Radsport Tour de France
Sastre entreißt Schleck das Gelbe Trikot

Carlos Sastre hat die 17. Etappe der Tour de France gewonnen. Auf dem Weg auf den Gipfel von Alpe d'Huez entriss der CSC-Fahrer seinem Team-Kollegen Fränk Schleck das Gelbe Trikot.

Obwohl Fränk Schleck das Gelbe Trikot auf der 17. Etappe der Tour de France verloren hat, kann sich sein Team CSC weiter über das Hemd des Spitzenreiters der Frankreich-Rundfahrt freuen. Schlecks Team-Kollege Carlos Sastre trägt ab sofort das "Maillot Jaune".

Durch seinen Triumph bei der Bergankunft in Alpe d'Huez übernahm der Spanier die Gesamtführung von seinem Teamkollegen Fränk Schleck (Luxemburg), verpasste es aber, sich für den abschließenden Kampf gegen die Uhr am Samstag einen beruhigendes Polster auf Zeitfahr-Spezialist Evans herauszufahren.

"Das ist der größte Erfolg meiner Karriere. Ich habe alles riskiert - am Ende ist unsere Rechnung aufgegangen", jubelte Sastre. Fünf Jahre nach seinem ersten Tour-Etappensieg stand der Routinier zum zweiten Mal ganz oben auf dem Podest und schlüpfte erstmals ins Leader-Jersey. Selbst Rechenspiele, nach denen der Australier Cadel Evans als bester Zeitfahrer unter den Favoriten weiter alle Chancen auf den Toursieg hat, konnten dem Kletterspezialisten die Freude nicht verderben. "Ich werde im Zeitfahren alles geben und sehen, wofür es reicht", sagte Sastre.

Kohl: "Härtester Tag meiner Karriere"

Gute Aussichten auf eine Top-Platzierung in Paris bewahrte sich auch Gerolsteiner-Kapitän Bernhard Kohl, der als Etappenzehnter auf Rang drei der Gesamtwertung zurückfiel. "Das war definitiv der härteste Tag in meiner Karriere", erklärte der Österreicher, der nach dem 210,5km langen Teilstück über drei Anstiege der höchsten Kategorie das gepunktete Trikot des "Bergkönigs" verteidigte.

Im Kampf um den Gewinn der 95. Tour liegt Sastre nun 1:24 Minuten vor Schleck, während Kohl als Gesamtdritter 1:33 Minuten Rückstand zum Spitzenreiter hat. Eine weitere Sekunde zurück liegt Evans auf Rang vier, wobei der Lotto-Kapitän im Zeitfahren stark genug sein dürfte, der vor ihm liegenden Konkurrenz deutlich mehr als die ausgewiesenen 1:34 Minuten abzunehmen. Das spannende Finale um das Gelbe Trikot steigt einen Tag vor Paris auf einem 53km langen Kurs zwischen Cerilly und St. Amand Montrond.

"Auf dieser schweren Bergetappe war Sastre klar der Beste. Ich muss sehen, was ich im Kampf gegen die Uhr herausholen kann. Ich hoffe, meine Beine werden am Samstag stark sein", sagte Evans. Im ersten Zeitfahren vor zwei Wochen hatte er Sastre auf nur 29,5km schon 1:16 Minuten abgenommen. Schleck (1:47) und Kohl (1:20) hatten sogar noch weiter zurückgelegen.

Sastre attackiert zu Beginn des Schlussanstiegs

Sastre hatte die Gunst der Stunde genutzt und die Konkurrenz gleich zu Beginn des Schlussanstiegs attackiert. Seinen Vorsprung baute der Routinier kontinuierlich aus, während sich die übrigen Mitfavoriten gegenseitig belauerten und gemeinsam 2:15 nach Sastre das Ziel im 1850m hohen Ski-Ort erreichten. Das erste Opfer der Tempoverschärfung war der Russe Denis Mentschow, der nach dem Angriff zunächst den Anschluss verlor. Allerdings konnte sich der Rabobank-Profi in den berühmten 21 Kehren noch einmal zurückkämpfen und damit seinen fünften Platz in der Gesamtwertung behaupten.

Ein anfänglicher taktischer Schachzug von Gerolsteiner, Stefan Schumacher als Ausreißer nach vorne zu schicken und so einen Helfer für Kohl auf den letzten Kilometern zu haben, schlug derweil fehl. Der Nürtinger, der schon am Vortag einen langen Alleingang über zwei schwere Anstiege gewagt hatte, hielt sich ab Kilometer 18 in einer vierköpfigen Spitzengruppe auf, musste aber bei der zweiten Höchstschwierigkeit des Tages am Croix de Fer die Segel streichen. So war Kohl im Schlussanstieg auf sich allein gestellt.

Besser machte es das dänische CSC-Team um Schleck und Sastre, das ab der Hälfte des Rennens das Tempo im Favoriten-Feld diktierte und so die Gruppe um das Gelbe Trikot um einen Fahrer nach dem anderen reduzierte. Wie schon am Vortag hatte die Mannschaft von Teamchef Bjarne Riis als einzige drei Top-Fahrer für taktische Optionen im Etappenfinale dabei und bestimmte damit das Geschehen in der Endphase des Rennens.

Velits fast 180km mit an der Spitze

Für das Team Milram zeigte sich der Slowake Peter Velits fast 180km an der Spitze des Rennens. Der U23-Weltmeister von Stuttgart 2007 hatte gemeinsam mit "Schumi" und zwei weiteren Fahrern einen Fluchtversuch gewagt. Nachdem seine Mitstreiter nach und nach zurückgefallen waren, fuhr Velits zunächst allein, später zusammen mit dem Franzosen Jerome Pineau an der Spitze, bevor das Duo auf den letzten Kilometern vor Alpe d'Huez eingeholt wurde.

Nach zwei schweren Alpen-Teilstücken verlässt die Tour mit der 18. Etappe am Donnerstag das Hochgebirge und nimmt allmählich Kurs Richtung Paris. Der 196,5km lange Tagesabschnitt von Bourg d'Oisans nach St. Etienne weist dabei noch einmal drei Bergwertungen der zweiten bis vierten Kategorie auf, ohne die Fahrer vor ernste Schwierigkeiten zu stellen.

Eine Selektion könnte rund 30km vor dem Ziel am 811m hohen Croix de Montvieux (Kat.2) erfolgen, der auf seinem 14km langen Anstieg 700m Höhenunterschied aufweist. Die Chance zum vielleicht entscheidenden Angriff bietet auf den letzten 10km die kurze Steigung zum Cote de Sorbiers (Kat.4).

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%