Radsport Tour de France
Mcewen siegt bei erster Tour-Etappe

Während Fabian Cancellara den Prolog und Robbie Mcewen die erste Etappe bei der 94. Tour de France gewannen, zeigten auch die deutschen Fahrer gute Leistungen. Mitfavorit Andreas Klöden startete die "Operation Tour-Sieg" allen Doping-Spekulationen um sein Astana-Team zum Trotz vor einem Millionen-Publikum bravourös und Sprint-Ass Robert Förster verpasste einen Tag nach dem Prolog den ersten Etappensieg nur knapp. Die ersten Tagessiege gingen an Australiens Super-Sprinter Mcewen und den Schweizer Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara, der beim Prolog in London als Einziger schneller als Klöden war. Cancellara tritt am Sonntag die Überfahrt nach Frankreich im Gelben Trikot mit 13 Sekunden Vorsprung im Gesamtklassement vor Klöden an.

Mehr als zwei Mill. Fans jubelten den Radstars am Wochenende auf der britischen Insel zu. Auf den 203km von London nach Canterbury waren am Sonntag die Straßen in der Grafschaft Kent von Menschenmassen gesäumt. Den ersten Massensprint des diesjährigen "Großen Schleife" entschied Mcewen im Ziel der ersten Etappe vor dem Norweger Thor Hushovd (Agricole) und Belgiens Ex-Weltmeister Tom Boonen (Quick Step) für sich.

Der Lotto-Kapitän, der im vergangenen Jahr das Grüne Trikot des besten Sprinters gewonnen hatte, zog durch seinen zwölften Etappensieg bei der Tour mit Milram-Kapitän Erik Zabel gleich. Förster landete in Canterbury auf dem sechsten Platz. Zwei Ränge hinter dem "Gerolsteiner" kam der T-Mobile-Rivale Marcus Burghardt an. Zabel kam auf Rang 13 ins Ziel, Cancellara belegte Platz 22 und Klöden Rang 33. Pech hatte T-Mobile-Youngster Mark Cavendish: Der junge Brite kam 20km vor dem Ziel wegen eines Materialschadens zu Fall und verpasste den Anschluss.

Boonen-Zug kam nicht

Die deutsche Sprint-Elite war mit dem Auftakt zufrieden. "Das war nicht schlecht für den Anfang", sagte Burghardt, und auch Förster zog eine positive Bilanz: "Dafür, dass ich bei Rundfahrten normalerweise langsam starte, bin ich mit dem sechsten Platz zufrieden." Nur Zabel hatte etwas mehr erwartet: "Wir haben auf den Zug von Boonen gewartet, aber der kam leider nicht."

Vor heimischem Publikum bot David Millar den Fans eine Gala-Vorstellung. Der Schotte setzte sich 10km nach dem Start am Nullmeridian im Londoner Stadtteil Greenwich mit Milram-Nachrücker Andrej Griwko (Ukraine) am Hinterrad vom Peloton ab und fuhr rund 150km an der Spitze des Feldes.

Erst 45km vor dem Ziel wurde der Saunier-Profi wieder eingefangen. Als Lohn für die Führungsarbeit durfte er aber als erster "Berg-König" der Tour 2007 am Sonntag aufs Podest steigen.

Beim Kampf gegen die Uhr über 7,9km in der Londoner Innenstadt lag Klöden am Samstag lange auf dem ersten Platz, ehe Cancellara als Drittletzter der 189 Starter am Westminister Parlament von der Rolle fuhr. Der Schweizer siegte am Ende in 8:50 Minuten deutlich mit 13 Sekunden Vorsprung vor Klöden und US-Profi George Hincapie, der 9:13 Minuten benötigte.

Klöden zeigt sich gewohnt schweigsam

Nach dem Prolog hatte sich Klöden gewohnt schweigsam gezeigt. Der Wahl-Schweizer war am Samstag wortlos zum Mannschaftsbus geeilt und erst später über seine Pressesprecherin zu einem Kommentar bereit. "Mein Ziel war es, Abstand zur Konkurrenz zu gewinnen. Das ist mir gelungen", ließ der deutsche Ex-Meister erklären.

Sehr zufrieden war Klödens Astana-Teamleiter Mario Kummer: "Ich wusste, dass er gut drauf ist. Aber das hätte ich nicht erwartet." Der als Topfavorit für den Gesamtsieg angetretene Astana-Kapitän Alexander Winokurow musste sich in 9:20 Minuten mit dem siebten Platz begnügen.

Eine überzeugende Leistung hatte Linus Gerdemann als bester deutscher T-Mobile-Fahrer beim Prolog gezeigt. Der Wahl-Kölner wurde mit 38 Sekunden Rückstand 22., zwei Plätze hinter seinem Kapitän Michael Rogers (37). "Das hat besser geklappt, als ich erwartet habe. Die Stimmung war riesig", sagte der gebürtige Westfale.

Zabel war an seinem 37. Geburtstag beim Kampf gegen die Uhr als 60. mit 50 Sekunden Rückstand im Rahmen seiner Möglichkeiten geblieben. Der deutsche Tour-Rekordler ging in London zum 13. Mal seit 1995 beim schwersten Radrennen der Welt an den Start.

Zuschauermassen begeistern die Fahrer

Von der prächtigen Kulisse waren alle Fahrer begeistert. "Dass es so viele Zuschauer gab, war schon phänomenal", sagte Markus Fothen vom Team Gerolsteiner. Der junge Niederrheiner benötigte beim Zeitfahren durch St. James' und Hyde Park 9:33 Minuten. "Damit kann ich zufrieden sein. Die Tour ist noch lang", sagte Fothen, der fünf Sekunden schneller war als der Berliner CSC-Routinier Jens Voigt (9:38).

Von Montag an ist die Tour erstmals in Frankreich unterwegs. Die Rückkehr aus England in die Heimat währt allerdings nicht lange, denn schon 20km nach dem Start im Seebad Dünkirchen stattet die Tour-Karawane dem Nachbarland Belgien einen Besuch ab. Dünkirchen ist Ausgangspunkt der völlig flachen zweiten Etappe, bei der es auf den 168,5km zum Zielort Gent keine Bergprüfungen gibt.

© SID

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