Radsport Tour de France
Rasmussen fährt weiter bei der Tour

Ein Jahr nach dem positiven Doping-Test von Toursieger Floyd Landis ist erneut ein Schatten auf das Gelbe Trikot der Frankreich-Rundfahrt gefallen. Der aktuelle Spitzenreiter Michael Rasmussen (Dänemark) steht unter Doping-Verdacht, darf aber vorerst weiter am Rennen teilnehmen. Obwohl der Fahrer vom niederländischen Rabobank-Team mindestens zweimal gegen die Anti-Doping-Regularien des Weltverbandes UCI verstoßen haben soll, erteilte ihm Tourdirektor Christian Prudhomme am Freitag unmittelbar vor der zwölften Etappe zwischen Montpellier und Castres die Starterlaubnis.

Am Vorabend hatte der dänische Radsport-Verband (DCU) Rasmussen aus dem Nationalkader gestrichen, weil dieser seiner Meldepflicht gegenüber dem nationalen Verband und der UCI mehrfach nicht nachgekommen sein soll. Am 29. Juni hatte die UCI den 33-Jährigen verwarnt, nachdem er am 8. Mai sowie am 28. Juni von den Kontrolleuren jeweils nicht am angegebenen Ort angetroffen worden war.

"Wir haben ihm eine Verwarnung erteilt. Sollte er erneut eine Kontrolle verpassen, wäre es ein Verstoß gegen Dopingregularien. Es gibt aber keinen Beweis für ein Dopingvergehen. Wir hatten keine Möglichkeit, ihn an einem Start bei der Tour zu hindern", sagte UCI-Präsident Pat Mcquaid am Freitag der Nachrichtenagentur afp. Unabhängig von den Fällen, die in die Verantwortlichkeit der UCI fallen, wurden am Freitag zwei weitere Vorfälle bekannt. Das bestätigte der dänische Verband dem nationalen Fernsehsender TV2.

Tour-Direktor Prudhomme hatte vor Bekanntwerden dieser beiden weiteren Fälle noch klargestellt, dass die Tourveranstalter im Gegensatz zur DCU "keine ausreichenden Gründe für Sanktionen" sähen.

Rasmussen hat nur "administrative Fehler" begangen

Rasmussen selbst bestätigte jedoch gegenüber der dänischen Tageszeitung BT, schon einmal am 24. März 2006 eine Verwarnung von der UCI erhalten zu haben. Damals hatte er die Meldefrist für seine Aufenthaltsorte im zweiten Jahresquartal nicht eingehalten. Der frühere Mountainbike-Weltmeister reagierte auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe mit dem üblichen Reflex und verwies darauf, nie positiv getestet worden zu sein. Seine Regel-Verstöße tat er als "administrative Fehler" ab.

Rasmussens Teamchef Theo de Rooy erklärte, bereits gewusst zu haben, dass sein Schützling die UCI-Verwarnung eine Woche vor dem Tourstart erhalten habe. Der Niederländer verwies auf drei ordnungsgemäß abgelaufene Kontrollen bei den dänischen Meisterschaften (30. Juni), bei der Tour-Voruntersuchung in London (5. Juli) sowie während des Rennens in Val d'Isere (17. Juli), mit denen er die Glaubwürdigkeit seines Fahrers unterstreichen wollte.

Doch dem Dänischen Verband liegen Informationen über zusätzliches Fehlverhalten Rasmussens vor. Ausschlaggebend für die nun verhängten Sanktionen seien zwei weitere Trainingskontrollen der DCU gewesen, bei denen der Athlet ebenfalls nicht anwesend bzw. nicht korrekt abgemeldet war. "Wir haben diese Vorfälle bereits vor dem Tourstart auch der UCI gemeldet, aber bis heute keine Antwort erhalten", sagte DCU-Geschäftsführer Jesper Worre dem Dänischen Fernsehsender TV2.

Nicht an Meldepflicht gehalten

Verschärfend käme hinzu, dass der nationale Verband Rasmussen bereits Ende vergangenen Jahres zur Auflage gemacht hatte, sich genau an die Meldepflicht zu halten. Dies sei nicht geschehen: "Es gibt viele Fragezeichen hinter seinem Verhalten und seiner Haltung", sagte Worre.

Für andere Teamchefs ist das passive Verhalten des Teams Rabobank allerdings auch so unverständlich. Jean-Rene Bernadeau vom Team Bouygues zeigte sich irritiert von der Starterlaubnis für Rasmussen: "Wenn einer meiner Fahrer von seinem nationalen Verband ausgeschlossen würde, wäre er hier nicht mehr am Start", sagte der Franzose. Gerolsteiners Hans-Michael Holczer forderte Rabobank zum Handel auf. So könne eine Suspendierung auf Basis des Ethikcodes auch ohne positiven Test erfolgen.

Rasmussen war bei der diesjährigen Tour mit seinem Tagessieg am Sonntag in Tignes (8. Etappe) ins Gelbe Trikot gefahren, das er seither vier Tage trugt. Das Leichtgewicht (1,75m/58kg) gewann in den beiden vergangenen Jahren die Bergwertung der Tour und wurde 2005 Siebter der Gesamtwertung. Bis 1999 war er als Mountainbiker in der Weltspitze, ehe er 2001 beim CSC-Team von Bjarne Riis seine Karriere als Straßenprofi begann. Seit 2003 fährt er bei Rabobank.

© SID

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