Radsport Tour de France
Der "Gruppetto" als prominentes Sammelbecken

Von den Siegern am Berg bekommen sie erst später mit - im "Gruppetto" finden sich die Fahrer wieder, die ihre Kraft im Sprint oder in Hilfsarbeiten für ihre Kapitäne verausgabt haben. Sie fahren ihre eigenen Bergetappen.

Sobald sich die großen Berge der Tour vor den Fahrern aufbauen, schlägt die Stunde der Spezialisten - und das Feld teilt sich in mindestens zwei Gruppen. Während vorn der Kampf um das Gelbe Trikot entbrennt, fährt hinten das "Gruppetto" sein eigenes Rennen. Je schwerer die Etappe ist, umso größer wird die Nachhut, bis sie am Ende das eigentliche "Hauptfeld" bildet.

Den Kern des Gruppettos stellen die Sprinter, die mit ihren dicken Oberschenkeln einfach nicht dafür geschaffen sind, mit den "Bergziegen" mitzuhalten. Zu ihnen stoßen nach und nach die "Wasserträger", die ihre Arbeit getan haben, durch Verletzungen gebeutelte Fahrer oder eingebrochene Favoriten. So wie am Sonntag Alexander Winokurow, der fast eine halbe Stunde verlor.

Ausschluss bei überschrittener Karenzzeit

Nur wenig später rollte das eigentliche Gruppetto über die Ziellinie, mit angeführt von Erik Zabel und Tom Boonen, dem Mann in Grün. Immer häufiger übernimmt inzwischen der 37-jährige Milram-Kapitän Zabel die Regie unter den Nachzüglern. Er ist einer der Spezialisten, wenn es darum geht, die Karenzzeit nicht zu überschreiten. Je nach Schwere der Strecke liegt sie bei etwa 15 Prozent, was auf einer Etappe im Hochgebirge rund 45 bis 50 Minuten sind, die man nicht langsamer sein darf als der Sieger.

Vor zwei Jahren wurde Jens Voigt prominentes Opfer dieser Regel. Der Mecklenburger, der am Vortag noch das Gelbe Trikot getragen hatte, war durch Krankheit so geschwächt, dass er in Briancon 46:43 Minuten Rückstand hatte - 41 Sekunden zuviel. Die "Große Schleife" war für ihn zu Ende. In diesem Jahr war der australische Sprinter Robbie Mcewen der bislang bekannteste Name, den das traurige Schicksal traf.

"Nicht so stressig"

Das Gruppetto ist eine Solidargemeinschaft. "Man hält zusammen, hilft sich mit Getränken aus und macht sich gegenseitig Mut", berichtet Zabel. Er empfindet die Bergetappen als viel entspannter als die Tage, wenn es um Sprintpunkte geht: "Weit hinter der Spitze ist es lange nicht so stressig wie im Flachen, wo ich ständig hoch konzentriert sein muss." Manchmal allerdings wird seine Geduld im Gruppetto überstrapaziert: "Wenn mir die Truppe zu langsam ist, es mir zu eng wird, dann lege ich lieber einen kleinen Zahn zu und nehme das Risiko einer Alleinfahrt auf mich." Manchmal aber lassen die Tour-Verantwortlichen auch Gnade vor Recht walten, meist im eigenen Interesse. So wie in den Alpen, als 81 Fahrer die Karenzzeit überschritten. Das war das halbe Fahrerfeld, das wollte man natürlich nicht verlieren.

Wenn die Nachzügler endlich eintreffen, sind die Siegerehrungen längst gelaufen. Nur eine in der Regel nicht. Auch in den Pyrenäen muss man wieder lange warten, bis der Belgier Boonen als Träger des Grünen Trikots aufs Podium klettern kann.

© SID

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