Radsport Tour de France
"Le Grand Depart" im Fürstentum

Die Tour de France startet heute mit einem 15,5km langen Prolog im Fürstentum Monaco. Mit dabei sind auch die Astana-Profis Lance Armstrong und Alberto Contador.

Der Champagner auf den Luxusschiffen ist kalt gestellt, die Millionäre haben ihre Balkone hergerichtet, und das Starterfeld ist nach dem juristischen Triumph von Kokainsünder Tom Boonen komplett: Das Fürstentum Monaco ist für "Le Grand Depart" der 96. Tour de France gerüstet. Nach tagelangen Diskussionen über neue Dopingskandale und juristische Spitzfindigkeiten drehen sich ab Samstag erst einmal wieder die Räder. Auf dem Programm steht das 15,5km lange Auftaktzeitfahren auf dem Formel-1-Kurs.

Im Mittelpunkt steht Lance Armstrong, der nach 1 441 Tagen sein Tour-Comeback gibt. Wo der siebenmalige Toursieger auftaucht, bricht schlagartig ein Blitzlichtgewitter los. Der Texaner bestimmt wie ein Showstar die Schlagzeilen. Sportlich muss er seine Tauglichkeit in den kommenden drei Wochen und auf den 3 459,5km bis nach Paris erst noch beweisen.

Armstrong: "Wir haben mehr erreicht als erwartet"

"Aus Sicht der Stiftung (Krebsstiftung Livestrong, d. Red.) habe ich bereits gewonnen. Wir haben mehr erreicht als erwartet. Auch aus sportlicher Sicht war meine Rückkehr ein Erfolg, auch wenn ich am Ende weder den Giro noch die Tour gewonnen haben sollte", sagte Armstrong der französischen Sporttageszeitung L'Equipe.

Die Experten sind sich uneinig über den Leistungsstand des Rückkehrers. Armstrong selbst wäre über eine Platzierung in den Top drei oder Top fünf bereits glücklich, der fünfmalige Toursieger Bernard Hinault hofft derweil, dass ihm Alberto Contador "eine verpassen wird".

Die ersten 15,5km dürften bereits einen ersten Hinweis auf die Leistungsstärke der Favoriten geben. "In Monaco kann noch keiner die Tour gewinnen, wohl aber verlieren. Das wird ein aufregendes Zeitfahren werden", prophezeit Tour-Chef Christian Prudhomme.

Bevor der Sport im Mittelpunkt stand, musste Prudhomme aber erstmal eine schwere juristische Schlappe verdauen. Das Sportgericht des Nationalen Olympischen Komitees von Frankreich Cnosf gab dem Einspruch des Belgiers Boonen gegen seine Tour-Ausladung statt. Nachdem der Sprintstar im April zum dritten Mal Kokain-Konsum nachgewiesen worden war, hatte die ASO den Quick-Step-Fahrer ausgeladen. Zu einer Dopingsperre war es zuvor nicht gekommen, da es sich um keine Wettkampfkontrollen gehandelt hatte.

Grabsch: "Da habe ich keine Chance"

Boonen dürfte im Kampf gegen die Uhr noch nicht in Erscheinung treten. Dafür ist der Kurs, der in der ersten Hälfte vom Yachthafen bis auf 200 Meter Höhe ansteigt, zu schwer. Das gilt wohl auch für Zeitfahr-Weltmeister Bert Grabsch: "Da habe ich keine Chance. Auf diesem Parcours kann man schnell eine Minute verlieren."

Nach dem Anstieg bis zur Hälfte des Rennens steht eine rasende Abfahrt durch die engen Gassen des Fürstentums an. Das könnte durchaus dem neuen deutschen Hoffnungsträger Tony Martin entgegenkommen. "Von Platz fünf bis 15 ist wohl alles drin", sagt der Eschborner und träumt ein wenig vom Weißen Trikot des besten Nachwuchsprofis: "Ich würde es gerne mal tragen." Die Chancen stehen gut, sein größter Rivale Andy Schleck gehört im Kampf gegen die Uhr nicht zu den Spezialisten."

Martin hatte jüngst bei der Tour de Suisse mit seinem Etappensieg bei der Bergankunft in Crans Montana, seinem zweiten Gesamtrang und dem Gewinn des Bergtrikots für Furore gesorgt. Bei der Tour will er aber eigene Ansprüche zurückstellen. "Ich bin da, um unseren Kapitänen zu helfen", sagt der 24-Jährige und lehnt Vergleiche mit Ullrich ab: "Das ehrt mich zwar, aber Jan ist in seiner Entwicklung schon viel weiter gewesen. Ich will meine eigene Geschichte schreiben."

Martin sieht beim Auftaktzeitfahren Alberto Contador in der Favoritenrolle. Da hat in erster Linie Saxo Bank mit Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara etwas dagegen. "Wir wollen mit Fabian das Gelbe Trikot holen. Die Chancen sind sehr gut", sagt Teamchef Bjarne Riis.

© SID

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