Radsport Tour de France
Riccos Husarenritt wirft Fragen auf

Riccardo Ricco gilt als streitbarer Profi und ist im Fahrerfeld der Tour nicht beliebt. Sein eindrucksvoller Etappensieg in den Pyrenäen gibt den Doping-Gerüchten neue Nahrung.

Er gilt als Großmaul, legt sich gerne auch außerhalb der Rennen mit der Konkurrenz an und bezeichnet ausgerechnet Marco Pantani als sein Vorbild: Riccardo Ricco hat sich in nur zweieinhalb Jahren als Radprofi einen denkbar schlechten Ruf "erarbeitet". Sportlich zeigt die Kurve des 24 Jahre alten Italieners dagegen steil nach oben - sein zweiter Tagessieg bei der Tour auf der Pyrenäen-Etappe am Sonntag von Toulouse nach Bagneres-de-Bigorre dürfte nur der vorläufige Höhepunkt in der Karriere des Kletterspezialisten und talentierten Rundfahrers gewesen sein.

Doch mit dem rasanten Aufstieg des Kapitäns vom Team Saunier Duval sind auch die Zweifel an seinen Leistungen gewachsen. Allzu deutlich distanzierte Ricco, der sich selbst den Spitznamen "Kobra" gegeben hat, die gesamte Konkurrenz auf dem ersten schweren Bergteilstück. Und als sei die Demonstration am Anstieg des Aspin nicht schon außergewöhnlich genug gewesen, stellte der Zweite des diesjährigen Giro seinen jüngsten Coup selbst noch einmal heraus: "Das war schon sehr beeindruckend von mir."

Einige seiner Gegner sahen das ähnlich - wenn auch aus einer anderen Perspektive. Gerolsteiner-Fahrer Fabian Wegmann hatte nur ein Kopfschütteln übrig, als er im Ziel hörte, dass Ricco bei seinem 30km langen Alleingang 1:17 Minuten Vorsprung auf die Gruppe der Tourfavoriten herausgefahren hatte. "Und das bei dem Gegenwind", merkte der deutsche Meister ungläubig an.

Riccos Aufstieg aus dem Nichts

Wegmanns Teamkollege Sebastian Lang, der als zeitweiliger Spitzenreiter der Etappe den "Bergfloh" in der Schlussphase des letzten Anstiegs nur an sich "vorbeifliegen" sah, hielt sich indes zurück: "So lange es keine Beweise gibt, darf man ihn nicht vorverurteilen."

Doch zumindest werfen Riccos Leistungen Fragen auf. Schon beim Giro, wo er dem letztjährigen Toursieger Alberto Contador einen harten Kampf um den Gesamtsieg lieferte und sich dem spanischen Astana-Kapitän erst am Ende knapp geschlagen geben musste, wurde sein Aufstieg mit Argwohn beäugt. Schließlich stieß der frühere italienische Juniorenmeister im Cyclocross und spätere U23-Champion in nur zwei Jahren beinahe aus dem Nichts bis in die Weltspitze der Rundfahrer-Elite vor.

Ricco: "Man braucht keine Freunde, um ein Rennen zu gewinnen"

Nahrung erhielt die Skepsis gegenüber Riccos Leistungen dabei stets durch seine auffälligen Blutwerte, die auch bei den Doping-Kontrollen in den ersten Tagen dieser Tour Anstoß fanden. Allerdings sind seine ungewöhnlich hohen Hämatokritwerte dem Weltverband UCI bekannt und im Gesundheitspass des Fahrers vermerkt. So fühlt sich Ricco denn auch zu unrecht verdächtigt: "Ich habe heute die gleichen Blutwerte wie schon als Kind, und die UCI hat sie genehmigt. Es wird sich zeigen, dass bei mir alles in Ordnung ist, und ich hoffe, dass damit auch die Vorwürfe verstummen."

Stattdessen wünscht er sich, dass seine Leistungen Anerkennung finden - selbst wenn er nicht viel Wert darauf legt, gemocht zu werden. "Man braucht keine Freunde, um ein Rennen zu gewinnen", sagt Ricco, der ohnehin findet, dass in diesem Jahr "beim Giro mehr große Fahrer als bei der Tour" waren. Weiteren Erfolgen bei dieser Frankreich-Rundfahrt dürfte also nichts im Wege stehen - zunehmende Zweifel würden damit allerdings einhergehen.

© SID

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