Radsport Tour de France
Prudhomme droht sechs Teams mit Ausschluss

Tour-Direktor Christian Prudhomme hat allen Mannschaften, die sich nicht dem klaren Antidoping-Kurs des Radsport-Weltverbandes UCI unterwerfen wollen, mit dem Ausschluss von der Frankreich-Rundfahrt gedroht.

Levi Leipheimer und seinem Team Discovery Channel droht der Ausschluss von der Tour de France. Tour-Direktor Christian Prudhomme hat allen Mannschaften, die sich nicht dem klaren Antidoping-Kurs des Radsport-Weltverbandes UCI unterwerfen wollen, mit Startverbot für die Frankreich-Rundfahrt (7.-29. Juli) gedroht: "Wer Fahrer in seinen Reihen duldet, die unter Dopingverdacht stehen, braucht gar nicht zum Start nach London anzureisen", sagte der 46-Jährige nach der Krisensitzung von UCI und Profiteams am Dienstag in Genf.

Dies könnte in erster Linie Discovery Channel mit Kapitän Leipheimer (bis 2006 bei Gerolsteiner) treffen. Teamchef Johan Bruyneel hatte am Morgen den Austritt aus der Vereinigung der Profimannschaften (Aigcp) angekündigt und nicht an der Abstimmung teilgenommen. Das Ex-Team von Lance Armstrong hatte sich schon mit dem langen Festhalten am inzwischen gesperrten Italiener Ivan Basso in eine Außenseiterposition manövriert.

Die deutschen Rennställe sehen der Entwicklung mit gemischten Gefühlen entgegen: "Es ist schon zu viel angekündigt und nicht umgesetzt worden, deshalb wage ich keine Prognose", sagte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer. Auch für T-Mobile gab sich der Technische Direktor Luuc Eisenga zurückhaltend: "Bei der Frage, wohin der Weg führt, zählen nur Fakten, nicht Gefühle."

Mit 19:0 Stimmen hatten die Protour-Teams in Genf die UCI-Forderung akzeptiert, ab Anfang Juli keine Fahrer mehr für Rennen zu melden, die ihre Unterschrift unter die "Ehrenerklärung" verweigern. Sie umfasst auch das Einverständnis, eine DNA-Probe für die Ermittlungen in der "Operacion Puerto" abzugeben und bei positiver Probe ein Jahresgehalt als Zusatzstrafe zu akzeptieren.

Sechs Ställen droht der Ausschluss

Sechs Rennställen, die weiter unter Dopingverdacht stehende Fahrer beschäftigen, droht nun der Ausschluss aus der Aigcp. Neben Discovery sind dies die Protour-Teams Lampre (Italien), Caisse d'Epargne und Saunier Duval (Spanien) sowie die Continental-Teams Acqua e Sappone (Italien) und Karpin Galicia (Spanien). Am 6. Juli will die Aigcp erneut in London tagen, einen Tag vor Tour-Beginn.

Auch Caisse d'Epargne hat in Genf die neue Linie akzeptiert. Die Spanier haben mit Alejandro Valverde einen der Tour-Favoriten in ihren Reihen, dazu mit Oscar Pereiro den letztjährigen Zweiten. Beide werden nicht durch die Puerto-Dokumente belastet, aber Valverde wird von seinem früheren Kelme-Teamkameraden Jesus Manzano im jüngsten Stern-Interview erneut des Dopings beschuldigt.

Ein Ausschluss aus der Aigcp-Vereinigung kommt nicht einem automatischen Tour-Aus gleich. Auch die UCI hat keine rechtlichen Möglichkeiten, ihre Forderung durchzusetzen. Die Organisatoren der "Großen Schleife" sind autonom, es kommt ganz darauf an, ob sie die Drohung von Prudhomme wahr machen.

Holczer glaubt dennoch an einen Schritt nach vorn: "Ich hätte nicht mit dieser großen Zustimmung gerechnet, das lässt mich hoffen. "Ähnlich sieht es Eisenga: "Es hat sich gezeigt, dass wir nicht allein stehen. Wer noch immer nicht einsieht, dass konsequentes Handeln erforderlich ist, muss sich wirklich fragen lassen, was er noch im Radsport will."

© SID

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