Radsport Tour de France
Stapleton: Ich lege für keinen die Hand ins Feuer

T-Mobile-Teamchef Bob Stapleton hat im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) zur aktuellen Situation klar Stellung bezogen. Seine Erkenntnis: "Ich lege für keinen die Hand ins Feuer."

T-Mobile-Teamchef Bob Stapleton bezieht im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) zu den Fragen zur aktuellen Dopingproblematik rund um das deutsche Radsport-Team Stellung.

sid: "Herr Stapleton, das T-Mobile Team ist mit bislang elf Siegen so erfolgreich wie zu diesem Zeitpunkt der Saison schon lange nicht mehr. Ärgert Sie, dass dies im Zuge des Doping-Skandals so gut wie nicht wahrgenommen wird?"

Bob Stapleton: "Es ist schade, denn die Ergebnisse, die das Team in den letzten Monaten erzielt hat, übertreffen klar unsere Erwartungen und hätten Anerkennung verdient. Die Aufarbeitung der Dopingproblematik ist notwendig, aber sie darf uns nicht von unserer täglichen Arbeit ablenken."

sid: "Dennoch steht der Radsport mehr denn je auf dem Prüfstand. Können Sie ausschließen, dass Fahrer Ihres jetzigen Teams dopen?"

Stapleton: "Doping ist im Sport so verankert, dass man sich nie sicher sein kann. Ich kann für keinen die Hand ins Feuer legen. Aber ich weiß, dass alle unsere Fahrer mit guten Absichten zum Team gekommen sind - sonst würden sie sich nicht unserem strengen Anti-Doping-Programm unterziehen. Sie sind alle bereit, sich unseren selbst auferlegten Regeln unterzuordnen."

sid: "Ist es dann nicht problematisch, an Rolf Aldag als Sportdirektor festzuhalten, obwohl er Doping gestanden hat?"

Stapleton: "Aus meiner Sicht nicht. Auch wenn ich persönlich enttäuscht war, kann ich ihm nicht vorwerfen, unsere Regeln gebrochen zu haben. Seine Doping-Vergehen sind lange her und ich glaube ihm, dass er sich verändert hat. Für unsere Arbeit kann es sogar wertvoll sein, dass er das System am eigenen Leib erfahren hat."

sid: "Befürchten Sie nicht, dass T-Mobiles Vorreiterrolle im Anti-Doping-Kampf mit Aldag an vorderster Front geschwächt wird?"

Stapleton: "Nein. Denn es ist kein Geheimnis, dass viele Verantwortliche in diesem Sport eine ähnliche Problematik aufweisen. Wir wollen uns gar nicht als unfehlbare Moralapostel aufspielen, sondern konstruktiv gegen Doping kämpfen. Ich bin überzeugt, dass uns Rolf auf diesem Weg ganauso wie in allen sportlichen Fragen voran bringen kann."

sid: "Welche Reaktionen gab es von den anderen Teams auf die Geständnisse ehemaliger Telekom-Fahrer?"

Stapleton: "Unterschiedliche. Einige unterstützen uns, andere haben einfach nur die Sorge geäußert, selbst in die Sache verwickelt zu werden. Und dann gab es auch negatives Feedback - ich vermute vor dem Hintergrund, dass viele Teams Auswirkungen auf ihre anstehenden Sponsoren-Verhandlungen fürchten."

sid: "Eine Folge der Vergangenheitsbewältigung ihres Rennstalls ist, dass Sie nach der Suspendierung der langjährigen Teamärzte ohne medizinische Betreuung dastehen. Wie wollen Sie dieses Problem lösen?"

Stapleton: "Wir arbeiten derzeit mit zwei Ärzten zusammen, die nicht von der Uniklinik Freiburg stammen, und bis zum Start der Tour de France werden noch zwei weitere hinzukommen. Allerdings finde ich es unverantwortlich von Freiburg, dass Sie im Zuge der Untersuchungen gegen Andreas Schmid und Lothar Heinrich auch alle anderen Ärzte aus dem Leistungssport zurückgezogen haben. Sie hatten eine vertragliche und ethische Verpflichtung unseren Fahrern gegenüber und haben ihre Patienten ohne Vorwarnung im Stich gelassen."

sid: "Was gedenken Sie zu tun?"

Stapleton: "Ich halte das für eine völlig überzogene Reaktion, deshalb werden wir auf jeden Fall dagegen vorgehen. Unsere Anwälte sind bereits mit dem Fall beschäftigt."

sid: "Der erste Fahrer, den die verschärften Regeln im Team getroffen haben, ist der Ukrainer Sergej Gontschar, der vor dem Giro wegen auffälliger Werte für einen Monat suspendiert wurde. Was wird aus ihm?"

Stapleton: "Blutanalyse und Blutvolumentest bei ihm ergaben für uns vor vier Wochen das eindeutige Bild, dass da etwas nicht stimmt. Wir werden jetzt seine aktuellen Werte überprüfen und entscheiden, ob er nochmal für uns fahren wird oder nicht. Im Übrigen ist er für die Tour de France ohnehin nicht vorgesehen, und ich gehe auch davon aus, dass es sein letztes Jahr bei uns ist."

© SID

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