Radsport Tour de France
Winokurow mit Fremdblut gedopt

Seinen Sieg im Einzelzeitfahren in Albi bei der 94. Tour de France verdankt der Kasache Alexander Winokurow einer Fremdbluttransfusion. Das bestätigte sein Astana-Team, das infolge der Affäre aus der Tour ausstieg.

Dem Astana-Profi Alexander Winokurow ist Doping nachgewiesen worden. Am Dienstagabend bestätigte das Astana-Team die Positivprobe des zweimaligen Etappensiegers, die am 21. Juli wenige Stunden nach seinem souveränen Sieg im Einzelzeitfahren in Albi genommen wurde.

Demnach wurde dem 33-Jährigen Doping durch eine Fremdbluttransfusion nachgewiesen. Sein seit längerem des Dopings verdächtigter Rennstall Astana zog sofort die Reißleine und nahm sein Team mit sofortiger Wirkung aus der laufenden Tour. Auch der Lausitzer Andreas Klöden als Gesamtfünfter ist damit aus dem Rennen.

Winokurow ist der erste Fahrer, der bei der laufenden Tour überführt wurde. Winokurow ist der erste Fahrer, der bei der laufenden Frankreich-Rundfahrt überführt wurde. Zudem stehen der dänische Spitzenreiter Michael Rasmussen (Rabobank) sowie der spanische Zweite Alberto Contador (Discovery Channel) weiter unter dringendem Doping-Verdacht.

Winokurow spricht von "Blutanomalie infolge seines Sturzes"

Winokurow, der von seinem Team umgehend suspendiert wurde und Pau sofort verließ, will die Öffnung der B-Probe beantragen. "Er hat mir gesagt, er glaubt, dass die Blutanomalie Folge seines Sturzes ist", sagte Astana-Generalmanager Marc Biver und fügte hinzu: "Natürlich fürchte ich um die Zukunft des Teams. Die Tour-Direktion hat mir gesagt, dass es besser für die Tour ist, das Team Astana aus dem Rennen zu nehmen. Dem haben wir Folge geleistet." Bis auf Weiteres werde seine Mannschaft keine Rennen bestreiten. Laut Biver wurde auch Klöden nach dem Zeitfahren getestet, bei ihm wurden keine Auffälligkeiten festgestellt.

Patrice Clerc, Präsident der Tour-Organisation ASO, meinte: "Ich bin verraten worden. Ich bereue meine Entscheidung, Astana für die Tour zugelassen zu haben." Renndirektor Christian Prudhomme bezeichnete den erneuten Dopingfall als "totalen Bankrott für das System. Aber es gab zu keinem Zeitpunkt Überlegungen die Tour zu stoppen, nur weil offenbar einige russisch Roulette spielen. Veränderungen im Radsport gehen nur über die Tour." Dabei hilft offenbar auch die Polizei, die laut Medienberichten noch am Dienstagabend das Teamquartier der Astana-Mannschaft aufsuchen wollte.

Erst am vergangenen Mittwoch war eine positive Dopingkontrolle (Testosteron) beim verletzt ausgefallenen T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz vom 8. Juni bekanntgeworden. Der Blutdoping-Fall Winokurow setzt damit die Dopinggeschehen der vergangenen Monate im Radsport sowie im Team Astana spektakulär fort.

Der Kasache hatte am vergangenen Samstag beim Einzelzeitfahren in Albi die Konkurrenz nach Belieben beherrscht und mit 1:14 Minuten Vorsprung auf den Australier Cadel Evans gesiegt. Am Montag, einen Tag vor Bekanntwerden der Positivprobe, setzte er sich auf der vorletzten Bergetappe der 94. Tour im Alleingang durch.

Seine Chancen in der Gesamtwertung hatte der als Favorit gestartete Winokurow bei einem Sturz auf der fünften Etappe eingebüßt. Nur einen Tag vor seinem Triumph in den Pyrenäen war er am Sonntag noch hoffnungslos zurückgefallen und hatte fast eine halbe Stunde Rückstand eingesammelt. Winokurow fuhr von 2000 bis 2005 für das T-Mobile-Team und war dann zu Astana gewechselt. Der geständige Dopingsünder Jörg Jaksche hatte Winokurwos Team zuletzt schwer belastet.

UCI-Präsident Mcquaid will "die Analyse der B-Probe" abwarten

Am 13. Juli hatte das Team bereits den Franken und früheren T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler wegen Testosteron-Dopings entlassen. Kessler droht eine zweijährige Sperre. Der 28-Jährige war bei einer unangemeldeten Trainingskontrolle vor dem Klassiker "Fleche Wallonne" Ende April mit einem extrem überhöhten Testosteron-Wert aufgefallen. Zudem laufen Ermittlungen gegen den Italiener Eddy Mazzoleni. Bei drei Dopingfällen innerhalb eines Jahres wird eine Radsport-Mannschaft laut Reglement des Weltverbandes UCI ohnehin für vier Wochen gesperrt.

Die Nachricht von Winokurows Positivtest löste im Fahrerfeld Entsetzen aus. Etappensieger Linus Gerdemann von T-Mobile meinte: "Das einzig Tröstliche daran ist, dass es beweist, dass die Kontrollen funktionieren." Der Schotte David Millar, der selbst bereits eine zweijährige Dopingsperre abgesessen hat, gab gerade eine Pressekonferenz, als ihn die Nachricht erreichte. "Wenn Fahrer von solch einer Güteklasse so etwas tun, dann können wir alle nach Hause gehen. Manche Fahrer werden es nie verstehen", sagte Millar mit Tränen in den Augen. Zurückhaltend äußerte sich UCI-Präsident Pat Mcquaid: "Ich kann dazu nichts sagen, bis die Analyse der B-Probe vorliegt."

Zuletzt hatte TVM bei der Skandal-Tour 1998 ein komplettes Team wegen angeblicher Verfolgung durch die Dopingjäger zurückgezogen. 2004 war Olympiasieger Tyler Hamilton aus den USA als erster Radprofi wegen Blutdopings überführt worden.

© SID

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