Radsport Tour de France
"Fall Rasmussen" erhitzt die Gemüter

Michael Rasmussen spaltet die Meinungen im Fahrerfeld. Einige Aktive plädieren für einen Ausschluss des Dänen, der unter Manipulationsverdacht steht. Alexander Winokurow stellt sich indes auf die Seite von Rasmussen.

Das Fahrerfeld bei der 94. Auflage der Tour de France ist sich nicht einig. Während eine Reihe von Aktiven den Ausschluss des unter Manipulations-Verdacht geratenen Radprofis forderten, plädierten andere für einen Verbleib des dänischen Rabobank-Fahrers im Rennen.

Ungeachtet der zunehmenden Kritik ging Rasmussen am Sonntag als Träger des Gelben Trikots auf die 14. Etappe von Mazamet zur Bergankunft auf dem Plateau de Beille. Hintergrund ist die laxe Einstellung des zweimaligen Tour-Bergkönigs (2005/2 006) bei seiner Meldepflicht gegenüber der Internationalen Radsport-Union (UCI). Dort hatte Rasmussen mehrfach keine oder falsche Angaben zu seinen Aufenthaltsorten gemacht - für viele ein möglicher Hinweis auf Verschleierung von Doping-Praktiken.

Andere Teamchefs sehen im Festhalten der Rabobank-Mannschaft an Rasmussen einen klaren Verstoß gegen den Ethikcode der Profiteams. "Wenn Rabobank die Informationen vor der Tour hatte, ist das ein schulmäßiges Beispiel, das unter unseren Ethikcode fällt. Dann hätte man präventive Maßnahmen ergreifen müssen", sagt Roger Legeay vom französischen Credit-Agricole-Rennstall. Auch sein Cofidis-Kollege Eric Boyer forderte Rasmussens Arbeitgeber auf, "Verantwortung zu übernehmen".

Rabobank sieht keinen Handlungsbedarf

Rabobank-Teamchef Theo de Rooy sieht dagegen keinen Handlungsbedarf. Eine Suspendierung des Fahrers sei "kein Thema", meint der Niederländer. Und auch die Vorwürfe eines ehemaligen Mountainbike-Kollegen Rasmussens, dieser habe ihn 2002 als Kurier für den Transport von Infusionsbeuteln mit Blutersatz missbraucht, scheinen den von einer Großbank gesponsorten Rennstall nicht zu interessieren. "Das kommt aus einer Zeit, als Michael noch nicht für uns gefahren ist, was sollen wir da machen?", fragt Rabobanks sportlicher Leiter Erik Breuking.

Astana-Kapitän Alexander Winokurow schlug sich nach seinem Triumph im Zeitfahren von Albi am Samstag auf die Seite des verdächtigten Kollegen. "Ich finde die Entscheidung der Tour richtig, ihn im Rennen zu lassen", so der Kasache. Auch sein sportlicher Leiter Mario Kummer wollte dem nicht widersprechen: "Die ganze Sache ist Angelegenheit der Organisatoren, da mischen wir uns nicht ein."

Zum ohnehin seit Jahren schwelenden Streit zwischen Tour-Veranstaltern und UCI trägt der Fall Rasmussen zusätzlich verschärfend bei. Tourdirektor Christian Prudhomme wirft dem Weltverband jedenfalls vor, die Informationen nicht rechtzeitig bekanntgegeben zu haben. "Sonst hätten wir möglicherweise reagieren können", so der Franzose. UCI-Präsident Pat Mcquaid erhielt deshalb auch einen bitterbösen Anruf von Prudhomme, "in dem er mich nicht einmal hat zu Wort kommen lassen", berichtet der Ire.

Allerdings sieht sich auch die UCI derzeit nicht zum Handeln gezwungen. Obwohl neben zwei Verwarnungen vom Weltverband offenbar zwei weitere seitens des dänischen Verbandes DCU gegen Rasmussen vorliegen, ist eine Sperre, die üblicherweise bei drei Verwarnungen auszusprechen wäre, momentan kein Thema.

© SID

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