Radsport Tour de France
Zeitfahr-Krimi wird die Tour entscheiden

Bei der 93. Tour de France kommt es heute zum großen Showdown. Gleich vier Kandidaten streiten sich beim abschließenden Zeitfahren um das Gelbe Trikot, wobei Floyd Landis der klare Favorit ist.

Selten war eine Tour de France so kurz vor dem Schluss noch so spannend. Selten gab es beim letzten Zeitfahren einen solchen Showdown mit so vielen möglichen Siegeskandidaten. Nur eines ähnelt den letzten Jahren. Der Top-Favorit kommt aus den USA. Auch seine Konkurrenten Andreas Klöden, Carlos Sastre und Oscar Pereiro sehen Floyd Landis als klaren Favoriten auf den Sieg bei der 93. Tour de France.

"Ich schätze, Landis gewinnt die Tour", tippt der nach den Alpen viertplatzierte T-Mobile-Kapitän und liegt damit auf einer Linie mit den Spaniern Sastre und Pereiro. Das Rennen um die Plätze ist für Klöden dagegen noch nicht ganz entschieden: "Zweiter wird Sastre, Dritter Pereiro - oder ich."

Landis hat im Zeitfahren die besten Karten

Die Entscheidung wird heute beim Zeitfahren fallen. Als vermeintlich bester Zeitfahrer unter den vier Top-Platzierten der Gesamtwertung hat Landis angesichts seines geringen Rückstands auf das Gelbe Trikot scheinbar die besten Karten, nach dem Kampf gegen die Uhr vorne zu sein. "Wenn es normal läuft", schränkt Klöden allerdings ein. Und auch Spitzenreiter Pereiro ist sich noch nicht ganz sicher: "Floyd hat es jetzt selbst in der Hand - aber er muss es erst noch vollenden."

Dass die Frankreich-Rundfahrt im Jahr eins nach der Ära des überragenden Lance Armstrong bislang alles andere als normal lief, schürt die vagen Hoffnungen der Außenseiter. Jeder von ihnen lag bei dieser Tour schon einmal scheinbar aussichtslos zurück - und kam wieder heran. Am eindrucksvollsten gelang das Landis mit seinem Solosieg in den Alpen nur einen Tag nach seinem spektakulären Einbruch. Die Tourpostille L´Equipe schwelgte am Freitag in Superlativen: "Fantastisch, großartig, unglaublich."

Landis war schon im ersten Zeitfahren kaum zu schlagen

Nach seinem nicht für möglich gehaltenen Comeback ist der Phonak-Kapitän nun erster Anwärter auf die Nachfolge seines US-Landsmanns Armstrong. Im ersten langen Zeitfahren über 52km vor zwei Wochen musste sich der 30-Jährige nur dem früheren Weltmeister Sergej Gontschar (Ukraine/T-Mobile) geschlagen geben und das obwohl Landis während des Rennens das Rad wegen eines Defekts wechseln musste. Klöden verlor auf Landis 42 Sekunden, Sastre 1:10 Minuten und Pereiro gar 1:40 Minuten.

Vor dem entscheidenden Kampf gegen die Uhr von Le Creusot nach Montceau-les-Mines (57km) sind da 30 Sekunden Vorsprung von Pereiro und 18 seines spanischen Landsmanns Sastre auf den derzeitigen Dritten ein wenig beruhigendes Polster. Auch Landis glaubt, den Rückstand noch aufholen zu können: "Ich bin optimistisch, was meine Zeitfahr-Qualitäten angeht."

Klöden: "Ich werde alles versuchen, um aufs Podium zu kommen"

Für Klöden geht es angesichts seiner 2:29 Minuten Rückstand zur Spitze (1:59 Minuten auf Landis) wohl maximal um einen Podiumsplatz. "Selbst das wird sehr schwer", sagt T-Mobile-Teamchef Olaf Ludwig. Dennoch glaubt der Tour-Zweite von 2004 noch an seine kleine Chance: "Ich denke schon, dass ich noch Zeit gutmachen kann. Ich werde jedenfalls alles probieren, um noch aufs Podium zu fahren."

Das will Pereiro verhindern. Der 28-jährige Kletterspezialist, der dank seiner Flucht an der Seite des Berliners Jens Voigt (CSC) auf der 13. Etappe eine halbe Stunde Rückstand wettmachte und sich damit in den Kreis der Favoriten fuhr, hat an seiner einstiegen Schwäche gearbeitet. "Ich habe im ersten Zeitfahren bewiesen, dass ich mich nicht mehr um Minuten abhängen lasse", so der Fahrer vom Caisse-d´Epargne-Rennstall.

Sastre: "Ich bin nicht hier, um mich vorher geschlagen zu geben"

Der Blick des zweitplatzierten CSC-Kapitäns Sastre geht allein nach vorne. "Es geht im Zeitfahren um alles oder nichts, und ich bin nicht hier, um mich schon vorher geschlagen zu geben", sagt der Stellvertreter des wie Jan Ullrich suspendierten Italieners Ivan Basso: "Aber auch wenn ich nicht gewinne, kann ich sagen, dass ich bei dieser Tour alles gegeben habe."

Die besten 20 Fahrer der Gesamtwertung gehen im Drei-Minuten-Takt auf die Piste. Im Gelben Trikot tritt der Spanier Oscar Pereiro um 16.15 Uhr neun Minuten nach T-Mobile-Profi Andreas Klöden (16.06 Uhr) zum Kampf gegen die Uhr an.

© SID

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