Radsport Tour de France
Holczer: "Die Karten liegen offen auf dem Tisch"

Vor dem Start der Tour de France ist die Zukunft des Radrennstalls Gerolsteiner ungewiss. Im aktuellen Interview spricht Teamchef Hans-Michael Holczer über die aktuelle Situation.

Trotz intensiver Bemühungen seit letztem September hat Hans-Michael Holczer noch keinen neuen Hauptsponsor für seinen Radrennstall gefunden, nachdem Mineralwasserproduzent Gerolsteiner ankündigte, das 1999 begonnene Engagement Ende 2008 zu beenden. Obwohl Holczer keine konkrete Summe nennen will, dürfte es um etwa sieben Mill. Euro pro Jahr gehen. Im aktuellen Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) spricht Holczer über die Situation.

sid: "Mit welchen Gefühlen fahren Sie nach Brest, wo am Samstag die 95. Tour beginnt?"

Hans-Michael Holczer: "Ich bin in gewisser Weise erleichtert. Die Karten liegen offen auf dem Tisch. Unternehmen, die weiter interessiert sind, wissen, dass eine Entscheidung bis Ende Juli gefallen sein muss."

sid: "Woran sind die Verhandlungen bisher gescheitert?"

Holczer: "Für junge Unternehmen, die in erster Linie dafür in Frage kommen, geht es doch um eine beträchtliche Investition, denn wir brauchen einen Abschluss für zwei, drei Jahre."

sid: "Es geht um zehn Mill. Euro pro Jahr?"

Holczer: "Es ist deutlich weniger, weil wir ja noch eine Reihe von Co-Sponsoren und Ausrüster zur Abdeckung des Etats haben."

sid: "Sie haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben?"

Holczer: "Nein, denn alle Marketing-Experten bestätigen mir, dass ein Engagement im Straßenradsport für Firmen eine Chance wie sonst nirgendwo bietet, innerhalb kurzer Zeit einer Marke einen hohen Bekanntheitsgrad zu verschaffen. Besonders die Tour de France ist eine Plattform ohnegleichen."

sid: "Aber der Radsport hat durch zahlreiche Dopingskandale ein schlechtes Image ..."

Holczer: "Ja, wenn man es nicht differenziert betrachtet. Es gibt aber gute Argumente, das Team Holczer anders zu bewerten, als sauberes Erfolgsmodell mit sehr guter Perspektive. Wir sind eine solide gewachsene Firma mit 60 Arbeitsplätzen, darunter 25 Fahrer, dazu mit einem gesunden Unterbau an jungen Talenten aus der Region."

sid: "Was würde aus Ihnen persönlich?"

Holczer: "Das interessiert im Moment mehr meine Frau als mich. Ich könnte in ihr Radgeschäft einsteigen oder bis Sommer 2009 in den Schuldienst zurück (Lehrer für Geschichte und Mathematik, d.Red.), ich könnte auch im Radsport bleiben, wo ich ja kein so Unbekannter bin. Aber ich wäre schon sehr betroffen, wenn das mit dem Team zuende geht."

© SID

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