Radsport Tour de France
T-Mobile will trotz Ausfälle "auf Angriff setzen"

Der Rennstall T-Mobile gibt sich trotz der Ausfälle von Patrik Sinkewitz und Kapitän Michael Rogers kämpferisch. So löst Axel Merckx den Australier als Kapitän ab, Shootingstar Gerdemann soll indes nicht verheizt werden.

Die schweren Stürze und Ausfälle haben innerhalb des T-Mobile-Rennstalls einen Schockzustand ausgelöst, die Angriffslust der verbliebenen Sechser-Rumpfmannschaft bleibt trotz der zahlreichen Rückschläge jedoch ungebrochen. "Wir haben in nur 24 Stunden die Höhen und Tiefen des Radsports durchlebt, aber der Teamgeist ist intakt und wir werden weiter alles für ein spannendes Rennen tun", sagte Teamchef Bob Stapleton am Montag in Val d'Isere.

Merckx neuer Kapitän

Den neuen Hoffnungsträger Linus Gerdemann will man dabei nicht verheizen. Die durch den Ausfall des Australiers Michael Rogers vakante Kapitänsrolle werde man dem Münsteraner nicht aufhalsen, betonte die Teamleitung. "Um diese Rolle wirklich auszufüllen braucht man Erfahrung, die ein 24-jähriger Tour-Neuling natürlich noch nicht mitbringt", meinte Sportdirektor Rolf Aldag. Stattdessen soll sie der Belgier Axel Merckx übernehmen, der mit 34 Jahren und neun Tourstarts der Routinier im Team ist.

Vor allem die beruhigende Nachricht zum Zustand von Patrik Sinkewitz ließ Fahrer und Teamleitung aufatmen. "Er hat zum Glück keine schweren Verletzungen erlitten, dennoch wird er sobald wie möglich nach Deutschland ausgeflogen und dort weiter behandelt", erklärte der US-Amerikaner. In einer Hamburger Klinik sollen vor allem die Gesichtsfrakturen behandelt werden, die sich der 26-Jährige beim Zusammenprall mit einem Zuschauer nach der achten Etappe in Tignes zugezogen hatte. Da der Fuldaer zudem ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt, war an eine Fortsetzung des Rennens nicht zu denken.

Zuschauer schwebt weiter in Lebensgefahr

Der in den Unfall verwickelte Zuschauer, bei dem es sich um einen 78-jährigen Luxemburger handeln soll, befand sich am Montag immer noch auf der Intensivstation im Krankenhaus von Grenoble und war nach Angaben der behandelnden Ärzte am Mittag noch nicht außer Lebensgefahr. Das Unglück hatte sich ereignet, als Sinkewitz nach Erreichen des Etappenziels den Montee de Tignes hinunter fuhr, um zum Teamhotel in Val d'Isere zu gelangen. Beim Zusammenprall in voller Fahrt trug er offenbar seinen Radhelm.

"Patrik hat um den Mund herum mehrere Brüche und Harrisse davongetragen, und auch die Unterlippe ist stark in Mitleidenschaft gezogen worden", erläuterte Aldag, der außerdem den Ausfall von Rogers zu verkraften hatte. Der Australier, der nach einem Sturz noch während der Etappe das Rennen hatte aufgeben müssen, war bereits am Montagmorgen in seine Wahlheimat Italien geflogen worden. Der 28-Jährige, der in der Nähe von Varese wohnt, hatte sich bei der Abfahrt vom Cormet de Roselend an der Schulter verletzt. Genaueres sollte die Untersuchung in Italien ergeben.

"Weiter auf Angriff setzen"

"Diese Ausfälle sind natürlich bitter für uns, aber wir werden deshalb nicht von unserer ursprünglichen Strategie abweichen, sondern weiter auf Angriff setzen", sagte Aldag. Durch den Ausstieg des erschöpften Sprinters Mark Cavendish zu Beginn der Etappe hatte sich die Magenta-Mannschaft von neun auf nur noch sechs Fahrer reduziert, doch Gerdemann liegt als Gesamtzweiter immer noch glänzend im Rennen. "Wir werden versuchen, ihn so weit wie möglich vorne zu halten und ihn beim Kampf ums Weiße Trikot des besten Jungprofis zu unterstützen", so Aldag. Daneben hätten alle Fahrer aber die Freiheit, ihre eigene Chance im Kampf um Etappensiege zu suchen.

Auch Gerdemann selbst wollte sich von den Rückschlägen am Sonntag nicht beeindrucken lassen. "Wir brauchen jetzt eine gehörige Portion Moral und Kampfgeist, aber ich glaube weiter an das Team und bin überzeugt, dass wir weiter Akzente setzen können", sagte der gebürtige Westfale, der am Samstag die erste Alpenetappe gewonnen und für einen Tag das Gelbe Trikot erobert hatte. Auch beim Kampf um die Spitzenposition der Nachwuchswertung werde er mit seinen Kräften haushalten: "Ich will auf jeden Fall in Paris ankommen und werde entsprechend fahren."

© SID

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