Radsport Tour de France
El Pais: Rätselraten über "Jan" und "Rudis Sohn"

Die Tageszeitung "El Pais" hat Jan Ullrich erneut in die Nähe des spanischen Dopingskandals gerückt. Ullrich hatte entschieden jede Verbindung zum im Mittelpunkt der Affäre stehenden Arzt Eufemiano Fuentes dementiert.

In der spanischen Dopingaffäre brodelt wenige Tage vor dem Start zur Tour de France die Gerüchteküche auch um Jan Ullrich weiter. Laut der Tageszeitung "El Pais" tauchen in den von der Guardia Civil am 23. Mai bei der "Operacion Puerto" beschlagnahmten Unterlagen auch mehrmals die Codes "Jan" und "Hijo Rudicio" (Rudis Sohn) auf. Letztere Bezeichnung weist nach Spekulationen des Blattes auf Rudy Pevenage hin, den langjährigen persönlichen Betreuer Ullrichs und jetzigen sportlichen Leiter bei T-Mobile. "Die Lage ist ernst, denn die Vorwürfe sind sehr ernst", bekannte T-Mobile-Teamsprecher Christian Frommert gegenüber dem sid.

El Pais zitiert unter anderem "Stimmen aus dem Peloton", nach denen der ebenfalls verdächtigte spanische Magenta-Profi Oscar Sevilla gesagt hätte: "Wenn sie mich fangen, hängt auch Ullrich im Netz." Laut Frommert habe jedoch der Kapitän am Montag auf erneute Befragung nochmals seine Aussage vom 25. Mai bekräftigt, wonach er "nichts mit dieser Sache zu tun" habe.

"Die Telefone laufen heiß. Wir setzen alle Hebel in Bewegung, um an harte Fakten zu kommen", sagte der Teamsprecher. Am 25. Mai hatte der Radiosender Cadena Ser erstmals den Namen des Toursiegers von 1997 sowie seines Teamkollegen Sevilla ins Spiel und damit die Gerüchteküche zum Brodeln gebracht.

Die Papiere sollen laut El Pais unter dem Stichwort "Jan" den Kauf von Dopingmitteln für 1 900 Euro belegen. Die Beweismittel seien nicht bei Eufemiano Fuentes gefunden worden, dem im Mittelpunkt der Verdächtigungen stehenden Arzt, sondern bei Jose Luis Merino, dem Chef eines Analyselabors. Der Klinikleiter war bei der Razzia wie Fuentes und der sportliche Leiter Manolo Saiz (vormals Liberty Seguros) festgenommen und nur gegen 120 000 Euro Kaution wieder freigelassen worden.

Wie El Pais berichtet, soll im Merino-Labor auch ein mit "Jan" und Datum 26. Juni 2004 (eine Woche vor Tour-Beginn) beschrifteter Blutbeutel gefunden worden sein. Eine Verbindung zwischen Pevenage und Merino würde Ullrichs Dementi ("Ich kenne Fuentes überhaupt nicht") relativieren und den Belgier ins Zentrum des Geschehens rücken.

Vorerst liegt T-Mobile nur von allen Profis eine schriftliche Erklärung vor, dass sie nicht in die Dopingszene verwickelt sind. Pevenage wurde laut Frommert dazu nicht befragt: "Denn letztlich geht es um die Fahrer, von denen jeder selbst für sich voll verantwortlich ist." Niemand könne sich hinter einem Betreuer verstecken.

"Wir sehen uns seit Wochen mit Vermutungen konfrontiert"

Bislang habe man alle Informationen nur über Medien erhalten, stellte der Teamsprecher fest: "Wir sehen uns seit Wochen mit Vermutungen konfrontiert. Nach der neuen Entwicklung versuchen wir, mit allem Nachdruck an Fakten zu kommen, denn allein darauf können wir reagieren."

Man habe die spanischen Behörden und die Tour-Organisation am Montag um Aufklärung gebeten: "Wir stellen uns mit kühlem Kopf, aber sehr professionell und betont offensiv der Lage." Man werde es nicht an der sofortigen Konsequenz fehlen lassen, falls sich herausstellen sollte, dass ein Teammitglied "eine Erklärung abgegeben hat, die nicht der Wahrheit entspricht."

Bislang hatten derartige Vermutungen sich vor allem auf Sevilla konzentriert, der ebenfalls zum Touraufgebot der Bonner gehört. Er war beim Betreten der Fuentes-Klinik fotografiert worden, hatte aber behauptet, einen anderen Arzt zum Leistungstest aufgesucht zu haben.

Der 32-jährige Ullrich hatte auf den Start bei den deutschen Meisterschaften am Wochenende in Klingenthal verzichtet, um sich mit Pevenage in seinem Schweizer Domizil Scherzingen ungestört auf die Tour vorzubereiten. Am Mittwoch soll die Anreise nach Straßburg erfolgen, wo am Samstag die 93. Tour mit dem Prolog beginnt.

© SID

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