Radsport Tour de France
Landis lacht am Ende als Toursieger in Gelb

"Ich werde alles dafür tun, zurückzukommen - vielleicht schon im nächsten Jahr, vielleicht später", erklärte Floyd Landis nach seinem größten sportlichen Erfolg. Dem Toursieger 2006 steht nun eine Hüftoperation bevor.

Nach seinem größten sportlichen Erfolg hat Floyd Landis schon den nächsten Kampf vor Augen: "Ich werde alles dafür tun, zurückzukommen - vielleicht schon im nächsten Jahr, vielleicht später", erklärte der Amerikaner, nachdem sein erster Toursieg feststand.

Hüft-OP vor Augen

Eine Hüftoperation, die dem 30-Jährigen in den kommenden Wochen bevorsteht, könnte das verhindern. Im schlimmsten Fall wäre die Karriere des Phonak-Kapitäns nach der Einsetzung eines künstlichen Hüftgelenks beendet. "Jetzt, da ich die Tour gewonnen haben, sehe ich die Sache aber etwas entspannter", sagte Landis dazu sichtlich bewegt.

Wegen degenerativer Veränderungen am Knochen nach einem Hüft-Bruch 2003 ist der Eingriff inzwischen unvermeidbar geworden: "Knochen reiben auf Knochen, das ist eine schmerzhafte Sache. Wenn ich nicht Radprofi wäre, hätte ich das schon vor zwei Jahren machen lassen." Wegen der ständigen Beschwerden durfte er bei der Tour mit einer Ausnahmegenehmigung sogar Cortison verwenden.

Die ungewisse Zukunft schien Landis zu beflügeln, als er nach einem schweren Rückschlag in den Alpen mehr als acht Minuten auf seine direkten Konkurrenten verloren hatte. "Ich war danach ein paar Stunden total am Boden, aber dann habe ich mir gesagt, dass ich weiter kämpfen muss und werde", berichtete der einstige Helfer des siebenmaligen Toursiegers Lance Armstrong.

Kraftakt zurück an die Spitze

Mit seinem Solosieg nach einer 130-km-Flucht am Tag darauf brachte er sich auf eine von niemandem erwartete Weise wieder ins Rennen zurück. Als Dritter des Zeitfahrens am Samstag übernahm er zum dritten Mal das Gelbe Trikot - endgültig. "Es ging ganz schön rauf und runter, für die Fans war das sicher toll - für mich nicht immer", beschrieb er die Achterbahn der Gefühle in den vergangenen drei Wochen.

Willenskraft, Geduld und Selbstbewusstsein brachte er als Voraussetzungen zum Toursieger mit, andere hatte er sich bei Armstrong geholt: "In seinem Team habe ich gelernt, wie man die Tour gewinnt. Dass man alles auf das eine Ziel konzentrieren muss, um erfolgreich zu sein. Das tun andere nicht, und das ist ihr Nachteil."

In der Jugend "nur Arbeit und Kirche"

Doch in dem komplett auf Armstrong ausgerichteten Team konnte er sich nicht voll entfalten und wechselte deshalb 2005 zu Phonak. "Ich passte nicht mehr in das System", begründete er den Abschied. Jahre zuvor war er schon einmal seinen eigenen Weg gegangen. Vater und Mutter, die der tief religiösen Gemeinschaft der Mennoniten angehören, erzogen ihn und seine fünf Geschwister streng nach den Regeln ihres Glaubens. "Es gab nur Arbeit und die Kirche", erinnert sich Landis an seine Jugend in Lancaster County.

Als das Radfahren für ihn immer mehr zur Passion wurde, reagierten die Eltern mit Ablehnung. Und als sein Vater versuchte, das Hobby des Sohnes zu unterbinden, trainierte er eben nachts. "Für sie war Profisport keine würdige Art, seinen Lebensunterhalt zu verdienen", sagt Landis, der deshalb mit 16 Jahren sein Elternhaus verließ, um als Mountainbiker an der US-Westküste Karriere zu machen.

Inzwischen habe seine Eltern ihren Frieden mit dem Profisport geschlossen. Sohn Floyd hat es ihnen leicht gemacht, denn er ist trotz aller Erfolge bodenständig geblieben. Das soll auch so bleiben. "Ich hoffe, dass sich mein Leben nicht ändert, denn ich bin sehr zufrieden damit, wie es jetzt ist." Zum kompletten Glück fehlt ihm nur noch eine erfolgreiche OP, damit er seine Karriere auch fortsetzen kann.

© SID

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