Radsport Tour de France
Ricco gewinnt erste Hochgebirgsetappe

Riccardo Ricco (Saunier Duval) hat bei der Tour de France seinen zweiten Tagessieg eingefahren. Auf der neunten Etappe setzte sich der Italiener am letzten Anstieg ab.

Als der spätere Etappensieger Riccardo Ricco einen Kilometer vor der letzten Bergwertung an ihm vorbeiflog, war Sebastian Lang endgültig geschlagen. Insgesamt 175km des 9. Tour-Teilstücks war der Zeitfahrspezialist vom Team Gerolsteiner zunächst in Begleitung, später allein an der Spitze gefahren, um 27km vor dem Ende seine Hoffnungen auf den Tagessieg doch begraben zu müssen. Während Ricco, genannt die "Kobra", kurz darauf seinen zweiten Etappenerfolg feiern durfte, erreichte Lang das Ziel schließlich als Elfter.

1 000 Meter fehlen Lang bis zum Bergtrikot

"1000m vor dem Gipfel kam die Kobra und war zwei Sekunden später schon wieder weg. Der war so schnell an mir vorbei, dass ich ihn kaum wahrgenommen habe", sagte Lang nach der 224km langen Pyrenäen-Etappe von Toulouse nach Bagneres-de-Bigorre. Besonders bedauerte der Erfurter, dass er bei seiner Flucht über die ersten schweren Bergwertungen dieser Frankreich-Rundfahrt das gepunktete Bergpreistrikot hauchdünn verpasste. "1000m haben mir gefehlt, diese Chance kommt nicht wieder. Ich hab alles dafür gegeben und weiß nicht, wie ich die nächste Etappe überleben soll."

Derweil distanzierte der Giro-Zweite Ricco die Gruppe der Favoriten um Spitzenreiter Kim Kirchen (Luxemburg/Columbia) am Ende einer 30km langen Solofahrt um 1:17 Minuten und brachte sich damit wieder für eine Top-Platzierung im Gesamtklassement in Position. Als bester Deutscher fuhr der Bonner Christian Knees vom Team Milram auf den fünften Platz. "Damit bin ich sehr zufrieden. Es war ein hartes Stück Arbeit, aber insgesamt ist die erste Tourwoche für mich super gelaufen", so der 27-Jährige.

Im Kampf um das Gelbe Trikot behauptete Kirchen sechs Sekunden Vorsprung auf den Australier Cadel Evans (Lotto). Derweil fiel der Nürtinger Stefan Schumacher (Gerolsteiner/56 Sekunden zurück) hinter den US-Amerikaner Christian Vandevelde (Garmin/44 Sekunden) auf den vierten Gesamtplatz zurück.

Jefimkin und Dessel auf den Plätzen

Hinter Ricco, der in den vergangenen Wochen verstärkt in den Fokus der Doping-Fahnder geraten ist, fuhr der Russe Wladimir Jefimkin (Ag2r) 13 Sekunden vor der ersten großen Verfolgergruppe auf den zweiten Platz der Tageswertung. Auf Rang drei fuhr Jefimkins Teamkollege Cyril Dessel. Seinen ersten Tagessieg hatte Ricco am Donnerstag in Super-Besse im französischen Zentralmassiv geholt. "Solange wir keine Beweise gegen ihn haben, sollten wir ihn nicht vorverurteilen", sagte Lang zu den Gerüchten um Ricco.

Lang hatte seinen Ausreißversuch nach 22km gemeinsam mit dem Weißrussen Alexander Kuschinski (Liquigas) und dem Franzosen Nicolas Jalabert (Agritubel) begonnen, wobei das Trio zwischenzeitlich mehr als 15 Minuten vor dem Feld lag. Als der Vorsprung im Anstieg zum Col de Peyresourde auf sechs Minuten geschmolzen war, setzte sich der 28-jährige Erfurter von seinen Mitausreißern ab und versuchte es von da an auf eigene Faust. 40km hielt sich der zweimalige WM-Fünfte im Zeitfahren allein an der Spitze, ehe Ricco kurz vor der Passhöhe des Aspin geradezu an ihm vorbeiflog.

Am Montag steht auf der 10. Etappe indes die erste schwere Bergankunft dieser Tour auf dem Programm. Nach dem Start in Pau führt das 156km lange Teilstück zunächst über zwei Bergwertungen der 3. Kategorie, ehe mit dem Col du Tourmalet (2115m) die erste Höchstschwierigkeit auf die Fahrer wartet. Als eines der Monumente der Frankreich-Rundfahrt ist der Pass zum insgesamt 72. Mal Teil der Tourstrecke.

Der Schlussanstieg nach Hautacam (1520m) ist dagegen erst zum vierten Mal im Programm der Großen Schleife. Nach Luc Leblanc (1994) und Bjarne Riis (1996) war der Baske Javier Otxoa vor acht Jahren der bislang letzte Sieger in dem Berg-Resort oberhalb von Lourdes. Ein Jahr später wurden er und sein Bruder Ricardo beim Training von einem Auto erfasst. Während Ricardo seinen Verletzungen erlag, überlebte Javier schwer verletzt und feierte später zahlreiche Erfolge als Behindertensportler. Der Paralympicssieger von Athen im Einzelzeitfahren wird die Siegerehrung in Hautacam vornehmen.

© SID

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