Radsport Tour de France
Lokalmatador Voeckler siegt auf der fünften Etappe

Thomas Voeckler hat die fünfte Etappe der 96. Tour de France gewonnen. Der Lokalmatador siegte in Perpignan vor Michail Ignatiew (Russland) und Mark Cavendish (Australien).

Lance Armstrong legte bei seinem Angriff auf den Tour-Thron eine Pause ein, stattdessen sorgte Thomas Voeckler für den ersten französischen Sieg bei der 96. Tour de France. Der 30-Jährige vom Team Bouygues Telecom rettete nach 196,5km von Le Cap d'Agde nach Perpignan einen Vorsprung von sieben Sekunden vor dem heranstürmenden Feld ins Ziel. Zweiter wurde der Russe Michail Ignatijew vor dem britischen Star Mark Cavendish. Milram-Sprinter Gerald Ciolek wurde Fünfter.

"Was für ein Tag für mich. Der Sieg ist ein Traum. Ich habe erst 300 Meter vor dem Zielstrich wirklich daran geglaubt", meinte Voeckler. Unzufrieden war dagegen Ciolek, der mit dem Feld nicht mehr herangekommen war: "Erst ein Sturz, dann auch noch ein Defekt - heute ist alles gegen mich gelaufen."

Armstrong brachte einen Tag nach dem Sieg im Mannschaftszeitfahren das Gelbe Trikot des Schweizer Olympiasiegers Fabian Cancellara nicht in Gefahr. Damit trug der Zeitfahr-Spezialist zum fünften Mal in Folge das Gelbe Trikot. Der Rückstand des Amerikaners beträgt weiterhin nur 22 Hundertstelsekunden. Bester Deutscher bleibt Andreas Klöden 23 Sekunden zurück auf Platz vier. Tony Martin (0:52) ist Achter und verteidigte das Weiße Trikot des besten Nachwuchsprofis.

Sprintankunft "drohte"

Lange Zeit lief auf der fünften Etappe alles auf eine Sprintankunft hinaus. Das Peloton unterschätzte bei der Aufholjagd auf die sechs Flüchtlinge, die bereits 15km nach dem Start das Weite gesucht hatten, allerdings den Rückenwind und kam nicht mehr rechtzeitig heran. So kam es nicht zu der erwarteten "One-Man-Show" von Mark Cavendish, der bereits zwei Etappen gewonnen hatte.

"Manxpress" Cavendish baute durch den dritten Platz trotzdem seine Führung im Kampf um das Grüne Trikot mit nun 96 Punkten weiter aus. "Das Grüne Trikot zu gewinnen, wäre ein Traum. Das ist ein Zeichen für Konstanz", meinte der Mann von der Isle of Man, der in den letzten beiden Jahren bei der Tour jeweils aufgegeben hatte.

Die großen Ovationen gehörten aber Voeckler. Der Franzose war bereits nach 15km ausgerissen und hatte 5km vor dem Ziel den entscheidenden Angriff gewagt. Voeckler hatte bereits 2004 für Furore gesorgt, als er zehn Tage im Gelben Trikot gefahren war.

Feld erfolgreich gesprengt

Langeweile kam auch auf der fünften Etappe nicht auf. Nachdem lange Zeit eine sechsköpfige Gruppe mit dem französischen Ausreißerkönig Voeckler das Rennen bestimmt hatte, drückte das Peloton 70km vor dem Ziel bei kräftigem Seitenwind mächtig auf das Tempo. Insbesondere das Saxo-Bank-Team um Cancellara und Armstrongs Astana-Mannschaft setzten das Mannschaftszeitfahren vom Vortag quasi fort und versuchten das Feld zu sprengen, was ihnen auch gelang.

Diesmal waren die Topfavoriten aber auf der Hut. Alberto Contador, Toursieger Carlos Sastre und der Vorjahreszweite Cadel Evans, die auf der dritten Etappe noch bei einer Windkanten-Attacke nicht aufgepasst und 41 Sekunden auf Armstrong verloren hatten, waren diesmal im Vorderfeld vertreten.

Boonen und Gesink verlieren Anschluss

Die großen Leidtragenden waren dabei Sprint-Ass Tom Boonen (Belgien) und der Niederländer Robert Gesink. Ausgerechnet als die Post abging, kam Gesink zu Fall und Kokainsünder Boonen, der erst einen Tag vor dem Tour-Start seine Teilnahme eingeklagt hatte, verlor wegen eines Defekts den Anschluss.

Am Donnerstag wird die Tour auf spanischem Boden fortgesetzt. Auf der sechsten Etappe von Gerona nach Barcelona stehen 181,5km auf dem Programm. Das Ziel liegt dabei auf dem Olympia-Hügel Montjuic. Da die letzten fünf Kilometer ansteigend verlaufen, könnten die Klassikerspezialisten zum Zug kommen.

Große Veränderungen im Gesamtklassement sind aber in der spanischen Metropole nicht zu erwarten. Das dürfte sich einen Tag später ändern bei der Bergankunft in Andorra-Arcalis, wo 1997 Jan Ullrich seinen Grundstein zum Toursieg legte. "Nach der Etappe entsteht eine neue Situation", meinte Armstrong mit Blick auf die interne Teamhierarchie.

© SID

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