Radsport Tour de France
Zabel fährt gegen die Vergangenheit - und genießt

Nach seiner Doping-Beichte bahnt sich für Erik Zabel bei der Tour de France ein kleines Happyend an. "Es ist nicht selbstverständlich, dass ich hier bin, deshalb versuche ich, das alles zu genießen", sagt der Routinier.

Auf seinen bislang zwöf Frankreich-Rundfahrten hat Erik Zabel alle Höhen und Tiefel miterlebt, Nummer 13 ist dennoch eine ganz neue Erfahrung für den erfolgreichsten deutschen Sprinter. Seit seiner Doping-Beichte vor acht Wochen hat sich die Radsport-Welt für Erik Zabel grundlegend geändert. Doch der einstige Musterprofi hat bei der Tour de France seinen Weg gefunden, mit der eigenen Vergangenheit umzugehen.

"Es ist nicht selbstverständlich, dass ich hier bin, deshalb versuche ich, das alles zu genießen", sagt der 37-Jährige, der die Große Schleife öfter als jeder andere im Peloton dieses Jahres gefahren ist und dabei nur einmal vorzeitig aufgab. Auf sein Bekenntnis, 1996 für kurze Zeit Epo genommen zu haben, hat er in diesen Tagen keine negativen Reaktionen erhalten - im Gegenteil: "Einige haben mir ihren Respekt ausgedrückt."

Trotz des Skandals lockerer als sonst

So wirkt der Sprintspezialist aus Unna, der im zweiten Jahr für das deutsch-italienische Team Milram fährt, bei der Tour lockerer denn je. Keine Frust-Reaktionen wie früher, wenn ein Etappenfinale nicht läuft wie geplant, kein Abtauchen nach Niederlagen. Selbst nach seinem hauchdünn verpassten Sieg auf der dritten Etappe, als ihn Spitzenreiter Fabian Cancellara (Schweiz) dank einer überraschenden Schlussattacke knapp bezwang, blieb Zabel gelassen: "Ein zweiter Platz ist für einen alten Mann wie mich doch auch nicht schlecht."

Auch T-Mobile-Sportdirektor Rolf Aldag hat eine starke Veränderung bei seinem Freund und langjährigen Zimmergenossen festgestellt. "Früher hätte man Ete nach so einer Niederlage für den Rest des Tages nicht mehr ansprechen dürfen, heute nimmt er die Sache mit einem lässigen Spruch hin", sagt der Westfale, der gemeinsam mit Zabel im Mai mit seiner Epo-Beichte an die Öffentlichkeit ging.

Der Leistung des Vizeweltmeisters ist die neue Lockerheit keinesfalls abträglich. Schon eine Woche nach dem emotionalen Geständnis feierte der gebürtige Berliner bei der Bayern-Rundfahrt seine ersten beiden Saisonerfolge, es folgte ein Tagessieg bei der Tour de Suisse.

Unerwartet gut

In den ersten Tagen der Frankreich-Rundfahrt war Zabel fast immer vorne dabei, was ihn in der Punktewertung nach der fünften Etappe schon auf Platz zwei brachte. "Ich hätte nicht erwartet, dass es so gut läuft", zeigt sich der sechsmalige Gewinner des Grünen Trikots selbst überrascht.

Dabei profitiert er auch von der Suspendierung des etatmäßigen Milram-Kapitäns Alessandro Petacchi wegen Doping-Verdachts. "Wenn er hier wäre, würde die ganze Mannschaft für ihn und keiner auf eigene Rechnung fahren. Aber so bekommt jeder seine Chance."

© SID

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