Radsport Tour de France
Tour startet heute im Schatten der Doping-Fragen

Wenn die 94. Tour de France heute mit dem Prolog in London startet, ist ein Thema allgegenwärtig. Der Doping-Generalverdacht wird das Peloton über die kompletten 3 569,4 Kilometer bis nach Paris begleiten.

Heute startet in London die 94. Tour de France. Während Londons Bürgermeister Ken Livingstone ein "großes Spektakel" erwartet, fürchten Kritiker eine Farce: Vor dem Prolog zur "Großen Schleife", der heute erstmals in der englischen Metropole ausgetragen wird, sorgen anhaltende Dopingdiskussionen weiter für Unruhe. Die Profiteams sind in zwei Lager gespalten, bei einigen Favoriten liegen die Nerven blank.

Am Freitag kam es bei der offiziellen Vorstellung des spanischen Teams Caisse d'Epargne zu Eklat. Die Teamleitung hatte darauf bestanden, dass keine Fragen zum Doping-Verdacht gegen Mannschaftskapitän Alejandro Valverde gestellt würden.

Einige Journalisten hatten dennoch versucht, den 27-Jährigen zu seiner angeblichen Verwicklung in die Fuentes-Affäre zu befragen. Der Pro-Tour-Sieger von 2006 war mehrfach als mutmaßlicher Kunde des Madrider Arztes genannt worden, da in den Akten der "Opercaion Puerto" die Codes "Valv" und "Piti" auftauchen.

Piti soll der Name von Valverdes Hund sein. Die spanischen Ermittler fanden allerdings keine ausreichenden Belege, um die Codes Valverde zweifelsfrei zuordnen zu können. Valverde lehnte in London jede Aussage über den Namen seines Hundes ab.

Prudhomme bleibt optimistisch

Tourchef Christian Prudhomme war vergeblich bemüht, auf die sportlichen Aspekte umzuschwenken: "Es gab im Vorfeld viele negative Schlagzeilen, aber ich bin überzeugt, dass wir eine gute Tour sehen werden. Das Rennen ist offen wie lange nicht und birgt jede Menge Spannung", erklärte der Franzose. Er liegt damit auf einer Linie mit den örtlichen Veranstaltern, die bis zu zwei Mill. Zuschauer an der Strecke erwarten und mit dem Slogan werben: "London liebt die Tour de France".

Die störenden Begleitgeräusche sind trotz allem unüberhörbar. Sie eskalierten auf einer Sitzung der Profiteams (Aigcp), an deren Ende ein offener Bruch zwischen den Befürwortern und Gegnern eines strikten Anti-Doping-Codes stand. Auf der einen Seite stehen die deutschen Teams Gerolsteiner und T-Mobile sowie die sechs französischen Teams in der Aigcp, auf der anderen vor allem die Spanier, Italiener und einzelne weitere Mannschaften wie Discovery (USA), die es schon in den vergangenen Monaten mit dem Ethikcode nicht so genau genommen haben.

"Einen echten Konsens hat es in diesem Gremium nie gegeben, aber nun kamen Auffassungen zum Ausdruck, auf die wir deutlich reagieren mussten", sagte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer, der den Sitzungsraum nach wenigen Minuten gemeinsam mit T-Mobiles Technischem Direktor Luc Eisenga und den Franzosen unter lautem Protest verlassen hatte. Unmittelbare Auswirkungen auf die Frankreich-Rundfahrt hat der Streit der Teams allerdings (noch) nicht: "Ein Boykott der Tour war zu keinem Zeitpunkt im Gespräch", so Holczer.

Winokurow geht als Favorit an den Start

So können die Organisatoren weiter hoffen, dass ihr Rennen ohne einen großen Knall beginnt, wie es ihn im Vorjahr durch den Ausschluss der Favoriten Jan Ullrich und Ivan Basso sowie des spanischen Teams Liberty Seguros um den Kasachen Alexander Winokurow wegen Doping-Verdachts gegeben hatte. Während Ullrich inzwischen zurückgetreten und Basso gesperrt ist, steht Winokurow in diesem Jahr wieder am Start und gilt als Kapitän des neuen Astana-Rennstalls sogar mehr denn je als Anwärter auf den Gesamtsieg.

An seiner Seite fährt mit Andreas Klöden der aus deutscher Sicht wohl aussichtsreichste Fahrer, nachdem er in den vergangenen Jahren schon Zweiter (2004) und Dritter (2006) geworden war.

Vom anhaltenden Verdacht des Dopings, der sich durch die positive A-Probe des Nürnbergers Matthias Kessler (Testosteron), Ermittlungen gegen den Italiener Eddy Mazzoleni sowie indirekte Vorwürfe des geständigen Jörg Jaksche gegen Winokurow erhärtete, will Klöden nichts wissen. "Ich habe keine Lust mehr, ständig Fragen nach irgendwelchen durchgeknallten Jaksches zu beantworten, sondern äußere mich nur noch zu meiner Form", verkündete der gebürtige Sachse trotzig. Er wolle den Kopf frei haben und sich ganz auf das Rennen konzentrieren.

Wieviel Normalität ab heute einkehrt, wenn vor der Kulisse von Buckingham Palace und Westminster Abbey der 7,9km lange Prolog gestartet wird, hängt allerdings auch vom Weltverband UCI ab, der angeblich noch eine Liste von sechs Fahrern mit auffälligen Testergebnissen aus den vergangenen zehn Wochen zur Verkündung bereithält. Angesichts der Differenzen zwischen UCI und Tour-Veranstaltern scheint es durchaus möglich, dass die Namen erst in letzter Minute präsentiert werden.

© SID

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