Radsport Tour de France
Poitschkes Lehrjahr mit fast 38

Bis kurz vor seinem 38. Geburtstag musste Enrico Poitschke auf sein Tour-Debüt warten. Bei der Frankreich-Rundfahrt ist der "Alterspräsident" im Team Milram unverzichtbarer Helfer von Kapitän Erik Zabel.

Im letzten halben Jahrhundert lässt sich in den Statistiken der Frankreich-Rundfahrt niemand finden, der bei seiner ersten Tour-Teilnahme älter als Enrico Poitschke war. Am 25. August feiert der Milram-Profi aus Görlitz seinen 38. Geburtstag, in diesem Jahr fährt er im hohen Radsport-Alter zum ersten Mal die "Große Schleife". Die ersten beiden schweren Alpen-Etappen hat er besser gemeistert als so mancher prominente Name.

Noch immer kann es der bescheidene "Wasserträger" kaum glauben, dass er beim spektakulärsten Rennen der Welt dabei ist: "Natürlich habe ich die Tour schon immer für eine große Sache gehalten, aber das direkte Erlebnis wirft alles über den Haufen, was ich bisher gehört und im Fernsehen gesehen habe."

Gänsehaut in London

Schon bei der Präsentation auf dem Trafalgar Square in London hatte er eine Gänsehaut: "Der Wahnsinn kam dann beim Prolog. Ich bin noch nie in zehn Minuten lang an über einer Million Menschen vorbei gefahren. Und jetzt in den Bergen rieselt es einem ständig heiß und kalt über den Rücken, wenn man durch die Spaliere fährt." Auch wenn er mit weitem Rückstand auf die Führenden in die Anstiege geht.

Doch das ist für den schlanken Allrounder (1,79m, 73kg) kein Problem: "Ich bin bis jetzt gut über die Berge gekommen", blickte er am ersten Ruhetag zufrieden zurück. Mühelos hatte er sich stets in die Gruppe der Sprinter eingereiht, die im Limit blieb. So erreichte er auch am Sonntag das Ziel in Tignes gemeinsam mit dem Belgier Tom Boonen gut 39 Minuten nach Sieger Michael Rasmussen, während ein Robbie Mcewen wegen Zeitüberschreitung nach Hause fahren musste.

"Für mich kommt es darauf an, die Kräfte zu schonen, damit ich bei den flacheren Etappen immer an Zabels Seite sein kann", weiß der Mann, der den Kapitän aus dem Wind nehmen und bei den Sprints in eine gute Position bringen soll. "Da geht es ganz schön heiß zu, das ist nicht ungefährlich. Aber wir wollen Erik wenigstens einmal auf dem Siegerpodest sehen."

Seine Liebe zum Radsport hatte er einst in Niesky in der Lausitz entdeckt. Man erkannte schnell sein Talent und schickte ihn auf die Sportschule nach Gera. Dort fuhr er ein Jahr neben den Stars Olaf Ludwig und Jens Heppner bei Wismut Gera, ehe er zum Team Wiesenhof wechselte. "Mitte der Neunziger platzte bei ihm der Knoten", erinnert sich sein damaliger Trainer Michael Schiffner. Poitschke gewann sechs Etappen bei der Friedensfahrt.

Kein Gedanke ans Karriere-Ende

Aber er musste lange warten, ehe Anfang 2006 das Angebot vom neuen Protour-Team Milram kam. "Leider sehr spät, aber zum Glück nicht zu spät," sagt Poitschke. So müssen Ehefrau Karen und Sohn Daniel (13) noch etwas warten, ehe der bald 38-Jährige Tourenfahrten mit der Familie unternimmt. Denn Milram-Manager Gerry van Gerwen hält die Vertragsverlängerung schon bereit: "Mit seiner guten Konstitution und Fitness kann Enrico locker ein weiteres Jahr fahren - Zabel ist ja mit 37 nur ein knappes Jahr jünger."

© SID

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