Radsport Tour de France
"Große Schleife" startet von Brest Richtung Paris

Heute startet die 95. Tour de France, die über 3 559,5km von Brest nach Paris führt. In den Pyrenäen geht es über den Tourmalet, in den Alpen wartet der Aufstieg nach Alpe d'Huez.

Die Doping-Vergangenheit ist noch längst nicht bewältigt und die Runderneuerung hat gerade erst begonnen: Wenn heute in der Bretagne der Startschuss zur 95. Tour de France fällt, steht der Radsport mehr denn je auf dem Prüfstand. Die Skandale der vergangenen zwei Jahre haben das Image der Rundfahrt enorm beschädigt - aber auch den Anti-Doping-Kampf forciert. Wo es sonst ausschließlich um sportliche Erfolge ging, steht diesmal vor allem die Glaubwürdigkeit der Branche auf dem Spiel.

Zuversicht gewachsen

Doch die Zuversicht ist nach dem tiefen Fall der Vorjahre zuletzt wieder gewachsen. "Zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich wieder Lust, mir die Tour anzusehen", sagt der frühere Tour-Organisator und heutige Anti-Doping-Kämpfer Daniel Baal. Der langjährige Präsident des französischen Radsport-Verbandes sieht Anzeichen für ein Umdenken: "Das Doping-Problem ist sicher noch nicht behoben, aber ich registriere viele Fortschritte."

So soll mit der dreiwöchigen Rundfahrt über 21 Etappen und 3 559,5km von Brest nach Paris die Suche nach neuen Helden beginnen und unter verschärfter Kontrolle der französischen Anti-Doping-Agentur Afld alles für einen "sauberen" Wettkampf getan werden. Für viele junge Fahrer ist ein möglichst glaubwürdiges Rennen ohnehin die einzige Chance auf eine sichere Zukunft als Radprofi, nachdem viele Sponsoren dem Sport bereits den Rücken gekehrt haben oder bei weiteren Skandalen abzuspringen drohen.

So hat das Team Gerolsteiner auch nach neun Monaten intensiver Bemühungen noch immer keinen neuen Hauptsponsor gefunden, der zu Saisonende die Nachfolge des Mineralwasserkonzerns aus der Eifel übernehmen will. Die Entscheidung über eine eventuelle Auflösung des Profirennstalls soll aber erst Ende Juli nach der Tour fallen.

16 Deutsche am Start

Dort gehören 16 Deutsche unter den 180 Fahrern zumindest teilweise zu den neuen Hoffnungsträgern. Das Gros fährt in den beiden deutschen Teams Gerolsteiner (8) und Milram (5). Einer, der noch aus dem "alten" Radsport stammt, ist Milram-Kapitän Erik Zabel, der mit seinem Doping-Geständnis im vergangenen Jahr die Krise des deutschen Radsports mit verstärkt hat und seine 14. Große Schleife bestreitet - soviele wie kein anderer Deutscher.

Zu den Tour-Debütanten zählt der frühere U23-Weltmeister Gerald Ciolek (Pulheim), der ebenso wie der Zschopauer Markus Burghardt für den T-Mobile-Nachfolger Columbia/High Road (US-Lizenz) ins Rennen geht. Sie stehen für die neue Generation, ebenso wie ihr Teamkollege Linus Gerdemann, der allerdings seinen Start schon vor Wochen nach einer schweren Sturzverletzung am Bein absagen musste. Der Westfale hatte mit seinem Etappensieg im vergangenen Jahr für eines der wenigen positiven Highlights aus deutscher Sicht gesorgt.

Glanzpunkte möchte auch Gerolsteiner setzen, um vielleicht doch noch einen potenziellen Hauptsponsor zu überzeugen. Der Rennstall von Hans-Michael Holczer ist laut Sportdirektor Christan Henn für alle Etappen gewappnet: "Robert Förster kann bei den Sprints mitmischen, Stefan Schumacher und unser deutscher Meister Fabian Wegmann sind für einen Sieg bei mittelschweren Etappen gut. Unser Österreicher Bernhard Kohl soll im Hochgebirge punkten, Sebastian Lang bei den Zeitfahren. Und Markus Fothen halte ich für stark genug, im Klassement vorne zu fahren."

"Oldie" Zabel einmal mehr Hoffnungsträger

Bei Milram setzt man neben einigen Talenten einmal mehr auf Zabel, der in seiner langen Karriere bei der Tour insgesamt 52 Mal auf dem Podest stand, als Sieger von zwölf Etappen oder Träger von Gelb oder Grün. Team-Manager Gerry van Gerven: "Erik ist noch lange nicht am Ende. Er kann noch sprinten und durchaus eine Etappe gewinnen." Der letzte Tagessieg datiert von 2002, aber im Vorjahr war Zabel noch je zweimal Zweiter und Dritter. Am 7. Juli wird der Mann aus Unna 38.

Ein Podiums-Anwärter in der Gesamtwertung ist unter den deutschen Fahrern allerdings nicht auszumachen. Als Favoriten für Gelb gelten der australische Vorjahreszweite Cadel Evans (Silence-Lotto), der zweimalige WM-Zweite Alejandro Valverde (Spanien/Caisse d'Epargne), der frühere Girosieger Damiano Cunego (Italien/Lampre) sowie der diesjährige Giro-Zweite Riccardo Ricco (Italien/Saunier Duval).

Während die Astana-Mannschaft um Vorjahressieger Alberto Contador (Spanien) sowie den zweimaligen Tour-Zweiten Andreas Klöden von den ASO-Organisatoren ausgeladen wurde, ist in Oscar Pereiro (Spanien/Caisse d'Epargne) zumindest ein ehemaliger Toursieger am Start. Der Edelhelfer von Valverde wird seit dieser Woche endgültig als Sieger der Rundfahrt 2006 geführt, nachdem der Oberste Sportschiedsgerichtshof CAS dem US-Amerikaner Floyd Landis seinen damaligen Erfolg in letzter Instanz aberkannt hat.

Pyrenäen verlangen am Tourmalet alles ab

Zu Beginn der Großen Schleife kommen traditionell die Sprinter zu ihrem Recht. Fünf Flachetappen sowie ein Zeitfahren stehen auf dem Programm, ehe im Zentralmassiv die erste von vier Bergankünften auf die Fahrer wartet (6. Etappe). In den danach folgenden Pyrenäen sticht vor allem das 10. Teilstück am französischen Nationalfeiertag (14. Juli) heraus, das den Tourmalet-Pass (2115m) als eines der Tour-Monumente sowie die schwere Zielankunft im 1520m hohen Hautacam aufweist.

Die Entscheidung dürfte allerdings erst in der letzten Woche in den Alpen fallen, wenn die Bergankünfte im italienischen Prato Nevoso (15. Etappe) sowie auf der Königsetappe nach L'Alpe d'Huez (17.) anstehen. Ein letztes Kräftemessen der Favoriten ist beim Zeitfahren der 20. Etappe (Cerilly-St. Amand Montrond) zu erwarten, ehe der abschließende Sieg auf den Pariser Champs Elysees wohl wieder einem Sprinter vorbehalten ist.

© SID

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