Radsport Verband
Scharping: "Muss andere Prioritäten setzen"

BDR-Präsident Rudolf Scharping ist wegen seines Kurztripps nach Mallorca während der Deutschland-Tour in die Kritik geraten. Im Interview spricht Scharping über die Vorwürfe und die Zukunft des Radsports.

Rudolf Scharping ist wegen seines Kurztripps nach Mallorca während der Deutschland-Tour in die Kritik geraten. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) spricht der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) über die Vorwürfe gegen seine Person und die Zukunft des Radsports.

sid: "Herr Scharping, in den letzten Tagen ist Kritik an Ihrer Person laut geworden, weil Sie bei der Deutschland-Tour nicht anwesend sind. Wie stehen Sie zu den Vorwürfen?"

Rudolf Scharping: "Da hat jemand eine Falschmeldung in die Welt gesetzt. Ich war am Donnerstag bei der Deutschland-Tour. Am Freitag und am Montag habe ich für den BDR einige Fragen wegen Dopingbekämpfung geklärt und einen neuen Kooperationsvertrag verhandelt. Es ist heutzutage alles andere als leicht, aber die wirtschaftlichen Grundlagen des Radsports haben jetzt für mich Priorität. Zusätzlich war ich bei den Rennen in Bochum und Erfurt. Und am Freitag und Samstag bin ich wieder bei Radrennen, dann in Hamburg. Mehr geht nicht, und was ich geschäftlich oder gesundheitlich zu regeln habe, ist kein Thema für die Öffentlichkeit, oder?"

sid: "Verstehen Sie denn die Forderung nach Ihrer Anwesenheit?"

Scharping: "Als Radsportfan wäre ich sehr gerne jeden Tag da, als BDR-Präsident muss ich derzeit andere Prioritäten setzen. Ich habe in den letzten drei Wochen mehrmals bezüglich des TV-Vertrags mit der ARD am Tisch gesessen, Sponsoren bei der Stange gehalten und neue dazu gewonnen. Ich hatte Wolfgang Schäuble den Vorschlag einer Steuerungsgruppe für die WM in Stuttgart gemacht, einschließlich der konkreten Maßnahmen, die wir mit Stuttgart vereinbart haben oder mit der ARD wegen der Deutschland-Tour. So ist schließlich die WM einschließlich der Übertragungen gerettet worden. Das gilt ebenso für die Deutschland-Tour. Schön, dass sie spannenden Sport bietet und einen konsequenten Kampf für glaubwürdigen Radsport."

sid: "Sollten Sie als Mitglied der Steuerungsgruppe, die das strikte Anti-Doping-Programm kontrollieren soll, nicht trotzdem anwesend sein?"

Scharping: "Meinen Sie, ich sollte im Zielraum einen Fahrer als Chaperon begleiten? Im Ernst: alle diese Maßnahmen gegen Doping, die Blutkontrollen, die anderen Kontrollen oder das Chaperon-System, haben wir vorher besprochen und festgelegt, auch mit der UCI, auch gegenüber der ARD. Das ist auch notwendig und nur dank dieser guten Vorbereitung klappt das jetzt auch. Übrigens: alles auf der Grundlage unserer Maßnahmen im BDR seit August 2006."

sid: "Vizepräsident Sprenger ist in den letzten Tagen in die Kritik geraten. Es wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Wiesbaden gegen ihn ermittelt. Er soll schwarze Doping-Kassen in seiner Zeit beim Team Nürnberger installiert haben. Haben die laufenden Ermittlungen Konsequenzen für ihn?"

Scharping: "Es ist sehr gut, dass die Staatsanwaltschaft ermittelt. Niemand kann besser aufklären, wer da anonym Beschuldigungen erhebt und was da dran ist. Herr Sprenger hat seine Erklärungen abgegeben, eine große Zahl von Zeugen stützt seine Darstellung. Warten wir also die Ermittlungen ab. Wir werden das Thema sofort bei unserer nächsten Zusammenkunft besprechen. Dazu gehört auch die WM Nominierung."

sid: "Apropos WM-Nominierung, gibt es schon eine Tendenz im Fall Erik Zabel?"

Scharping: "Nein. Wir werden die sportlichen Gesichtspunkte und allen anderen Umstände berücksichtigen. Das wurde schon am 29. Juni so entschieden."

sid: "Ist bei Andreas Klöden seine Zugehörigkeit zum Astana-Team ein Hinderungsgrund?"

Scharping: "Für Andreas Klöden gelten die gleichen Maßstäbe ebenso wie für jeden anderen, auch für die Frauen und für die U23. Wir wollen eine leistungsstarke Mannschaft. Der Mannschaftsgeist muss da ebenso stimmen wie die individuelle Leistung. Egoist darfst du im Radsport nur auf der Zielgeraden sein, wenn überhaupt. Ich darf anfügen, wie schade es doch ist, dass diese Themen ständig den Sport verdrängen. Hoffentlich frustriert das nicht die Jungen, die gerade bei der Junioren-WM so super erfolgreich waren."

sid: "Zurück zur Deutschland-Tour, wie sehen Sie deren Zukunft?"

Scharping: "Die Entwicklung bislang ist positiv. Wir hoffen, dass wir dieses Rennen auch in Zukunft erhalten können. Dafür wäre übrigens hilfreich, wenn endlich der zerstörerische Machtkampf auf der internationalen Ebene aufhörte."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%