von Martigny nach Bourg-Saint-Maurice. Dabei sind unter anderem der Große und der Kleine St. Bernard-Pass zu bewältigen.

© SID

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