Radsport Tour de France
Gerdemann-Auftritte verbessern Einschaltquoten

Radprofi Linus Gerdemann hat die Laune bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten erheblich verbessert. Der 24-Jährige ließ durch seine starken Tour-Leistungen die Einschaltquoten bei ARD/ZDF in die Höhe schießen.

Die überragenden Leistungen des deutschen Radprofis Linus Gerdemann bei der Tour de France haben sich auch auf die Einschaltquoten der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten positiv ausgewirkt. Der Husarenritt des 24-Jährigen über den Col de la Colombiere am Samstag und der aufopferungsvolle Kampf um das Gelbe Trikot am Tag darauf bescherten ARD/ZDF Marktanteile von über 20 Prozent. Bei der ersten Etappe am Sonntag zuvor hatte es lediglich zum Marktanteil von sechs Prozent gereicht.

Programmmacher sehen sich bestätigt

Nun sehen sich die Programmmacher in ihrem vermehrt auf die Dopingproblematik zielenden Konzept bestätigt. "Die Linie, die wir fahren, ist die völlig Richtige", betont Peter Kaadtmann, Koordinator der Tour-Übertragung von ARD und ZDF.

Im bisherigen Verlauf fiel der Marktanteil des ZDF gegenüber dem Vorjahr mit 11,6 Prozent nur leicht ab (2006: 12,96 Prozent), während die ARD sogar einen Anstieg auf 14,3 Prozent (13,35) verzeichnen konnte. Gerdemanns vergeblichen Kampf um das Gelbe Trikot verfolgten im Ersten durchschnittlich 2,44 Millionen, die Zielankunft in Tignes sahen sogar 4,02 Millionen, was einem Marktanteil von 29,5 Prozent entsprach.

Dabei kommt den Sendern auch entgegen, dass ein junger Fahrer wie Gerdemann sogar selbst auf das Doping-Thema einging. "Diese Offenheit ist nicht nur für uns als TV-Anstalt, sondern auch für die Glaubwürdigkeit des Radsports beim Zuschauer wichtig", meint Kaadtmann.

"Mussten anfangs noch die Balance finden"

Denn die Akzeptanz der Zuschauer gegenüber einer ausführlichen Problem-Behandlung hat sich deutlich gewandelt. Hagelte es zu Beginn massenhaft Beschwerden wegen "übertriebener Doping-Erwähnungen", kommen nun Lob und konkrete Fragen zu der Leistungsfähigkeit der Sportler. "Wir mussten anfangs noch die Balance finden zwischen der Doping- und Rennberichterstattung. Das ist uns gelungen. Das Konzept geht auf", sagt Rolf-Dieter Ganz vom ARD-Tourteam.

Auch auf den ARD-Auftritt des geständigen Dopingsünders Jörg Jaksche bei der zweiten Etappe nach Gent reagierten die Zuschauer größtenteils positiv. Dass der Franke gegen Ende seines Auftritts allerdings auch zum sportlichen Geschehen befragt wurde, stieß durchweg auf Ablehnung.

Dass Zuschauer aufgrund des neuen Konzepts zu anderen Sendern abwandern würden, hatten die Planer durchaus einkalkuliert. "Wenn es ein paar Zuschauer weniger sind, ist das natürlich bitter. Aber wir werden sie langfristig mit unserem neuen Konzept zurückerobern", sagt Kaadtmann.

Eurosport verdoppelt Quoten

Der Privatsender Eurosport, der auf eigene Beiträge zum Thema Doping weitgehend verzichtet, konnte seine Quoten im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppeln. Durchschnittlich 264 000 Zuschauer schalteten sich bisher Übertragungen ein. Aber auch Eurosport hatte kurz vor Beginn der Tour auf die Dopinggeständnisse früherer Telekom-Fahrer reagiert und deshalb auf Ex-Profi Jens Heppner als Experten verzichtet, der von 1992 bis 2002 beim Bonner Rennstall aktiv war.

Den gleichen Schritt vollzogen auch die öffentlich-rechtlichen Anstalten. ARD und ZDF verständigten sich darauf, keine Profis aus der "belasteten Zeit" mehr zu beschäftigen. Dabei stieß besonders der Verzicht der ARD auf den früheren Sprinter Marcel Wüst bei vielen Zuschauern auf Unverständnis. Laut Ganz sei der Beschluss jedoch nicht in Stein gemeißelt, eine Rückkehr von Wüst sei nicht ausgeschlossen.

© SID

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