Radsport Tour de France
Voigts Husarenritt haucht Pereiro neues Leben ein

Eigentlich hatte Oscar Pereiro die 93. Tour de France schon abgehakt. Nach der gemeinsamen Flucht mit Jens Voigt darf der Spanier nun aber gar vom ersten Tour-Sieg träumen.

Eigentlich hatte Oscar Pereiro das Kapitel seiner 93. Tour de France am Abend des 13. Juli bereits geschlossen. "Ich wollte in Paris unter die Top Ten kommen, aber nun war ich im Prinzip weg vom Fenster."Über 26 Minuten hatte er auf der Pyrenäen-Etappe verloren.

Flucht an der Seite von Jens Voigt

Doch zwei Tage später erwies sich diese Schlappe im Nachhinein als Glücksfall. Denn nur weil der Spanier vom Team Caisse d´Epargne scheinbar aussichtslos zurücklag, ließen die Top-Mannschaften ihn an der Seite des Berliners Jens Voigt ziehen. Ein Fehler, wie sich nun zeigte: Die halbe Stunde, die Pereiro dabei gutmachte, stellte sich als schwere Hypothek für die Konkurrenz heraus.

"Wenn alles normal gelaufen wäre, säße ich jetzt nicht hier", räumte der 28-Jährige ein, nachdem er sechs Tage nach dem 13. Juli zum zweiten Mal das Gelbe Trikot übernommen und seine schärfsten Gegner Andreas Klöden (T-Mobile) und Carlos Sastre (CSC) auf Distanz gehalten hatte.

"Sie haben mich alle unterschätzt"

Auch wenn ihm der Sieg angesichts der schweren Bergetappe am Donnerstag und des bevorstehenden Zeitfahrens am Samstag längst noch nicht sicher war, konnte Pereiro danach zufrieden Zwischenbilanz ziehen: "Die anderen haben einen großen Fehler gemacht, sie haben mich allesamt unterschätzt."

Trotz seiner zehnten Plätze 2004 und 2005 war er nur als Edelhelfer in die Tour gegangen. Erst nach dem verletzungsbedingten Aus seines Kapitäns Alejandro Valverde bekam er plötzlich "freie Fahrt". Immerhin hatte er schon bei der Tour 2005 in den Bergen einen Etappensieg und einen zweiten Platz geholt.

Im Zeitfahren verbessert

Inzwischen hat er sich auch im Kampf gegen die Uhr verbessert. In der ersten Tourwoche konnte ihm Klöden über 52km nur 58 Sekunden abnehmen, auf Sastre büßte er gar nur 30 Sekunden ein. Und das alles entscheidende Zeitfahren von Le Creusot nach Montceau-les-Mines (57km) kommt am Samstag dem Kletterspezialisten wegen des welligen Profils eher noch mehr entgegen.

Dass man vor einer Woche zu großzügig mit Pereiro umgegangen war, musste auch Klöden eingestehen: "Es ist ärgerlich, dass wir ihm eine halbe Stunde geschenkt haben. Offensichtlich darf man so etwas in diesen Zeiten nicht mehr machen."

Anders als beim siebenmaligen Toursieger Lance Armstrong, dessen Rechnungen in den vergangenen Jahren immer aufgingen, geriet die Situation an der Spitze diesmal etwas außer Kontrolle. Und gerade das verunsicherte auch Pereiro vor dem Start zur 17. Etappe noch ein wenig: "Diese Tour verläuft so verrückt, dass jeden Tag noch etwas passieren kann."

© SID

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